Systembauwände für den Innenausbau
Flexibler Gestaltungsspielraum beim Raumprogramm

Die Beschaffenheit von Wänden ist ausschlaggebend für die Fähigkeit eines Gebäudes, Veränderungen des Raumbedarfs zu unterstützen. Dabei hängt die Flexibilität der Wände sowohl von den Materialien als auch von der Konstruktion ab. Unternehmen, die schnell auf veränderte Anforderungen reagieren wollen, benötigen Gebäude, die sich ebenso schnell anpassen lassen. Ob räumliche, technische oder gestalterische Veränderungen gewünscht sind, Wände sind immer davon betroffen und dürfen nicht im Wege stehen.

Zu den größten Innovationen der Bautechnik zählen Stahl und Stahlbeton, denn die dadurch möglich gewordene Reduktion des Trag­werks auf Stütze und Platte führte zu neuen Gebäudestrukturen. Die Skelettbauweise bedeutet fast unbegrenzte Freiheit für die Grund­rissgestaltung und befreit die Wand von ihrer tragenden Aufgabe. Insbesondere für Industrie- und Verwaltungsbauten eröffneten sich vollkommen neue Möglichkeiten.

Mit dem Wandel der Arbeitswelt steigt der Anspruch an Gebäude mit flexiblen Grundrissen, vor allem im Bürosektor. Bei Umstrukturierungen oder Mieterwechsel müssen sich Räume teilen, erweitern und verkleinern lassen. Bei Erneuerung der Gebäudetechnik oder Erweiterung des Kommunikationsnetzes sollen Wände schnellen Zugriff auf Leitungen gewährleisten und eine einfache Neuverkabe­lung ermöglichen. Gewünscht sind Wände, die bezüglich Positionierung, Materialien, Farbe und Transparenz den Gestaltungsspielraum bieten, den Architektur und Innenarchitektur benötigen, um Räume zu schaffen, in denen sich Menschen wohl fühlen und gut arbeiten können. Damit die Gebäude ihr Potential optimal entfalten können, muss die Entscheidung, welche Art Wände eingesetzt werden, wohlüberlegt sein. Im Folgenden wird aufgezeigt, was die verschiedenen Konstruktionen wie Massivwände, Gipskartonständerwände und Systemtrennwände leisten können.

Massivbauwände

Massive Wände werden aus schweren mineralischen Baustoffen gemauert oder gegossen (Ziegel, Kalksandstein, Beton). Die ebene Oberfläche wird anschließend mit einer Putzschicht hergestellt, die gespachtelt und entweder gestrichen oder mit einem zu streichenden Wandbehang tapeziert wird. Bei Stahlbetonwänden werden Fugen und Un

ebenheiten verspachtelt. Sichtbeton und Sicht­mauerwerk haben bereits fertige Oberflächen, sind jedoch aufwendig und teuer in der Herstellung. Massivwände weisen eine hohe Tragfähigkeit (allerdings unwichtig bei Gebäuden in Skelettbauweise) und guten Schall- und Brandschutz auf. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, schwere Lasten anzuhängen. Massivbauwände sind recyclebar, da sie aus rein mineralischen Baustoffen bestehen. Aller­dings ist die Bauzeit relativ lang, da die Wände direkt auf der Baustelle erstellt werden. Wegen des teilweise recht hohen Eigengewichts sind je nach Tragfähigkeit der Decke Unterzüge oder darunter liegende Stützen oder Wände erforderlich. Massive Wände sind im Grundriss nicht frei positionierbar und nicht zerstörungsfrei versetzbar. Die Leitungsführung innerhalb einer Massivbauwand ist aufwendig und starr und muss, insbesondere bei Betonwänden, frühzeitig geplant werden. Eine Vorwandinstallation zur Aufnahme der Leitungen ist aus gestalterischen Gründen nicht immer wünschenswert. Darüber hinaus sind beim Bau mehrere Gewerke zu koordinieren, die zusätzliche Feuchte in den Bau bringen.

Leichte Trennwände

Sowohl in der Fertigung als auch im Lebenszyklus wirtschaftlicher als Massivbauwände sind leichte Trennwände. Darüber hinaus weisen sie große funktionale Vorteile auf. Die Untergrundkonstruktion einer Gipskartonständerwand besteht aus Metallständern, die auf der Geschossdecke abgestellt und an der Decke gehalten sind. Die Ständer sind je nach Schall- und Brandschutzanforderungen beidseitig mit ein bis drei Lagen Gipskartonplatten oder ähnlichen Plattenmaterialien beplankt. Für den Schallschutz sollten die Wände nicht auf dem Estrich aufgestellt (ungünstig für die Flexibilität) und die Hohlräume zwischen den Ständern gedämmt werden, besser ist noch die geteilte Ausführung der Unterkonstruk-tion, um die Schallübertragung zu minimieren. In Sonderfällen und bei Brandschutzanforderungen kommen auch Doppelständer mit dazwischenliegender Beplankung zum Einsatz. Gipskartonständerwände sind kostengünstig und aufgrund ihres geringen

Eigengewichts im Grundriss beliebig positionierbar. Gemessen am Gewicht weisen sie gute Schall- und Brandschutzeigenschaften auf. Sie sind schnell montiert und es tritt keine zusätzliche Baufeuchte auf, da die Herstellung im Trockenbau erfolgt. Die Oberfläche ist gegen Schmutz und Abrieb empfindlich. Die Leitungsführung ist vergleichsweise komfortabel und kann relativ kurzfristig entschieden werden. Allerdings ist die Tragfähigkeit der Leichtbauwände für angehängte Lasten begrenzt, im Einzelfall sind eingebaute Verstärkungen notwendig. Da die Wand auf der Baustelle gefertigt wird, ist die Bauzeit im Vergleich zu einer Systemtrennwand relativ lang. Wie bei der Massivwand ist kein zerstörungsfreies Versetzen möglich.

Systemtrennwände

Versetzbare Trennwände haben mit der Gipskartontrennwand das grundlegende Funktionsprinzip gemeinsam: Die Ständer werden auf dem Boden abgestellt und beidseitig mit Platten beplankt, die Hohlräume mit Dämmstoff gefüllt. Allerdings werden versetzbare Systemtrennwände in der Regel im Werk vorgefertigt und sind daher auf der Baustelle schnell montiert. Beim Einbau selbst fallen weder Schmutz noch zusätzliche Baufeuchte an und auch der Scheibenzwischenraum doppelt verglaster Wandelemente bleibt staubfrei. Für den Bauablauf bedeuten all diese Fak­toren eine Vereinfachung, auch die Koordination mehrerer Gewerke entfällt. Die Verglasungs- und Türelemente sowie Zusatzfunktionen für Stauraum und Elektrifizierung können einfach integriert werden. Der Zugang zu Leitungen ist einfach und Wand- und Glaswandelemente sind schnell ausgetauscht. Die Vielfalt der Systembausteine von Vollwandelementen, raum- und brüstungshohen Verglasungen, Wänden mit Mittelverglasungen oder Oberlichtwänden bietet für die Planung großen Spielraum. Darüber hinaus stehen eine große Auswahl an Wandschalen aus Holzwerkstoffen oder Metall in vielfältigen Oberflächen zur Verfügung. Eine fugenlose Wandoberfläche, wie bei Gipskartonständer- und Massivwänden ist konstruktionsbedingt allerdings nicht möglich. Auch sind unvorhergesehene Änderungen auf der Baustelle nicht mehr auszuführen, da die Wände vorab gefertigt werden. Die Trennwände sind sowohl im Achs- wie im Bandraster zu verbauen. Auf beiden Wandseiten können unterschiedliche Rasterprinzipien eingesetzt werden, was die Planungs- und Gestaltungsfreiheit erheblich vergrößert. Da die meisten Trennwandsysteme projektspezifisch gefertigt werden, spielt es keine Rolle, welche Maße der Auftraggeber benötigt, solange die maximalen Breiten- und Längenmaße nicht überschritten werden. Es können aber auch Sonderlösungen entwickelt werden.

Weil Schale und Metallständer in der Regel durch Klemmen oder Einhängen verbunden werden, sind Systemtrennwände schnell und zerstörungsfrei umsetzbar. Ein Umbau bleibt kostengünstig, da alle Bauteile wiederverwendet werden können. Allerdings ist

gegenüber Gipskartonständerwänden bei der Anschaffung mit höheren Investitionskosten zu rechnen.

Material und Oberflächen

Als Material für die Wandschale kommen Dreischicht-Spanplatten mit einer Stärke von 19 mm zum Einsatz, auch Gipsspanplatten und Stahlpaneele sind möglich. Eckelemente, Anschlussteile und Rahmen für die Glaswände werden z. B. aus pulverbeschichtetem Stahl oder eloxiertem Aluminium gefertigt. Optional sind Ausführungen der Oberflächen mit HPL-Schichtstoffen, DD-Lackierung, Echtholzfurnieren oder Glasfaser- bzw. Textilgewebe oder anderen Werkstoffen. Die langlebigen Schalen erfüllen die Anforderungen hygienisch anspruchsvoller Umgebungen. Alle Konstruktionsteile werden durch austauschbare Steck-, Klemm- oder Schraubverbindungen zusammengefügt. Dadurch ist ein Austausch ohne Materialverlust und ohne großen Aufwand möglich, neue Elemente können einfach nachgerüstet bzw. die alten an anderer Stelle wiederverwertet werden.

Beim feco-System werden die Wandschalen durch ein patentiertes Klemmsystem gehalten, das die Elemente an den Rändern durchgängig verbindet. Ein Ausbauchen der Wandschalen ist durch die Widerhaken ähnliche Verbindung mit dem Ständer ausgeschlossen. Gleichzeitig sind die Trennwandschalen gegen seitliches Verschieben achsgenau arretiert. Das gewährleistet Längsstabilität und erübrigt unschöne Abstandhalter. Daraus ergibt sich ein exaktes Fugenbild, was für den ästhetischen Wert der Trennwand entscheidend ist. feco-Glaselemente werden werk

seitig vorgefertigt und als komplett verglaste Elemente angeliefert. Auch Jalousien sind, wenn gewünscht, bereits im Werk integriert. Die Glasrahmenkonstruktion ermöglicht den späteren Ausbau einer Glasscheibe ohne Demontage des Glaselements.

Für den Schallschutz sorgt ein umlaufendes Dichtungsband an allen Plattenrändern, das die Luftschlitze zwischen Wandschale und Unterkonstruktion abschottet. Die Vollwand-Konstruktion erreicht schon mit der Standard-
Wandstärke einen Schalldämmwert von bis zu Rw,P = 52 dB. Bei erhöhten Schallschutzanforderungen sind mit einer 125 mm starken Wand Schalldämmwerte bis zu 57 dB möglich. Raumhohe Glaselemente erreichen bis zu Rw,P = 49 dB und Türelemente bieten einen Schallschutz bis zu Rw,P = 47 dB. Da die Schall­dämmwerte schon mit geringen Wandstärken erreichbar sind, ist der Flächenverbrauch durch die Wände gering. feco-Trennwände sind in allen Brandschutzklassen geprüft und auch für die Sicherung von Fluchtwegen einsetzbar. Die Vollwand erreicht einen Brandschutz bis zu F90 AB, Verglasungselemente erreichen bis F30 und G30. Türen erfüllen die Anforderungen der Brandschutzklasse T30.

Fazit

Versetzbare Leichtbauwände unterstützen

Arbeitsprozesse, indem sie gliedern und

Räume definieren. Sie bieten Offenheit für Kommunikation und Schutz für konzen­triertes Arbeiten gleichermaßen. Denn Trennwandsysteme sind mehr als nur eine „Wand“. Sie integrieren im System Stauraumlösungen wie Schrankwände und Regale sowie Elemente zur persönlichen Arbeitsplatzorganisation. Auch Kommunikations- und Stromleitungen mit Anschlussmöglichkeiten direkt am Arbeits­platz finden in der Wand Platz. Bei

alledem erfüllen die Trennwandsysteme alle bauphysikalischen Anforderungen, die an eine Massivwand gestellt werden und bieten Schall- und Brandschutz schon bei geringen Wandstärken. Für die Bewirtschaftung von Bürogebäuden erweist es sich als Vorteil, dass sich die Systemtrennwände ohne gro­ßen Aufwand versetzen lassen, wenn sich das Raumprogramm ändert, und dies sogar im laufenden Betrieb, während die Mitarbeiter weiter ihrer Tätigkeit nachgehen.

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