Schlosskrönung mit ZWEIFEL

Dabei sah am Anfang alles so gut aus: Nachdem der Bund klar gemacht hatte, dass er für die Kosten der Kuppel am gerade aufgebauten Schloss nicht aufkommen werde und nötigenfalls auch eine unverkleidete Stahlkonstruktion das Kuppelvolumen anzudeuten habe, gab es plötzlich dann doch Geld. Von privaten, ungenannten Spendern. Für die Kuppel und ihren Schmuck. Letzterer besteht – wie bei Kuppelaufbauten dieser Zeit üblich – aus der Laterne, hier mit acht Engelsfiguren geschmückt, die eine zweite Kuppelhaube in Form von Palmblättern tragen und einem das ganze Schloss krönendem Kreuz. Das wird, blattvergoldet, in rund 70 m Höhe thronen. Und wurde von Inga-Maren Otto gespendet. Das Kreuz auf der Kuppel hat aktuell für viel Streit darüber gesorgt, wie denn der öffentliche Bauherr mit christlicher Symbolik umzugehen habe?

Den einen ist es ein Symbol auch für unser Herkommen, unsere christlich abendländische Kultur. Den anderen ist es genau dieses und – weil auch diese Geschichte belastet ist – damit auf einem Profanbau nicht angemessen. Der Architekt des Schlossnachbaus, Franco Stella, rät dazu, der Architektur nicht die Fehler seiner Erbauer anzulasten und also das Schloss auf die Kuppel zu heben. Wieder andere fragen, ob denn eigentlich klar sei, welcher Bauzustand hier rekonstruiert werden soll, denn bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein gab es auf dem Schloss weder eine Kuppel noch das sie krönende Kreuz.

Ausgelöst hat den Streit die Berliner Stiftung Zukunft, die erklärt hatte, das geplante Symbol gefährde den Dialog der Kulturen und Religionen. Ein Kreuz als christliches Symbol auf der Kuppel signalisiere nicht deren grundsätzliche Gleichwertigkeit. Unterstützt wird die ablehnende Haltung der Stiftung von Vertretern der Grünen und der Linkspartei, Zustimmung findet das Kreuz unter anderem vom Zentralrat der Muslime in Deutschland und den Gründungsintendanten des Forums. Diese – Hermann Parzinger, Neil McGregor und Horst Bredekamp – brachten allerdings in einem Beitrag für die FAZ vom 6. Juni die Idee auf, neben dem Kreuz auch den Schriftzug „ZWEIFEL“ auf dem Gebäude zu installieren. Den stellte der norwegische Künstlers Lars Ramberg als Leuchtskulptur einst auf die Traufkante des Palastes der Republik, zu einer Zeit, als noch über den Abriss des einstigen DDR-Gebäudes auf dem Berliner Schlossplatz diskutiert wurde.

Das könnte tatsächlich ein starkes Zeichen sein, eines, das ganz grundsätzlich und sehr elegant der anhaltenden Kritik an dem Bauprojekt den Wind aus den Segeln nähme. In Potsdam haben sie das ja schon an ihrem Schloss gemacht: „Ceci n‘est pas un château“ steht allerdings vergleichsweise dezent auf der rekonstruierten und ebenfalls privat
finanzierten Schlossfassade (Künstlerin Annette Paul). „Das ist kein Schloss hier“ … so formuliert man Gewissheit. Beim Berliner Schloss sind insgesamt Zweifel angebracht, die Idee mit dem Schriftzug könnte das Projekt vielleicht nicht sympathischer machen, so es doch rechtfertigen. Be. K.

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