Räume als Kommunikatoren entwickeln

Prof. Dipl.-Ing. Eckhard Gerber, Dortmund
zum Thema „Bildungsbauten“

Unsere Arbeitswelt ist im stetigen Wandel: Die Berufe sind heute hochspezialisiert und der Spezialisierungsgrad nimmt weiter zu. Darum braucht unsere Gesellschaft Menschen, die mitdenken und Verantwortung übernehmen können. Es geht auch darum, mit den Werkzeugen unserer digitalisierten Welt mitzuwachsen und den Blick für Veränderungen offen zu halten.

Dies können natürlich nicht allein die Schulen und Hochschulen leisten. Bildung fängt in der Familie an, geht über auf Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche und ist eine Aufgabe für jeden Einzelnen. So ist sie auch eine Aufgabe für uns als Architekten und

Bauingenieure, denn der Raum ist der „dritte Pädagoge“, wie der Erziehungswissenschaftler Loris Malaguzzi sagte. Bildung lebt durch Kommunikation und Austausch. Wer Neues lernt, lernt nicht nur durch die Lehrenden, durch Bücher und andere Medien. Wer Neues lernt, lernt immer auch durch den Dialog mit anderen. Eine zeitgemäße Architektur für Bildungsbauten, beginnend schon mit Kindertagesstätten, zeichnet sich dadurch aus, innen und außen Gemeinschaftszonen anzubieten, die den Dialog und die Kreativität fördern. Bildungsgebäude sollen solche Räume sein, die zum Sitzen, Verweilen und Kommunizieren einladen. Überhaupt sollen sie einladen – einladen durch Eingangsbereiche und Fassade, die ein- und nicht ausschließen!

Da Bildung nicht eingeengt werden darf, brauchen Bildungsbauten hohe und lichte Räume und solche, in denen Lehrende und Lernende Alternativen finden zu Räumen, die mehr als Frontalunterricht zulassen. Ein anderer Aspekt zeitgemäßer Bauten von Schulen und Hochschulen ist eine gute Organisation und Strukturierung der Gebäude. Eine klare architektonische Gebäudestruktur ist eine didaktische Hilfe, sie kann einprägsames Bild und Vorbild sein. Ein Gebäude, in dem beispielsweise die Wegeführung klar ist, das „ruhig und klar“ strukturiert ist, strahlt eine Atmosphäre aus, die sich positiv auf die Lern- und Arbeitsatmosphäre auswirkt. Das Äußere eines Bildungsbaus, das wissen wir aus der Forschung, schlägt sich immer auch auf die innere Lernatmosphäre nieder. Das gilt auch und in besonderem Maße für die gewählten Raumproportionen, für verwendete Materialien oder den Blickbezug nach draußen.

Als Architekten und Stadtplaner versuchen wir den Raum durch ästhetische Wohn-, Arbeits- und Stadträume zu ordnen. Wir wollen umfassende Strukturen schaffen, in denen wir alle lernend, motiviert und zufrieden leben können. Es ist unsere Aufgabe, darin Räume für kreative zeitgemäße Bildung zu schaffen!

Der Architekt
Prof. Dipl.-Ing. Eckhard Gerber, 1959–1966 Architekturstudium, TH Braunschweig – Stipendiat, Firma Reemtsma. 1966 Bürogründung: Werkgemeinschaft 66. 1973–1975 Assistent Universität Dortmund. 1975 Förderpreis des Landes NRW „Städtebau und Architektur“.
Seit 1979 Gerber Architekten Dortmund. 1981–1992 Professur Universität Essen, 1990–2004 Professur Bergische Universität Wuppertal. 1992–2010 Vorsitzender Dortmunder Kunstverein. 1995–1999 Dekan Bergische Universität Wuppertal, Fachbereich Architektur. 2004–2012 Professur Bergische Universität Wuppertal, Masterstudiengang REM + CPM.
www.gerberarchitekten.de

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