Penthouse in Elbphilharmonie www.bruecknerarchitekten.de, www.schotten-hansen.com

„Projekt 24.41“, das klingt kryptisch. Und wirklich, man erfährt nichts Genaues über das geplante Penthouse in der obersten, der 24. Wohnebene der Elbphilharmonie. Oder doch, man erfährt eine ganze Menge: Dass man auf der Baustelle mit Abweichun­gen von der Ausführungsplanung arbeiten muss, dass der sehr anspruchsvolle und materialintensive Ausbau mit Rücksicht auf den Gesamt-organismus Philharmonie logistisch allein über den Personenaufzug zu lösen ist oder auch, dass man die „amorphen Räume“, die dort eingebaut werden, „in einem modernen Gebäude der von den Baseler Stararchitekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron entworfenen Elbphilharmonie sicher nicht erwarten würde.“ Wieso eigentlich nicht?

Die Herausforderung bestand also darin, der modernen Zweckarchitektur eine organische zu implementieren. Geleistet wurde das von einem Team aus der für die Gestaltung verantwortlichen Innenarchitektin Irena Richter, dem Büro Brückner Architekten als Generalplaner und dem Spezialisten für hochwertigen Innenausbau und Systembau, Schotten & Hansen. Die Innenarchitektin entwarf anhand der vorliegenden 2D-Planung eine fließende Raumlandschaft, die die Architekten in einem 3D-Modell rechnerisch anpassten. Dazu wurde der Rohbau mittels Laserscanner exakt aufgenommen. In das so erzeugte räumliche Modell wurden die Skizzen der Architektin eingepasst. Das dann komplette Raummodell mit Konstruktionsdetails und technischer Versorgung wurde mithilfe des Rechenprogramms so verlegt, dass es über die vorhandene innere Erschließung überhaupt transportabel wird. Zur Probe wurden Teile in einem 1:1-Modell montiert.

In den Rohbau werden dann die Segmente der vorgefertigten Konstruktion (Holz) eingebracht und montiert, darauf die Wand- und Deckenschalen und pilzähnliche Säulen befes-tigt, die wie ein modulares Baukastensystem auf der Baustelle zusammengesetzt werden. Die Bauteile sind millimetergenau mit computergesteuerten CNC-Fräsen und modernen Robotern aus leichtem Porenbeton oder aus Gipskarton gefräst. Zum Schluss werden die Oberflächen mit feinkörnigem, atmungsaktiven Material homogen verputzt.

Wer dort demnächst wohl wohnen wird? Nichts Genaues weiß man nicht. Be. K.

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