Nur mit der Musik geht‘s

Musik und Architektur gehören fest zusammen. Volksmusik hängt an Heimeligkeit und Rekonstruktion, klassische Musik am gut gestalteten, repräsentativen Zweckbau, der Jazz am Materialexperiment. Und die Neue Musik? Die hängt dort, wo zeitgenössisch gebaut und wo über den Raum als etwas Gestaltbares nachgedacht wird. „Sound-scape“ oder „spatial music“ sind Begriffe, die wie „Dichte“ oder „Schichtungen“, „Transparenz“ oder „Serialität“ sowohl in der Neuen Musik wie auch in der Avantgarde-Architektur des 20., aber auch
21. Jahrhunderts, synonym gebraucht werden.

Eine Tatsache, die immer mehr aus dem Bewusstsein der Architekten und Ingenieure verschwunden ist und die wieder aufzurufen die Lektüre des hier vorliegenden Lexikons ermöglicht.

Tatsächlich bieten die rund 200 lexikalischen Artikel, aber eben auch mit einigen längeren Essays über die Neue Musik seit 1945, besten Lesestoff. Das mag verwundern bei einem Lexikon, das doch eher den schnellen Zugriff auf Einzelaspekte ermöglichen soll. Doch vor dem Hintergrund der großen Musikgeschichte der Gegenwart MGG (ebenfalls Bärenreiter), aus welcher dieser Band erwachsen ist, wird verständlich, dass die Herausgeber das Thema nicht bloß über lexikalische Artikel vertiefen, sondern vor allem über die Essays im Vorspann.

Hier werden musikgeschichtliche Zusammenhänge, Grundfragen der Neuen Musik deutlich und man beginnt über Bezüge zum Bauen zu stolpern und sich zu wundern, wieso das, was Frank Lloyd Wright, was Le Corbusier oder das Team Stockhausen/Bornemann einmal selbstverständliche Bezugsgröße zum Denken über Architektur war, heute nur noch unbewusst eingesetzt wird; und damit leider viel zu wenig gewinnbringend. Klar: BKI, VOF, BIM, HOAI oder AVA sind wichtige Arbeitsgrundlagen. Mit denen aber so zu arbeiten, dass am Ende eine umfassend nachhaltige Architektur herauskommt, verlangt Wissen um die Zusammenhänge von Bau- und Tonkunst; was nicht bloß die Bauherren befriedigt! Mit Personen-/Werk- und Sachregister. Be. K.

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