„Not macht erfinderisch“

Philipp Bilke zum Thema „Schulbauten“

Lernen ist das halbe Leben. Und da Schulgebäude den Raum dafür bieten, müssen sie optimale Bedingungen schaffen. Philipp Bilke entwarf in seiner Bachelorarbeit eine Grundschule auf der Insel Hombroich, die sich zurückhaltend in die Landschaft fügt und so das Lernen unmittelbar in der Natur ermöglicht. Dafür wurde er mit dem Studienpreis BDA Masters ausgezeichnet.

 

Sie haben eine Grundschule auf der Insel Hombroich entworfen. Stellen Sie Ihren Entwurf bitte kurz vor.

Das für die Schule vorgesehene Gelände befindet sich zwischen der Insel und der Raketenstation. Es ist gänzlich in ein landwirtschaftlich genutztes Gebiet eingebettet, so dass enorme Weiten den Ort charakterisieren. Weiter nordwestlich wird es durch eine Bahnstrecke, südöstlich durch eine Landstraße begrenzt. Die diesen Verkehrsadern zugewandten Fassaden sind daher weitestgehend geschlossen. Nord­­ost und Südwest Fassade hingegen sind weit geöffnet und geben den Blick in die umliegende Landschaft frei. Der Großteil der Räume basiert auf einem quadratischen Grundriss, so dass eine multifunktionale Bespielung des Inneren möglich ist. Entsprechende Räume sind zu Raumgruppen zusammengefasst, die sich sinngemäß dem Sonnenverlauf und ihrer Funktion nach anordnen. Dem bestehenden Konzept der Insel „Kunst parallel zur Natur“ folgend, zeichnet sich die Architektur der Schule durch ihr monolithisches Erscheinungsbild ab, wobei sie die Umgebung dabei keineswegs ignoriert. Die großen Öffnungen vermitteln die optische Verschmelzung von Innen- und Außenraum. Architektur und Natur bedingen sich gegenseitig.

Schulgebäude müssen funktional, langlebig und günstig sein. Gleich­zeitig sollen sie motivierende, inspirierende Orte sein, an denen sich Schüler gerne aufhalten. Wie bekommt man das unter einen Hut?

Es ist eine trügerische Annahme zu glauben, dass gute Architektur zwangsläufig auch kostenintensiv sein muss. Es geht weniger darum, ein architektonisches Kunststück durch die Verwendung von hoch technologisierten Materialien, gewagten Konstruktionen und unbezahlbaren Systemen zu erzielen, als um das Erkennen struktureller, wie inhaltlicher Grundfragen gemeinschaftlichen Lernens, sowie der Logik von Konstruktion. Darüber hinaus stellt sich mir die Frage, wann ein Gebäude günstig ist. Vielmehr sollte es die Sache wert sein. Der Begriff langlebig scheint mir in diesem Zusammenhang weitaus gehaltvoller. Überdauert ein Gebäude Generationen und dient diesen ein Leben lang, so wird am Ende niemand dessen Wert in Frage stellen. Inspirationen haben sich ferner noch nie aus einem Überfluss an Dingen generiert. Im Gegenteil, Not macht erfinderisch und gerade Kinder, die wesentlich phantasievoller und unbefangener den Dingen mit größter Neugier begegnen, sind für den improvisatorischen Akt des Schaffens überaus empfänglich.

Äußerst vorbildhaft ist für mich die Arbeit des japanischen Architekten Shigeru Ban, der auf eine unglaublich inspirierende Weise, jenseits des Gewohnten, mit Hilfe einfachster Mittel die Essenz der Dinge zu finden versucht.

 

Inwiefern beeinflusst die Umgebung, die Architektur das Lernen?

Architektur, der Raum der uns umgibt, die Materialien, das Licht und der Geruch sind natürlich ganz entscheidende Dinge, die unsere generelle Wahrnehmung, wie auch unser Lernverhalten grundsätzlich beeinflussen. Jedoch sollte es nicht die Aufgabe der Umgebung sein, das Kind zu formen, sondern ihm zu erlauben sich zu offenbaren. Den Kindern die Möglichkeit der Erkenntnis zu geben und sie nicht zu belehren. Die Architektur, als eine Art Hülle, die den nötigen Rahmen für das schulische Geschehen im Inneren stellt. Ein von Licht durchfluteter Werkraum, animierend zum kontemplativen Reflektieren und der schöpferischen, gemeinschaftlichen Improvisation im Inneren. So verstehe ich meine Schule.

 

Was hat sich in den letzten Jahren an der Architektur für Schulgebäude geändert und was sollte sich zukünftig ändern?

Bedingt durch die Vielzahl maroder und überholter Bausubstanzen aus den geburtsstarken 60er- und 70er- Jahren, ist die energetische, wie strukturelle Sanierung in den vergangenen Jahren zu einem zentralen Thema geworden. Neue Erkenntnisse der Lernforschung bringen neue Unterrichtskonzepte, die zwangsläufig zu Veränderungen räumlicher Strukturen führen. Diesen Veränderungen können wir nur dann nachhaltig gerecht werden, wenn wir Systeme entwickeln, die auf offenen und anpassungsfähigen Struk­turen basieren.


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