Nachahmenswertes

Wer hat die dänische Architektur zu dem gemacht, womit wir sie heute verbinden: mit rationalem Design, mit Lässigkeit, mit Handwerk? Der Autor der hier vorliegenden, gut gefüllten Monografie geht von Einzelpersönlichkeiten und ihrem Einfluss auf die dänische Architekturszene aus: An erster Stelle kommt der Schwede Erik Gunnar Asplund, dann – überraschender Weise – Frank Lloyd Wright, dann der Däne Kay Fisker (mit C. F. Møller) und natürlich Morgens Lassen. Hinzukommen die nationalen Superstars wie Jørn Utzon unf Arne Jacobsens, die sich jedoch – so der Autor recht überzeugend – auf die Mies van der Rohes, Le Corbusiers und Rietvelds dieser Welt konzeptionell und auch inhaltlich beziehen.

Aber ist damit die dänische Moderne eine internationale? Der Blick auf die der Einleitung folgenden, wunderbar im Detail gezeigten Bauten mit Holz und Backstein, Glasfronten und edel rustikalen Interieurs zeigt aber, dass die lokalen Architekten das Rationale der internationalen Moderne hervorragend mit der Einfachheit und dem Handwerklichen der Region anreichern konnten. Es entstanden in den fünfziger und sechziger Jahren beinahe idealtypische Einfamilienhäuser, deren Rezeption in Europa zu einer gegenläufigen Einflussnahme insbesondere auch in Deutschland geführt haben: Dänisches Design und dänische Architektur gelten noch heute als zeitlos und nachahmenswert.

Das prall mit Fotografien gefüllte Buch stellt, nach der historisch einordnen Einleitung, ausgewählte Wohnbauten detailliert vor. Fotos, Texte und ein Grundriss erläutern das Konzept und machen die Gebäude erstaunlich zugänglich. Dass die Fotografien, die aus den heutigen Tagen stammen, dabei zum Teil auch deutlich eine Patina dokumentieren, die das Ewig Schöne der teils schon ikonografisch geronnenen Bauten lässig brechen, ist erfreulich angesichts der Menge der Publikationen über dänische Architektur, die oft das Schwarzweiß der ersten Fotografien verwenden. Kurzbiografien der hier beteiligten Architekten beschließen den Band. Dass die Standorte der sämtlich privaten Wohnhäuser nicht benannt werden, ist verständlich aber auch ein (winziger) Mangel. Be. K.

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