Museum Küppersmühle wieder mit HdeM www.museum-kueppersmuehle.de

Irgendwie hatte man es schon aufgegeben. Nicht das MKM Museum Küppersmühle insgesamt, sondern seine bauliche Weiterentwicklung. Herzog & de Meuron hatten bereits in den 1990er-Jahren die ehemalige Küppersmühle zum Museum für Moderne Kunst umgebaut und sollten es ab 2008 durch einen exaltiert platzierten Baukörper erweitern. Der hätte auf der östlich an die ehemalige Mühle anschließende Siloanlage gestanden, gut ausbalanciert als irritierende Stahlfachwerkskiste hinter einer hellen Schleierfassade.

Hätte, denn aus der spektakulären Erweiterung wurde nichts. Unter anderem weil der Stahlbauer gravierende Fehler beim Schweißen machte. Im Frühjahr 2014 wurde die Stahlskulptur zerlegt, die Ruine verschwand. Nun überrascht das MKM mit der Meldung, dass das die Ausstellungsflächen bestückende Sammlerehepaar Sylvia und Ulrich Ströher wieder einmal das Schweizer Architektenbüro mit der Erweiterungsplanung beauftragt hat und gab gleichzeitig bekannt, das Paar wolle den Betreibervertrag um weitere zwölf Jahre verlängern.

Der in seiner Fügung und Voluminierung pragmatisch anmutende Erweiterungsbau wird zusätzliche Ausstellungsfläche von rund 2 600 m² auf vier Geschossen mit direkter Anbindung zum Stammhaus bieten. Baubeginn soll voraussichtlich 2016, Fertigstellung 2018 sein.

Interessant ist ein erstes Statement aus Basel, in welchem die Architekten das neue Projekt als „eine integrierte und ergänzende Architektur“ beschreiben und damit so ganz anders an die Aufgabe herangehen, als sie das 2008 noch machten. Was enttäuschend ist angesichts der Möglichkeiten der ungeplanten und ungefähren und damit zugleich universellen Ruine, die jahrelang vor Ort und in Wartestellung stand, wo jetzt Neubau0.2 geplant ist. In Duisburg hätten die Architekten, nicht die Stahlhändler die Geschichte weiterschreiben müssen, mit der sie vor Jahren begonnen haben. Die Ruine über dem Lost Space Parkplatz hätte das Spannendste werden können, was die Basler in den letzten Jahren realisiert haben und es wäre vielleicht ein kleiner Schritt in die Richtung gewesen, aus der sie einmal kamen: dem leidenschaftlichen Erfinden von neuer, gänzlich unerwarteter Architektur. Be. K.

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