Menschen

Im April feierte Jacques Herzog, im Mai Pierre de Meuron einen runden Geburtstag: 70 sind beide geworden. Und warum auch immer, Wehmut beschleicht einen, wenn man sich anschaut, wie eines der weltweit immer noch den Ton angebenden Büros, nämlich Herzog & de Meuron, seine kritische Größe längst hinter sich gelassen hat und wie ein mittlerweile kleiner Konzern die weltweit anstehenden Aufgaben bearbeitet.

Vor Jahren schon stellte das Büro mit Hauptsitz in Basel – der Heimatstadt der beiden Jetsetter in Sachen Architektur – seine 2-Partnerstruktur um: Die Idee eines Generationenmodells wurde umgesetzt, in welchem die Gründungspartner Verantwortung und Eigentum an die nächste Generation und damit in die Breite vermitteln. Es gibt nun Geschäftsführer und Präsidenten in einem Verwaltungsrat, das Atelier ist die Firma und das Team ein internationales Netzwerk. Es gab das ETH Studio in Basel, das mit der Emeritierung der beiden nach zwanzig Jahren geschlossen wurde. Und es gibt über 500 Projekte, an denen viele hundert Menschen arbeiten.

Ende der 1990er-Jahre war es in Basel beschaulich, die Arbeiten des Büros waren fußläufig erreichbar. Damals dachte man in „Bestimmtheiten“, nicht in Varianten. Heute sprechen sie vom Kunden und von Produkten und nicht mehr vom Bauherrn oder dem Haus.

Wer verstehen will, was den Kern von HdM ausmacht, sollte nach Basel reisen; im Gepäck „Aus Basel“ von Jean-Francois Chevrier, in dem sich die beiden Basler so privat zeigen wie sonst niemals. Und dann die Schützenmattstraße besuchen, das Haus in der Hebelstraße, das Stellwerk Auf dem Wolf und das Depot für die Lokomotiven, das SUVA oder das Stadion St. Jakob Park mit Büro und Seniorenresidenz ...

Gut 40 Jahre gibt es nun HdM, die Gründer ziehen sich langsam aus dem Geschäft zurück, widmen sich ganz der Architektur, wie sie sagen. Welches Alterswerk da noch entstehen mag? Wir wünschen Gesundheit und wieder mehr Zeit, um über anderes nachzudenken, als die Erschaffung eines rundum glatten Mythos. Be. K.

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