Architektur Media Management

Junge Köpfe, die wissen, wie Architektur kommuniziert wird

Bei der Architekturvermittlung nehmen Architekt*innen die Rolle von Dolmet­scher*in­nen ein. Früh muss gezielt auf die unterschiedlichen Zielgruppen eingegangen werden, um mit ihnen auf eine gemeinsame sprachliche und visuelle Ebene zu kommen. An der Hochschule Bochum lernen die Student*innen die Komplexität der Kommunikation im Studiengang Architektur Media Management kennen. Ein Interview mit den Student*innen Louisa Biskup, Anna Bräutigam, Pascal Kurek, Lucas Schlüter und ­Nurcihan Uslu.

Welche Formen der visuellen Architekturvermittlung existieren und worauf sollte geachtet werden?

Nurcihan Uslu: Die visuelle Architekturvermittlung beginnt beim analogen Skizzenbuch und geht bis zu digitalen Kommunikationsmedien wie der VR Brille oder fotorealistischen Visualisierungen des Entwurfs. Als Student*innen des Masterstudiengangs für Architektur und Media Management nutzen wir diese Tools dem Zweck entsprechend und ausgerichtet auf die Aufgabenstellung und Zielgruppe. Da visuelle Medien wichtige Kommunikationsmittel sind, sollten sie so eingesetzt werden, dass sie die Qualitäten der Architektur sichtbar machen.

Was ist die beabsichtige Wirkung visueller Architekturkommunikation?

Louisa Biskup: In erster Linie geht es darum, die konzeptionelle Idee zu vermitteln und dafür zu begeistern. Die Wirkung kann in verschiedenen Zielgruppen ganz unterschiedlich sein. Deshalb ist die Darstellungsart von entscheidender Bedeutung. Bauherr*innen wird ein anderes Bild vermittelt als den eigenen Mitarbeiter*innen im Ent-wurfsprozess. Die differenzierte Analyse von Zielgruppen, ihren Sehgewohnheiten und ihrer Vorstellungskraft ist eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg.

Kann die visuelle Darstellung für sich stehen?

Lucas Schlüter: Im Idealfall spricht das Bild für sich. Denn für den ersten Eindruck gibt es bekanntlich keine zweite Chance. Es macht aber Sinn, jedes Bild mit zusätzlichen Informationen auszustatten. Nur wenn wir eine Erläuterung zum Projekt mittels einer Bildbeschreibung an die Hand geben, behalten wir die Deutungshoheit und können Missverständnisse vermeiden. Andernfalls bleibt den Betrachter*innen auch bei der besten Visualisierung viel Interpretationsspielraum.

Welche Medien stehen zur Architekturvermittlung zur Verfügung?

Pascal Kurek: Die klassischen Printmedien sowie Film, Fotografie, aber auch Ausstellung, Vortrag und Präsentation stehen uns bei der Vermittlung von Architektur zur Verfügung. Eine wachsende Rolle spielen in diesem Zusammenhang Social Media Aktivitäten. Neuerdings erscheinen auch vermehrt Podcasts mit Architektur-Inhalten, welche gezielt Interaktionen und Feedbacks erzeugen. Dabei beeinflussen sich Sender und Empfänger gegenseitig. Inzwischen gibt es auch mehrere Architekturformate bei Clubhouse.

Wie kann man zwischen Sender und Empfänger eine wechselseitige Beziehung und Interaktion entwickeln?

Nurcihan Uslu: Gemeinsame Interessen sorgen dafür, dass für den Empfänger einer Nachricht ein Anreiz geschaffen und seine Aufmerksamkeit gewonnen wird. Damit dann eine Interaktion entsteht, können bspw. gezielte Fragen an den Empfänger gerichtet oder Raum für Diskussionen geschaffen werden. Dies kann zwischen dem Sender und Empfän­ger geschehen, oder auch gezielt ­zwischen unterschiedlichen Emp­fänger*innen herbeigeführt werden.

Was ist dann bei der konkreten Ansprache der Zielgruppen zu beachten?

Anna Bräutigam: Die Bedürfnisse und Interessen der Zielgruppen sollten im Vorhinein gut analysiert sein, um daran eine Strategie ausrichten zu können. Es ist davon auszugehen, dass nicht alle Gruppen auf dem gleichen Wissensstand sind. Deshalb ist eine Art Adapter zwischen Sender und Empfänger notwendig, um das gleiche Verständnis zu erzielen.

Was meint Adapter in diesem Kontext?

Louisa Biskup: Es geht darum, mit passgenauen Formaten, z. B. mit Bildern und Plänen, mit Modell, mit Worten oder mit Erlebnissen, ähnlich wie mit einem Adapter, an seine Zielgruppe anzuschließen. Darin liegt das Potential zum besseren Verständnis der architektonischen Idee. Manche Zielgruppen verstehen auf Anhieb eine Zeichnung, während es für andere einer Übersetzungsleistung bedarf. Man muss beachten, dass jede Zielgruppe ihre eigene Sprache spricht, ihre eigenen Seherfahrungen und Assozia­tionswelten hat. So ist Modell nicht gleich Modell, Bild nicht gleich Bild.

Welche Zielgruppen gibt es, die mit Architekturthemen angesprochen werden sollen?

Pascal Kurek: Es gibt Fachleute, Architekturinteressierte und fachfremde Gruppen. Jede dieser drei Zielgruppen muss spezifisch angesprochen werden. Dies bedeutet für Architekt*innen, sich immer neu einzustellen.

Welche Sprache spricht denn die Zielgruppe?

Lucas Schlüter: Architekturvermittlung ist vergleichbar mit einer Übersetzungsleistung. Je nachdem, ob die angesprochene Zielgruppe fachlich aus dem Bereich der Architektur kommt, aus verwandten Bereichen wie z. B. den Ingenieurwissenschaften oder ob es sich um fachfremde Personen handelt, variiert das Verständnis für Architektur. Während für den einen eine verwitterte Holzfassade angegraut wirkt, so erstrahlt sie für manche Architekt*innen in „silbrigem Glanz“. Es kommt aber nicht nur auf die Sprache an, sondern auch auf die visuell eingesetzten Medien. Zum Beispiel sind Grundrisse oder Schnitte nicht für alle lesbar oder eine abstrakte Visualisierung wird zu wörtlich genommen. Daher sollten im Rahmen der Übersetzungsleistung auch Bilder in Worte übersetzt und die Architekt*innensprache allgemeinverständlich übertragen werden.

Wie lassen sich verschiedene Zielgruppen erreichen?

Nurcihan Uslu: Es sollte das Medium genutzt werden, mit dem die jeweilige Zielgruppe vertraut ist. Fachpresse oder Lokalpresse, LinkedIn oder Instagram, Ausstellung oder Podcast. Zur Zielgruppensegmentierung gehört auch die Analyse des Nutzerverhaltens.

AMM - Architektur Media Management, Hochschule Bochum


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