Irgendwie ausgesucht

Das ZKM in Karlsruhe hat seine Entstehung inklusive programmatischer Ausrichtung Heinrich Klotz zu verdanken. Sein Nachfolger, der Künstler und Theoretiker, Kurator und Lehrer Peter Weibel, der seit 1999 die Geschicke des Kunst- und Kulturzentrums lenkt, hat nun eine Enzyklopädie vorgelegt. In sechs Bänden. Dabei darf man sich darunter nicht vorstellen, hier hätte einer, der in Jahrzehnten mit
allen Größen der Medienkunst zusammengearbeitet hat, eine

herausgeberisch kuratorische Arbeit vorgelegt. Die wäre, in Stichworten gegliedert, Nachschlagewerk für eine wichtige Zeit bundesrepublikanischer wie insgesamt globaler Kulturgeschichte.

Leider nein. Der Direktor und heutige Vorstand des ZKM legt seine Schriften vor. Irgendwie. Nicht chronologisch, nicht thematisch sortiert. Teils haben seine hier gedruckten Texte unsichtbare Kürzungen hinter sich, teils kommen sie unter neuen Überschriften daher.

Das mit „Enzyklopädie“ in sechs Bänden gemachte Versprechen wird im Ersten jedenfalls nicht gehalten. Die im Grußwort (ZKM) formulierte direkte Verwandschaft dieser Textesammlung mit wohl dem Synonym medialer Aufklärung, der Encyclopédie von Diderot und d’Alembert, kann nicht ernst gemeint sein. Schon die Beschränkung auf nur einen Autoren macht die Parallelstellung zur Farce. Ob die Texte aus den Achtzigern und Neunzigern noch aktuell sind oder vielleicht allein dazu dienen, Ideen- und Rezeptionsgeschichte handbarbar zu machen, das wird jeder Leser für sich entscheiden müssen. Weibel-Fans werden sie genießen. Be. K.

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