„HistStadt4D – Multimodale Zugänge zu historischen Bildrepositorien“ddrbildarchiv.de

Gut 1,8 Mio. Fotografien, Gemälde, Grafiken, Karten und Architekturzeichnungen lagern in den Beständen der Deutschen Fotothek und stehen in digitalisierter Form Interessenten weltweit zur Verfügung. Knapp 12 000 davon zeigen Stadtansichten und Gebäude von Dresden – beginnend um 1850 bis heute. Für diesen Fundus interessieren sich Wissenschaftler aus Würzburg und Dresden in einem neuen Forschungsprojekt. Eines ihrer Ziele ist es, die Bilder räumlich und zeitlich zu verorten und für andere Interessenten nutzbar zu machen. „HistStadt4D – Multimodale Zugänge zu historischen Bildrepositorien“, so lautet der Name des Projekts. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert das Projekt in den kommenden vier Jahren mit 2 Mio. €.

„Unser Projekt verbindet zwei unterschiedliche Perspektiven: eine geschichtswissenschaftliche und eine informationswissenschaftliche“, sagt Dr. Florian Niebling. Der Informatiker vertritt die informationswissenschaftliche Seite und leitet die Nachwuchsforschergruppe HistStadt4D an Professor Marc Erich Latoschiks Lehrstuhl für Informatik 9 der Universität Würzburg. „Wer heute bei der Deutschen Fotothek nach Bildern sucht, kann dies mit Hilfe der Freitextsuche in einem browserbasierten Interface tun“, so Niebling. Ob er damit die richtigen Treffer erhält, hängt sehr von der Qualität der Metadaten ab, mit denen die Fotos verschlagwortet sind. Und die ist nicht sonderlich gut. Das macht es schwer, die tatsächlich vorhandenen hunderte Aufnahmen von einzelnen Bauten ausfindig zu machen – von unterschiedlichen Standpunkten und aus verschiedenen Blickwinkeln. Daraus wollen die Informatiker ein dreidimensionales Modell erstellen. Ob der historische „Bilderschatz“ dafür tatsächlich ausreicht, ist noch offen. „Viele der historischen Aufnahmen sind unscharf und weisen wenig Kontrast auf“, sagt Florian Niebling. Das mache die Rekonstruktion für die Software schwierig.

Im Zentrum der Geschichtswissenschaft steht die Interaktion von Architektur, Mensch und Bild. Natürlich wollen die Kunsthistoriker auch wissen, wie sich bestimmte Gebäude in Dresden im Laufe der Zeit verändert haben und das auf einer Zeitschiene sichtbar machen. Dabei wird angestrebt, die Veränderungen im Stadtbild möglichst im Dreidimensionalen abzubilden. Die Forschungsarbeit konzentriert sich dabei in der frühen Projektauftaktphase auf zwei Stadträume: einmal auf das Kronentor des Zwingers und dann auf die einem vielfältigen Änderungsdruck ausgesetzten Prager Straße.