„Gute Gestaltung hat definitiv positiven Einfluss“

Manuel Herd zum Thema „Einkaufswelten“

Wer seine Einkäufe auf dem Markt tätigt, dem geht es meist nicht um das reine Füllen des Kühlschranks. Hier trifft man sich, hier kennt man sich – die Kommunikation ist wichtig für Kunden und Anbieter. Zudem ist der Einkauf direkt beim Erzeuger nicht zuletzt durch die vielen Lebensmittelskandale in Mode gekommen. In seiner Diplomarbeit formt Manuel Herd ein ehemaliges Hallenbad zu einer zeitgemäßen Markthalle und will damit dem Standort Ludwigshafen frischen Wind einhauchen.

Ihre Aufgabe war es, ein ehemaliges Hallenbad mit einer neuen Nut­-zung zu füllen. Sie haben eine Markthalle daraus gemacht? Warum?

Das Bild von Ludwigshafen als „Gartenstadt im Grünen“ ist wohl nur in den wenigsten Köpfen verwurzelt. Vielmehr ist es für die meisten eine Industriestadt am Rhein, im Schatten Mannheims. Folglich musste es Ziel sein, das Bild von Ludwigshafen zu entstauben, kurz: Frischer Wind für Ludwigshafen. Ein Gegenpol zur Industrie in Form eines seit Jahrhunderten bewährten Konzeptes ist die Markthalle als Treffpunkt für Jung und Alt, gesellschaftsschichten- u. kulturübergreifend, Inbegriff für Lebensfreude und Lebensqualität. Es ist die Möglichkeit, in der Stadt direkt beim Erzeuger einzukaufen und den Einkauf „aus einer Hand“, mit hohem qualitativen Anspruch zu erledigen. Neben dieser bedarfsorientierten Legitimation des Konzeptes sprach auch die architektonische Auseinandersetzung mit der Bausubstanz für diesen Weg. Das 1956 in planerischer Sorgfalt entstandene Atriumgebäude mit seinen schönen Ecken und der Vielzahl an Details umschließt den einladenden Innenhof. Die Hofsituation und der bestehende Rundlauf legen den Grundstein für eine ganzheitliche Nutzung, die alle Gebäudetrakte bespielt, aber die Sonderstellung des Kopfgebäudes und der Schwimm­halle nicht außer Acht lässt.


Wie sieht diese Umnutzung architektonisch aus?

Obstkisten, naheliegend bei dem Gedanken an eine Markthalle, werden zu Funktionskisten abstrahiert. Diese Holzkörper, die verschiede­ne Funktionen beherbergen, bespielen den Raum und setzen die vorhandene architektonische Qualität in Szene. Angeordnet an den Rundlauf entsteht ein leicht verständlicher Grundriss mit klarer Raumfolge. Eine Bühne für Markttreiben, Menschen und Sortenvielfalt wird geschaffen. Auch der wohlproportionierte Innenhof richtet sich nach der Maxime des geringstmöglichen Eingriffes.

Die vollflächige Verglasung zum Innenhof und partielle Durchbrüche in der Zwischendecke der Seitenflügel schaffen Offenheit und ermöglichen Blickbezüge. Der grazile, quer durch die Halle verlaufende Steg gliedert das Volumen der Halle. Außerhalb nimmt der Betrachter lediglich die beiden flankierenden, niedrigen Anbauten an den Seitenflügeln als Neuerung wahr.

Inwiefern beeinflusst die Innenarchitektur die Kauflaune der Kunden?

Architektur und Innenarchitektur haben grundsätzlich einen großen Einfluss auf uns und unser Wohlbefinden. Im Bereich Handel hat gute Gestaltung definitiv positiven Einfluss auf das Konsumverhalten der Kundschaft. Logische Funktionsabfolge, wohlproportionierte Verkaufs­flächen und entsprechende Freiflächen sowie ein stimmiges Licht- und Farbkonzept erleichtern auf der einen Seite die Orientierung, auf der anderen Seite wird dadurch die positive Wirkung der Waren gefördert. Der Kunde lässt sich so gerne auf das Erlebnis Einkaufen, bzw. die Einkaufswelt um ihn herum ein. Dies führt zu längerem Verweilen und generiert höheren Umsatz. Ein stimmiges gestalterisches Konzept im Bereich Lebensmittelhandel ist in meinen Augen ein Beispiel aus den Niederlanden: www.marqt.com

Wo geht der innenarchitektonische Trend im Bereich „Shop“ hin, ­Ihrer Meinung nach?

Sich auf bestimmte Farbigkeiten, Materialien u.ä. als Trend fest zu ­legen ist schwierig, da das Thema weit gefächert und ausgesprochen dynamisch ist. Jede Marke, jeder Anbieter hat ganz eigene Erwartungen. Diese können nur mit speziell ­zugeschnittenen Konzepten erfüllt werden. Die Konzeptentwicklung sollte unsere Aufgabe als Gestalter sein. Daher freut es mich zu sehen, dass immer mehr Anbieter mit Planern zusammenarbeiten, um dadurch das Auftreten Ihrer Marke und die Wirkung auf den Kunden bewusst zu steuern. Auch wenn diese Zusammenarbeit oftmals in einem sehr knapp kalkulierten finanziellen und zeitlichen Rahmen ablaufen muss, entstehen durch fachliche Beratung beeindruckende Ergebnisse.

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