„Förderung der Autonomie zur Verbesserung der Lebensqualität“

Olga Berhorst zum Thema „Barrierefrei“

Das Thema „Lebensqualität im Alter“ war Gegenstand eines interdisziplinären Blockseminars an der FH Bielefeld. Realitätsbezug bekam das Projekt durch die Auslobung der Aufgabe als Wettbewerb in Kooperation mit der Stiftung Haus Bethlehem, Herford, die das Grundstück am Pöppelmannwall für eine integrative Wohnanlage mit 60 Seniorenwohnungen vorgesehen hat. Das hier vorgestellte Siegerprojekt konnte durch den Entwurf einer Siedlung mit fünf Gebäuden überzeugen, die sich um ein zentrales Gemeinschaftshaus gruppieren. Wichtiger Aspekt hierbei war, neben der selbstbestimmten Lebensweise der Bewohner, die Miteinbeziehung von Haustieren in das Wohnkonzept.

 

Erläutern Sie kurz Ihren Entwurf.

Der Leitgedanke unseres Konzeptes war das Beispiel des klassischen Bauernhauses, als Ort des Zusammenlebens mehrerer Generationen und der Erfahrung Primärer Lebensprozesse, wie Geburt, Wachstum und Tod. Dabei stand im Vordergrund, dass nicht nur die unterschiedlichen Generationen im Zusammenleben voneinander profitieren, sondern auch, dass sich der Einfluss von Natur und Tieren positiv auf die Lebenssituation und -qualität auswirkt. In Anlehnung an die alten Hofstellen in der Region sieht unser Entwurf ein zentrales Bauernhaus vor, um das sich kleinere Gebäude gruppieren. Das Bauernhaus dient als Gemeinschaftshaus, der Begegnung und Kommunikation für die Bewohner der fünf Wohnhäuser der Siedlung. Der Stall im Südosten des Geländes dient zur Unterbringung und Versorgung der Tiere. Zusätzlich schließt sich ein großzügiges Freigehege an das Gemeinschaftshaus an und es verteilen sich Beete auf dem Grundstück. Im Gesamtzusammenspiel sollen diese Maßnahmen die Begegnung der Menschen untereinander fördern und die Beziehung zu Natur und Tieren stärken, was sich positiv auf das Wohlbefinden und auf die Gesundheit auswirkt.

Was sind die Vorteile/Synergien, die Sie sich von generationenübergreifendem Wohnen versprechen?

Die Vorteile, die wir mit unserem Konzept nutzen bzw. unterstützen wollen, sind zum einen Förderung von lebenslangem Lernen im Austausch zwischen Jung und Alt. Dazu gehören intergenerationelles Lernen, Potentiale von älteren Menschen nutzen, Engagement, Erfahrungswissen, Abbau von Vorurteilen und Optimierung der Ressourcennutzung. Zum anderen die Überwindung sozialer Isolation durch Nachbarschaftshilfe, gemeinsame Aktivitäten, Förderung vom Austausch zwischen den Generationen, Aufbau sozialer Netzwerke, Einbeziehung des Umfeldes durch gemeinsame Veranstaltungen und Integration von pflegebedürftigen und behinderten Menschen. Speziell für ältere Menschen geht es um Erhalt und Förderung der Autonomie und Selbstbestimmung zur Verbesserung der Lebensqualität. Diese Synergien wollten mehrere der teilnehmenden Gruppen in ihren Konzepten nutzen, herausragend an unserer Arbeit war die enge Einbeziehung von Tieren als unterstützenden Faktor.

 

Die Arbeit wurde in einem interdisziplinären Team entwickelt. Haben Sie neue Erkenntnisse zu diesem Thema bekommen durch den Einblick in die Arbeitsweise der anderen Disziplinen?

Dass jede Disziplin für sich naturgemäß den Focus auf die eigenen Belange richtet, ist am Anfang der Zusammenarbeit zwischen den Studierenden der Fachbereiche Pädagogik und Sozialwesen, Projektmanagement und Architektur, deutlich geworden.

Das Projekt sensibilisierte uns für die Ansprüche der jeweils anderen Disziplinen und förderte eine globale Sichtweise bei der Lösung der Aufgabenstellung. Wobei man festhalten muss, dass wir am Standort Minden während des ganzen Studiums schon gefordert werden, interdisziplinär zu arbeiten, um so Kompetenzen zu bündeln und effektiv zu nutzen.

Welche Erfahrungen nehmen Sie aus diesem Projekt für Ihr Berufsleben mit? Können Sie sich vorstellen, sich zukünftig in diesem Fachgebiet zu spezialisieren?

Wir leben in einer Gesellschaft, die von einer zunehmenden Alterung geprägt ist. Daher muss man bereits heute auf den demographischen Wandel mit maßgeschneiderten Konzepten reagieren. Ein Ziel der Architektur im Wohnungsbau sollte daher die Entwicklung neuer Wohnformen sein, die älteren Menschen ermöglichen, möglichst lange in der eigenen Wohnung und ihrem Quartier bleiben zu können. Dieses sollte nicht als Spezialgebiet betrachtet werden, sondern Grundlage in allen planerischen Bereichen, von Städtebau über Infrastruktur bis in die Grundrissgestaltung bei Neubauten ebenso wie bei Modernisierungs- und Umnutzungsmaßnahmen im Bestand, angewendet werden. So gesehen ist das ein Thema, welches in unserer beruflichen Zukunft mit Sicherheit eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen wird. Persönlich wird wohl jeder von uns mitnehmen, dass jeder im Team mit seinen Kenntnissen eine wichtige Rolle spielt und dass jeder Standpunkt seine Grundlage in der Kernkompetenz des eigenen Fachgebietes hat. Ein Ergebnis hängt maßgeblich von der Qualität der Zusammenarbeit ab.


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