Flexibles Arbeiten im Powerhouse – Powerhouse Telemark/NO

„Der Klimawandel ist eine zentrale Verantwortung von Architekten und Gestaltern, die sich mit unserer gebauten Umwelt beschäftigen. Hier und jetzt müssen wir uns überlegen, wie unsere Arbeit nicht nur den Menschen, sondern auch andere Spezies auf diesem Planeten beeinflusst.“

Kjetil Trædal Thorsen, Snøhetta

Das vierte und jüngste Powerhouse-Projekt des norwegischen Architekturbüros Snøhetta steht beispielhaft für die Nachhaltigkeitsstrategie der Architekten: Demnach kann ein Gebäude nur dann wirklich nachhaltig sein, wenn es während seines gesamten Lebenszyklus immer wieder für neue Nutzungen umkonfiguriert werden kann. Der Entwurf von Snøhetta sah deshalb für das BREEAM gelabelte Bürogebäude in Porsgrunn/NO neben der energetischen Performance und einer nach ökologischen Kriterien getroffenen Materialwahl ein Innenraumkonzept vor, dass sich nach Bedarf transformieren lässt.

Das elfstöckige Bürohaus ist strikt nach der Sonne ausgerichtet: Das Dach der imposanten Gebäudeskulptur ist mit 24 ° nach Süden geneigt. Die dadurch vergrößerte Dachfläche ist komplett mit Photovoltaik-Panels bestückt, nur ein kleiner Teil wurde für eine Dachterrasse geöffnet. Darüber hinaus bezieht das Gebäude auch Sonnen­energie aus der an der Südfassade errichteten Photovoltaikanlage. Mit seinen 1 482 m² PV-Panels erzeugt das Powerhouse jährlich 256 000 kWh Strom aus Solarenergie. Die baguette-ähnliche Holzverkleidung an den anderen Fassaden bietet natürlichen Sonnen- und Blendschutz für die Arbeitsplätze. Allein mit solchen Lowtech-Maßnahmen konnte der Nettoenergieverbrauch des Powerhouse im Vergleich zu ähnlichen Neubauten um 70 % gesenkt werden. Über seine gesamte Lebensdauer von 60 Jahren soll das Powerhouse Telemark in Porsgrunn mehr Energie erzeugen, als der Bau verbraucht, und zwar inklusive der CO₂-Bilanz von Konstruktion, Abriss und sämtlichen verbauten Materialien.

Mit dem Innenraumkonzept verfolgte Snøhetta seine Strategie von flexiblen Arbeitsbereichen und Räumen. Es gibt Co-Working-Spaces, ein Restaurant, gemeinsame Meetingräume und eine Dachterrasse mit Blick über den Fjord sowie eine Vielzahl unterschiedlicher Büroebenen.

Die interne Anordnung der Büros und Arbeitsräume ist so variabel gestaltet, dass jederzeit neue Arbeitsplatzkonfigurationen möglich sind, um den veränderten Ansprüchen der Nutzer gerecht zu werden. Mit standardisierten Elemente aus recycelten Materialien können die Mieter ihre Räumlichkeiten ohne großen Aufwand immer wieder umstrukturieren und neu konfigurieren: z. B. vergrößern oder verkleinern, um flexibel auf den Bedarf an Arbeitsplätzen in Zeiten von Remote Work zu reagieren.

www.snohetta.com

x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 2020-03

Passivhaus+ Kompendium 2020

Die diesjährige Ausgabe des Passivhauskompendiums widmet sich neben vielen Fachbeiträgen zur Konstruktion und Planung von Gebäuden im Passivhaus-Standard den Themen Klimawandel und Graue Energie...

mehr
Ausgabe 2021-09

Holz dazu: Solar Decathlon Europe 2021/22

Die Gunst der Stunde – Materialdiskussionen, Nachhaltigkeitsausrufezeichen, drohender Klimawandel – nutzten im Juni dieses Jahres ein paar gewichtige Interessenvertreter der Holzbau­branche – so...

mehr