Film ab
Planung eines Modegeschäfts in Wien/A


Moden kommen und gehen, das erhebende Gefühl, mit schönen Kleidern in eine andere Haut zu schlüpfen, bleibt. Interieur Designer Denis Košutić betrachtete den AMICIS Fashion Concept Store in der Wiener Innenstadt als Film-Studio. Verspiegelte Garderoben und vier opu­­lent ausgestattete Boxen stehen frei im Raum und bilden perfekte Settings für den privaten Catwalk.

Das Eckhaus war von Ludwig Tischler ,einem österreichischen Architekten, im Stil der Neo-Renaissance ge­plant und 1872 gebaut worden. Zwei Kolossalsäulen säumen den Ein­gang am Eck, hohe Rundbogenfenster den Sockel der langen Straßenflanken mit dem Rustikamauerwerk. Früher war hier eine Bank, nun bezog der AMICIS Fashion Concept Store die 335 m² in der Wiener Innenstadt. Alexander McQueen, Stella McCartney, Viktor & Rolf, Matthew Williamson und Helmut Lang zählen zu den Labels, die hier zu haben sind.

Mode ist Verwandlung. Interieur Designer Denis Košutić betrachtete den Shop als Filmstudio und setzte auf die illusionistische Kraft der Imagination. Wie Sets beim Dreh wurden vier etwa drei Meter hohe Boxen frei in den Raum gestellt, deren stilechte Ausstattung in die Welt von „James Bond“, „Flower Power“, „Boudoir“ und „Neo Barock“ entführt. Die Wände der Kojen sind aus Gipskarton, innen entfalten Samt, feine Tapeten, kunstvoll adaptierte Vintage-Möbel, Stuck, blumenübersäte Lampingons und integrierte Präsentationsflächen für Schuhe und Accessoires ihre suggestive Wirkung. Sie wird vom scheinbar unfertigen Studio-Ambiente des Bestands noch verstärkt.

Das Geschäft als Themenpark

„Wir haben den Raum vorsichtig entleert und nur die rohe Struktur belassen,“ sagt Košutić. Der Boden ist mit Polyurethan beschichtet, dem Edelstahlzuschläge einen Hauch Glamour verleihen. Vor den fragmentarisch weiß und grau bemalten Wänden und Mauerpfeilern hängen Kleider, und auf Bühnentraversen flexibel verschiebbare Metalldampflampen von der Decke. In den Schaufenstern bilden hohes Glas und verspiegelte Präsentationspodeste eine osmotische Grenze zur Stadt.

Die Umkleidekabinen zwischen den Settings sind farblich auf die Szenen abgestimmt und innen mit Teppich, Stoff und Samthocker weich ausgekleidet, außen aber komplett verspiegelt. Man muss sie verlassen, sobald man sich betrachten will: Der Shop wird zur Bühne, auf der man wie Alice im Wunderland zwischen Spiegeln, in denen sich die Umgebung bricht, in verschiedene Kleider und Welten schlüpft. „Shopping ist eine Freizeitbeschäftigung. Architektur muss die perfekte Szenerie dafür schaffen,“ so Košutić. „Es geht darum, die richtige Stimmung zu erzeugen.“

Die Eingangszone am Eck ist frei: wie an Spinnenfäden hängen Glühbirnen an langen, schwarzen Kabeln von der Decke. Im rechten Seitenflügel steht das gepflegte Wohnzimmer von James Bond. Wände und Decke sind mit Kirschholz verkleidet, zwischen den Vintage-Möbeln der Sitzgruppe breitet sich ein Teppich aus Fuchsfell aus, die Bar ist gut bestückt. „Hier können Männer, die Damen begleiten, Zeitung lesen, Whisky trinken und warten.“ Auch beste Freundinnen und Freunde schätzen das sehr. Boden-, wand- und deckenfüllend schimmert das Boudoir am Ende des Raumes in vielen samtigen Schattierungen von Rosa.

Im anderen Seitenflügel verliert man sich in einem Meer bunter Blumentapeten, in denen farbige Nischen für Taschen, Schuhe und Shirts stecken, unter florealen Lampenzylindern im Ambiente der Hippie-Ära. Beim Eingang steht die neo-barock gestylte Box mit der Chaiselounge, dem manieristischen Luster und den pikanten Szenen auf der Tapete. „Speziell für Abendkleider ist die Chaiselounge bei Pärchen, Frauen mit Freundinnen, Töchtern und Müttern sehr beliebt,“ sagt Rafael Duleba. Er steht an der Kasse, die sich dezent zwei Stufen höher hinter einem Pfeiler verbirgt: hier hat auch das Zahlen Stil. Isabella Marboe, Wien

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