Feuchtes Mauerwerk sanieren
Mineralische Innendämmung als Lösung

Feuchte Kellerräume gefährden nicht nur die Gesundheit der Bewohner, sondern wirken sich auch energetisch nachteilig aus. Wo eine nachträgliche Außenabdichtung aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen aus­scheidet, bieten mineralische Innensanierungssysteme eine leistungsfähige Alternative.

Seit sich der Keller zunehmend als Wohn- und Nutzbereich etabliert, kommt diesem Gebäudebereich eine gesteigerte Aufmerksamkeit zu. Häufig jedoch sind Kellerräume feucht, was zu Schimmelbefall führen und somit eine  Gefahr für die Gesundheit der Bewohner darstellen kann. Entsprechend wichtig sind Maßnahmen für die Schadensbeseitigung und einen dauerhaften Feuchteschutz. Auch unter energetischen Gesichtspunkten ist eine umfassende Feuchtesanierung empfehlenswert: Da Wasser ein guter Wärmeleiter ist, geben feuchte Wände mehr Wärme nach außen ab als trockene. Ziel einer energetischen Sanierung ist es, die Energiebilanz und den Komfort eines Gebäudes zu verbessern und gleichzeitig die Bausubstanz zu erhalten.

Analyse bestimmt Sanierungskonzept

Grundsätzlich gilt: Die Abdichtung erdberührter Bauteile sollte nach Möglichkeit an der Gebäudeaußenseite erfolgen. Häufig lassen angrenzende Bebauungen eine solche Vorgehensweise jedoch nicht zu. Hier bieten sich leistungsfähige, aufeinander abgestimmte mineralische Innensanierungssysteme an, die sich als Alternative zu außenseitigen Lösungen vielfach bewährt haben. Um bei einer Innensanierung ein dauerhaft sicheres Er­gebnis zu erzielen, sollten die eingesetzten Produkte aus einem System stammen. Eine Kombination mit diffusionsoffenen und feuch­teregulierenden Sanierputzsystemen ist in vielen Fällen möglich. Diese mineralischen Produkte optimieren den Feuchtehaushalt und sorgen für ein entsprechend angenehmes Wohnklima. Der Effekt lässt sich durch eine mineralische Innendämmung verstärken. Zudem wird auf diese Weise die Energiebilanz verbessert. Letztendlich hängt das konkrete Sanierungskonzept immer vom jeweiligen Schadensfall und der künftigen Nutzung ab, so dass zunächst eine detaillierte Bauzustands­analyse erforderlich ist.

Schäden fachgerecht beurteilen

Maßgebliches Regelwerk für den nachträglichen Aufbau einer Bauwerksabdichtung ist das WTA-Merkblatt „Nachträgliches Abdichten erdberührter Bauteile, 4-6-01.14/D“. Wird innenseitig saniert, muss demnach vor Beginn der eigentlichen Arbeiten zunächst der Zustand des Mauerwerks genau geprüft werden. Neben dem Grad der Durchfeuchtung und der Belastung durch schädigende Salze ist insbesondere die Art und Beschaffenheit des Untergrundes relevant. Auch die Lage und der Zustand vorhandener Abdichtungen sowie die tatsächliche Wasserbelastung sind im Vorfeld zu analysieren. Diese Informationen wirken sich direkt auf das Sanierungskonzept aus.

Korrekte Wasserbelastung ermitteln

Häufig sind Feuchtigkeitsschäden an erdberührten Bauteilen darauf zurückzuführen, dass bereits die Wasserbelastung nicht korrekt beurteilt und entsprechend ungeeignete Abdichtungsmaterialien verwendet wurden. Ob lediglich Bodenfeuchte bzw. nichtstauendes Sickerwasser oder doch aufstauendes ­Sickerwasser oder drückendes Grundwasser auf die Wandkonstruktion einwirkt, hängt von verschiedenen Parametern ab. Hierzu zählt unter anderem der Bemessungswasserstand, also der höchstmögliche Grund- bzw. Hochwasserstand. Liegen hierzu keine fundierten Daten vor, ist ein Bodengutachten zu erstellen. Eine weitere wichtige Einflussgröße ist die Art des Bodens. So muss bspw. bei bindigen, wenig durchlässigen Lehmböden damit gerechnet werden, dass sich Sickerwasser vor den Bauteilen aufstaut und diese als drückendes Wasser beansprucht. Nicht zuletzt stellt sich die Frage, ob eine Dränung zur Entwässerung der Bodenschichten eingesetzt werden kann. Details zur exakten Festlegung der einzelnen Parameter und des daraus abzuleitenden Lastfalls finden sich in der DIN 18195 für die Planung und Ausführung von Bauwerksabdichtungen. Um im Rahmen einer Bauwerksabdichtung die Wasserbelastung korrekt zu bewerten, müssen unterschiedliche Einflussgrößen einbezogen werden (siehe Abb. 3).

Messungen ermitteln Feuchte- und Salzgehalt

Der Feuchtegehalt des Mauerwerks wird im sogenannten DARR-Verfahren ermittelt. Zu diesem Zweck werden Bohrkerne als Mauerwerksproben in mind. drei Höhen- und zwei Tiefenlagen entnommen und sofort luftdicht verpackt. Im Labor wird dann der Durchfeuchtungsgrad aus dem Verhältnis von massebezogenem Wassergehalt und der Sättigungsfeuchte des Baustoffes abgeleitet. Abhängig vom Analyseergebnis sowie der Wasserbe­lastung wird entschieden, ob und wo eine Horizontalsperre in das Gesamtsystem eingebracht werden muss. Ebenfalls im Rahmen der Laborprüfung der Bohrkerne wird der Salzgehalt bestimmt, also der Anteil an schädigenden Sulfaten, Chloriden und Nitraten. Dies hat Einfluss auf die Lagenzahl und Dicke des Sanierputzsystems bei Einsatz ohne Innen­abdichtung bzw. gegebenenfalls oberhalb des Abdichtungshorizontes. Die objektbezogene Voruntersuchung hat maßgeblichen Einfluss auf die Vorarbeiten zur Herstellung eines tragfähigen, offenporigen Untergrundes, an dem sich die Innenabdichtung sicher verkrallen kann.

Herstellen eines tragfähigen Untergrundes

Die Funktionstüchtigkeit einer Innenabdichtung hängt stark von der Untergrundbeschaffenheit und -haftung ab. Um einen als Dichtungsträger geeigneten, tragfähigen Untergrund herzustellen, müssen zunächst alle haftungsmindernden und mürben Schichten, loser Putz und Feinmörtel sowie Anstriche und Oberbeläge im Bereich der geplanten Innenabdichtung entfernt werden. Putze sind bis mind. 80 cm über der schadhaften bzw. feuchtebelasteten Zone rückzubauen. Mürbe Fugen müssen tief ausgekratzt werden. Einbindende Querwände werden idealerweise in ca. 20 cm Breite von der Außenwand abgetrennt, um durchgängige Abdichtungsebenen zu schaffen. Gleiches gilt für Estriche, die in einer Mindestbreite von 20 cm zur Außenwand zu entfernen sind.

Ein besonderes Augenmerk ist auf den Wandfußpunkt zu richten, an dem mehrere Bauteile aufeinander treffen. An diesem Punkt des Bauwerks herrscht in der Regel die höchste Feuchtigkeitsbelastung. Die Abdichtung wird hier wannenartig ausgeführt. Nach Vorbereitung des Untergrundes wird am Boden-/Wandübergang im Bereich der horizontalen Sperre (Papplage) eine Nut gestemmt, die eine bessere Verkrallung des Vernutungs- und Hohlkehlenmörtels gewährleistet. Sie ermöglicht einen überlappenden, horizontalen Anschluss des Dichtungsmörtels, so dass ein Aufsteigen der Feuchte unterbunden wird.

Horizontalsperre positionieren und einbringen

Im Fall von kapillar aufsteigender Feuchtigkeit muss eine nachträgliche Horizontalsperre in das Mauerwerk eingebracht werden. Bei einer fehlenden bzw. nicht funktionstüchtigen Außenabdichtung wird die Sperre oberhalb des Erdreiches – im Regelfall unterhalb der Kellerdecke angeordnet. Die Innenabdichtung wird später bis über die Horizontalsperre hinweg geführt.

Zunächst werden Bohrlöcher angelegt, in die mit Packern die Horizontalsperre im Niederdruckverfahren injiziert wird. Alternativ kann eine drucklose Injektion ausgeführt werden. Bei stark hohlräumigem Mauerwerk ist eine mehrstufige Injektion zu empfehlen.

Dichtungsschlämme für mineralische ­Systeme

Für mineralische Innenabdichtungen haben sich flexible, schnell abbindende Dichtungsschlämmen bewährt. Auch bei geringer Wasserbelastung sind mindestens zwei Abdichtungslagen erforderlich. Nach vollständiger Durchtrocknung der Abdichtung wird ein Spritzbewurf volldeckend aufgebracht. Er dient als Haftbrücke für das nachfolgende Sanierputzsystem.

Wärmedämmung als zusätzliche Option

Zur Optimierung der energetischen Bilanz kann in Kombination mit dem Innenabdichtungssystem zusätzlich eine Innendämmung vorgesehen werden. Diese verbessert nicht nur den Wärmeschutz des Wandaufbaus. Sie ist auch dem Raumklima sehr zuträglich, verhindert Kondensatfeuchte auf der Bauteil­oberfläche und beugt somit Schimmelbewuchs vor.

In diesem Zusammenhang haben sich minerali­sche Dämmplatten als praktisch erwiesen. Diese sind druckfest und formstabil. Dank des geringen Gewichts lassen sie sich leicht verarbeiten. Durch ihre geringe Wärmeleitfähigkeit erhöhen solche diffusionsoffenen Platten die Oberflächentemperatur der Wand und verbessern gleichzeitig die raumklimatischen Werte. Gleichzeitig bieten sie einen optimalen Brandschutz der Baustoffklasse A1 und sind nicht brennbar.

Die Dämmschicht wird mit Hilfe eines ­systemzugehörigen Klebe- und Armierungsmörtels direkt auf die Innenabdichtung aufgebracht. Fensterlaibungen werden mit speziel­len Laibungsplatten ausgearbeitet. Für den Wand-/Deckenanschluss gibt es zudem spezielle Dämmkeilplatten, die Wärmebrücken und Kondensatanfall vermeiden. Darauf wird eine Armierungsschicht aufgebracht, in die frisch in frisch ein Armierungsgewebe eingearbeitet und überspachtelt wird. Das Oberflächenfinish erfolgt in Form eines Innenputzes. Am besten eignen sich systemzugehörige, mineralische Kalkputze, da diese auf natürliche Weise Schimmelpilz hemmen. Genauso wie alle anderen Komponenten eines Innendämmsystems soll eine solche Oberflächenlösung diffusionsoffen und atmungsaktiv sein, so dass die Vorteile des mineralischen Systemaufbaus voll zur Geltung kommen können.

Innenabdichtung für Weinkellerei

Ein Beispiel für eine gelungene innenseitige Feuchtesanierung ist der Fall der Weinkellerei Schneekloth, einer großen Kieler Weinabfüllanlage. Auf einer Fläche von 4  000 m2 werden hier jährlich über 2,5 Mio. Flaschen Wein abgefüllt. Das Fasslager kann bis zu 200 000 l Wein aufnehmen. Der alte Gewölbekeller, der heute neben dem Fasslager und der Abfüllanlage auch Räume für Weinverköstigungen beherbergt, war in der Vergangenheit mehrfach umgebaut worden. Vor einigen Jahren zeigten sich Stockflecken, so dass die Geschäftsführung des Traditionsbetriebs eine umfassende Feuchtesanierung in Auftrag gab. Die Analyse ergab, dass drückendes Wasser eine Durchfeuchtung der Außenwände bewirkte und das Mauerwerk mit Feuchtigkeit gesättigt war. In einer Ecke hatte sich bereits Schimmel an der Wand gebildet.

Die Sanierung fand sukzessive zwischen 2009 und 2013 statt. Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten musste die Abdichtung von innen erfolgen. Erschwerend kam hinzu, dass die Arbeiten größtenteils bei laufendem Betrieb ausgeführt werden mussten sowie durch tägliches Putzen ständig zusätzlich Feuchtigkeit eingetragen wurde.

Mauerwerksanierung mit Horizontalsperre

Um die umliegende Produktion und die teils empfindlichen Geräte zu schützen, wurden Staubwände um die Arbeitsflächen aufgestellt. Die von Schimmel befallenen Stellen wurden zunächst fachgerecht gereinigt. Anstrich und Altputz auf den Außenwänden wurden bis auf das Rohmauerwerk maschinell entfernt, geschliffen und gestemmt, der Bodenbelag auf 30 cm im Sohlenanschluss aufgenommen. Um ein weiteres Aufsteigen der Feuchtigkeit in den Wänden sowie Pfeilern zu verhindern, wurde dort eine Horizontalsperre ausgebildet. Die Innenabdichtung wurde mit einer flexiblen Dichtschlämme in zwei Lagen ausgeführt. Diese Dichtschlämme war bereits nach 24 Std. durchgetrocknet. Anschließend wurde ein Sanierputz aufgetragen.

Durch die fachgerechte Sanierung bieten die Kellerräume heute einen angenehmen Rahmen für die Bewirtung von Kunden. Gleichzeitig hat die Firma Schneekloth die Gewissheit, dass das Raumklima ideale Bedingungen für anspruchsvolle Weine schafft. Nicht zuletzt konnten durch die nunmehr trockenen Wände auch die Heizkosten spürbar reduziert werden.

Fazit

Sind außenseitige Lösungen für die Abdichtung und Dämmung erdberührter Bauteile nicht umsetzbar, bieten auch hochwertige Innensanierungssysteme bei fachgerechter Ausführung einen dauerhaften Feuchte- und damit verbesserten Wärmeschutz. Dabei sollten ausschließlich aufeinander abgestimmte, mineralische Produkte verwendet werden. Sie regulieren den Feuchtigkeitshaushalt des Gesamtsystems auf natürliche Weise und gewährleisten so ein gesundes Raumklima. Einen zuverlässigen Leitfaden bieten in diesem Zusammenhang die einschlägigen WTA-Merkblätter.

Literatur

1) WTA-Merkblatt 4-6-05/D: Nachträgliches Abdichten erdberührter Bauteile

2) Firmenliteratur Saint-Gobain Weber GmbH

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