Fertig: Staatsoper Unter den Linden, Berlin

Die Sanierung der Staatsoper Unter den Linden ist abgeschlossen. Man wollte schreiben: endlich! Mit ihrer Wiederinbetriebnahme Anfang Dezember 2017 geht ein achtjähriger Bauprozess zu Ende, der in der Öffentlichkeit vor allem über die Explosion der Baukosten wahrgenommen wurde. Statt immerhin schon stolzer 238 Mio. € zu Beginn werden jetzt gut 400 Mio. € ausgegeben sein. Der wesentliche Grund für den Umbau der Oper waren die veralterte Technik, die unzureichende innere Infrastruktur und ein baulicher Zustand, den man positiv gewendet mit „Patina“ umschreiben könnte. Und weil die Sanierungspläne ohnehin anstanden, wollte ihr Direktor an die Akustik ran. Die war manchem – gerade mit Blick auf andere Konzertsäle – für eine Hauptstadtstaatsoper nicht gut genug. HG Merz haben dann den seit den 1970er-Jahren unter Denkmalschutz stehenden Bau seit 2009 hinsichtlich Barrierefreiheit, Klimatechnik, Sicherheit und Brandschutz aktualisiert, was auch schon mal argwöhnisch beäugt worden war: Machen die da jetzt zu viel, zu wenig oder am Ende alles falsch? Das Anheben der historischen Saaldecke zwecks Erreichen einer optimalen Nachhallzeit erscheint zumindest gestalterisch gelungen. Der von Knippers Helbig Advanced Engineering entwickelte Vorschlag, den Höhenversprung (etwa 4 m) mit einer Gitterstruktur vor der neu geschaffenen, so genannten „Nachhallgalerie“ zu überbrücken, folgte mehreren Anforderungen: gestalterischen, brandschutztechnischen und natürlich akustischen. Hier eignete sich aus Sicht der Ingenieure eine Struktur aus glas­faserverstärkter Phosphat-Keramik (CBPC). Das Material besitzt beste Brandschutzeigenschaften (A1) und ist äußerst dauerhaft. Um die nötige Zugfestigkeit zu erreichen, wurde die Phosphat-Keramik mit Lang- und Kurz­fasern aus Glas verstärkt. An der Oberfläche wurden zusätzlich Kurzfasern integriert, um eine rissfreie Optik sicherzustellen. Die konstruktiv, gestalterisch einmalige Lösung machte eine Zustimmung im Einzelfall notwendig. Die Rautenstruktur besteht insgesamt aus 13 sphärisch gekrümmten Elementen. Die Geometrie der Elemente ist auf fünf Typen reduziert, was ihre Fertigung ökonomisch machte. Die Gießformen wurden mittels eines Portalroboters in einen PUR-Hartschaum CNCgefräst, gesteuert von den Daten aus den parametrisch generierten 3D-Modellen. In die fertigen Formen wurden anschließend die Keramik und die Fasern eingebracht. Am Ende alles falsch? Ganz sicher nicht. Bestimmt aber zu wenig Patina! Be. K.

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