Architekturbüro Erick van Egeraat

Erweiterung der Universität Leipzig

Am Augustusplatz in Leipzig wurde im Dezember 2017 ein architektonisch herausragender Gebäudekomplex fertiggestellt. Er setzt sich aus dem Neuen Paulinum (Aula und Universitätskirche St. Pauli) und dem Neuen Augusteum zusammen. Der Ort, auf dem das Objekt errichtet wurde, kann auf eine lange wechselvolle Geschichte zurückblicken, die zuweilen verständnisloses Staunen hervorruft. Verantowrtlich zeichnet sich das Architekturbüro Erick van Egeraat.

Zwei Gebäudegeschichten – ein gemeinsames Ende
Dort, wo sich heute das Augusteum befindet, stand einst ein gleichnamiger Bau, der 1831 bis 1836 errichtet und im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt wurde. Er diente als Hauptgebäude der Universität Leipzig. Seine Fassade ging auf einen Entwurf Karl Friedrich Schinkels zurück. Direkt daneben befand sich die Paulinerkirche. Sie wurde 1240 als Klosterkirche errichtet und ging nach der Auflösung des Klosters (1544) an die Universität Leipzig über. Ein Jahr später weihte Martin Luther sie als erstes evangelisches Gotteshaus in Deutschland ein. Darüber hinaus spielten Bach und Mendelssohn an ihrer Kirchenorgel. Zudem sammelten sich hier im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Kunstschätze an. Und – im Gegensatz zu allen anderen Gebäuden der Universität – überstand das Gotteshaus beide Kriege weitestgehend unbeschadet. Doch weder historischer Hintergrund noch architektonische Unversehrtheit nutzten ihm. Denn im Mai 1968 lässt die DDR-Regierung – unter Leitung Walter Ulbrichts (1893 in Leipzig geboren) – die Paulinerkirche sprengen. (Aus Protest läuteten währenddessen die Glocken der umliegenden Kirchen.) Das Augusteum wird abgerissen. Auf den so frei gewordenen Bauplatz stellten die Machthaber einen grauen Zweckbau im sozialistisch-nüchternen Stil. Doch auch dieser ist in Leipzig nach ca. 30 Jahren so nicht mehr erwünscht. Die Verantwortlichen schrieben 2001 einen Wettbewerb zur Neu- und Umgestaltung des innerstädtischen Universitätskomplexes aus. Drei Jahre später erhält das Rotterdamer Architekturbüro Erick van Egeraat den ersten Preis für den Wettbewerb.

Das neue Gebäude
Der Entwurf schafft es, einerseits der Geschichte des Baugrundes und andererseits den heutigen Anforderungen eines Universitätsbetriebes gerecht zu werden. Die Fassade ist geprägt durch das Wechselspiel von Kalkstein und vertikalen Fensterlisenen, wobei ihre Anordnung an entsprechender Stelle die Umrisse der gesprengten Kirche nachempfindet. Eine gotische Rosette und ein Spitzbogenfenster sind ebenfalls eine Reminiszenz an das alte Bauwerk. Im Inneren zeigt sich: Auch in der Aula mit Andachtsraum nimmt der Architekt das Thema Paulinerkirche auf und zitiert mit verschiedenen Gebäudeelementen deren Gestaltung. Dank einer beweglichen Schiebewand kann dieser Gebäudeteil in zwei Räume getrennt werden und ist somit optimal für Gottesdienste, akademische Festakte und Konzerte geeignet. Im Hauptgebäude sind repräsentative Bereiche der Universität, Institutseinrichtungen und administrative Funktionen untergebracht. Schnell fällt auf, dass die Farbe Weiß und das Material Glas bei dem Gebäude eine wichtige Rolle spielen.

Glas als Gestaltungselement
Der Architekt verwendete beide immer wieder zu Gestaltungszwecken. So zum Beispiel beim Übergang vom Paulinum zum Neuen Augusteum. Hier plante er ein 36 m hohes Glaselement ein, an dem sich zudem ein 6 m langes Glaselement mit einer Neigung von 63° anschließt das dadurch nahezu nahtlos in die Dachfläche übergeht. Hierbei handelt es sich um eine Brandschutzverglasung mit Absturzsicherheit in der Einbaukategorie A.

Das Bauteil erfüllt im Brandfall mindestens 90 Minuten lang seine Funktion (F90).Vertikale Stöße werden durch eine Silikonfuge miteinander verbunden. Während die Verglasung (theoretisch) unendlich lang gestaltet werden kann, ist sie in senkrechter Richtung auf 3 m begrenzt. Um dennoch die immense Höhe von 36 m zu erreichen verbanden die Verantwortlichen Ingenieure die Elemente (ca. 2,5 x 5 m) durch eine einseitige  Riegelkonstruktion lastabtragend an die Betonstirnkante.

Projektbeteiligte

Entwickler und Hersteller der Brandschutzelemente: Holzbau Schmid GmbH & Co. KG
HOBA Brandschutzelemente,73099 Adelberg, www.hoba.de
Auftraggeber: Freistaat Sachsen, Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement
www.sib.sachsen.de  Architekt: Erick van Egeraat Associated Architects BV, http://erichvanegeraat.com

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