„Elphi“ wird ziemlich teuer
Das Projekt Elbphilharmonie im Hamburger Hafen wächst; die Kosten auch

Während in anderen Großstädten Menschenmassen gegen Leuchtturmprojekte Sturm laufen, ist es im Hamburger Hafen ruhig, hanseatisch gelassen eben. Zwar hat gerade der Bürgermeister der Stadt, Ole van Beust mit Wirkung vom 25. August seinen Rücktritt eingereicht, doch in der Bürgerschaft herrscht die gewohnte Gelassenheit; seit dem Ende der Krawalle in der Hafenstraße, den Proteste aus dem Gängeviertel etc. Dabei hätte man Möglichkeiten gehabt, und hat sie noch. Der Bau einer Philharmonie, die mehr Zeichen ist als wirkliche Kunststätte, kostet die Freie und Hansestadt wenigstens 323 Mio. €; was den scheidenden Bürgermeister offenbar veranlasste, der Stadt eine Sparvorlage (1 Mrd. €) zu hinterlassen (nicht wenig davon im Kulturhaushalt). Nun sind 300 Mio. € in diesen Zeiten nicht sonderlich aufregenswert, wenn nicht der Bürgerschaft anfangs noch eine Summe von 77 Mio. € zur Abstimmung vorgelegen hätte, zuzüglich eingeplanter Spenden, Sponsorengelder etc.; nach erster Philharmonie-Euphorie lag man bei 190 Mio. €.

Immerhin, die Geldgeber, die privaten, haben bereits knappe 70 Mio. € beigesteuert (inklusive zweier Großspenden von Hamburger Söhnen); wieviel die Verkäufe der Luxuswohnungen auf und in dem Musikschiffsbauch erbrachten, ist nicht zu erfahren. Ende 2013 soll jedenfalls das erste Konzert in der von Herzog & de Meuron, Basel, entworfenen Musikhalle erklingen, wenn nicht die aktuellen Rechtsstreitigkeiten beispielsweise wegen Pfusch am Bau zwischen allen Beteiligten den Baufortschritt weiter verlangsamen. Eine halbe Milliarde € … was die Hamburger dafür hätten an Musikprogrammen für alle einkaufen können, möchte man sich gerne vorstellen. Klar ist natürlich, und der Blick auf das Sparprogramm zeigt es, dass dieses Geld niemals bei der Musik angekommen wäre. So bleibt zu hoffen, dass der Turmbau zu Hamburg am Ende nicht in babylonischen Zuständen endet. „Elphi“, wie der Bau immer noch liebevoll von einigen genannt wird, „Elphi“ wird irgendwann einmal zeigen müssen, ob „Leuchttürme“ auf Teufel komm raus die richtige Lösung für eine stagnierende Stadt beispielsweise sind. Be. K.

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