Deutscher Architekturpreis 2013

www.deutscherarchitekturpreis.de, www.bmvbs.de

Noch haben er und sein Team es nicht geschafft, doch ihr Erfolg bei den beiden Deutschen Architekturpreisen 2011 und 2013 lassen Spekulationen aufkommen für den kommenden Preis 2015: Staab Architekten erhielten auch in diesem Jahr Auszeichnungen, und zwar gleich zweimal: einmal für Sanierung, Um- und Anbau des Hochschulgebäudes C10 in Darmstadt, dann für das Museum der Bayerischen Könige in Hohenschwangau. Geschafft hatte es Volker Staab auch nicht zur Preisverleihung am 12. Juni 2013 in Berlin, er saß im Stau fest und kam erst zum feierlich festlichen Ausklang der Abendveranstaltung im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung in Berlin.

Was Volker Staab 2011 gelang, nämlich eine Auszeichnung für den Ort der Preisverleihung zu erhalten – das von ihm umgebaute Dresdner Albertinum – schaffte in ähnlicher Weise einer der Ausgezeichneten des Abends in 2013, Max Dudler. Ihm und seinem Büro wurde eine Auszeichnung für die Tagungsstätte/das Museum Hambacher Schloss verliehen im Lichthof des von ihm neu- und umgestalteten Ministeriums.

Nun könnte man auf die Idee kommen, dass den Deutschen Architekturpreis nur der erhält, der geeignete und – in beiden Fällen – überdurchschnittlich geplante und repräsentative Orte geschaffen hat, in denen Architekturpreisvergaben ihren angemessenen Raum finden. Der Blick auf die Liste der Ausgezeichneten sowohl in 2011 wie auch in diesem Jahr zeigt allerdings, dass hier auch ­Außenseiter Chancen haben; sie müssen ­allerdings, auch das ist zu erkennen, den Mangel weltgewandten Glamours mit Ideenreichtum, tatsächlicher Innovation oder konzeptioneller Alleinstellung kompensieren.

Doch bevor die Außenseiter in die erste Reihe rücken schnell noch ein Blick auf den Gewinner des Preises, den wir bereits in der Juni-Ausgabe mit Interview und Projektdo­kumentation vorstellten (beim Erstellen der Beiträge wussten Redakteure und Architek­ten noch nichts vom Gewinn des Preises). Bundesbauminister Peter Ramsauer: „Das neue Kunstmuseum in Ravensburg ist ein großartiges Plädoyer für die behutsame Fortentwicklung der europäischen Stadt. Das Büro Lederer Ragnarsdóttir Oei zeigt anschaulich, dass diese Entwicklung auch mit Passivhausstandard möglich ist. Denn jeder Neubau ist auch ein Eingriff in ein gewachsenes Stadtbild. Die städtebauliche Einbindung ist mit dem Neubau des Kunstmuseums Ravensburg außerordentlich gut gelungen. Auch die Frage der Baukultur ist sehr gut gelöst worden. Ich gratuliere dem siegreichen Team und den anderen Preisträgern auf das Herzlichste.“ Und Sigurd Trommer, Präsident der Bundesarchitektenkammer und Vertreter des zweiten Auslobers des Deutschen Architekturpreises: „Zukunftsfähige Gebäude müssen hohe Ansprüche an Qualität, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz erfüllen. Sie sollen mit ihrer Gestalt und Funktion ihre Orte bereichern und beleben, sollen Betrachter und Benutzer anregen und erfreuen. Das gelingt dem Kunstmuseum Ravensburg, dem weltweit ersten Passivhaus-Museum von den Architekten Lederer Ragnarsdóttir Oei. Es fügt sich zugleich wunderbar in das schöne, historisch gewachsene Stadtbild von Ravensburg. Mein herzlicher Glückwunsch gilt den Preisträgern sowie den mit Auszeichnungen und Anerkennungen bedachten Büros. Ich danke allen Einreichern für ihr Engagement.“

Und Sigurd Trommer dankte an dem festlichen Abend noch jemandem. Als der Präsident der Bundesarchitektenkammer hinter das Mikrophon trat und mit weitem Schwung ein Papier aus der Jackentasche zog, hielt so mancher den Atem an. Doch das unschuldig weiße Blatt enthielt nur freundlich formulierte Sätze, die Trommer an den Bundesbauminister Peter Ramsauer richtete, Sätze, die dem Minister und seinem Stab dafür dankten, dass nun und vielleicht entgegen ­aller vorrangegangener Erfahrungen der Bundesrat in seiner Plenarsitzung ein paar Tage zuvor am 7. Juni der siebten Änderung der Honorarordnung für Architekten und ­Ingenieure (HOAI) zugestimmt hatte.

Die Laudatio auf das Siegerbüro hielt Jury-mitglied Florian Nagler. Doch mehr noch als seine eher ins Allgemeine zielende Lobesrede beindruckte Manfred Hegger mit seinem ungewöhnlich persönlichen Beitrag. Was Nachhaltigkeit über alles Technische hinaus, was Verantwortung bedeute und wie man wirkliches Bauen in griffige Vokabeln fassen könnte, alles das war dem kleinen wie zugleich feinen Siegerprojekt angemessen.

Dass dem Abend im Gegensatz zur ersten Preisverleihung durch das BMVBS mit der Bundesarchitektenkammer ein wenig der Glanz fehlte, lag nicht an den hervorragenden Projekten, die hier geehrt wurden. War in 2011 mit David Chipperfield ein internationaler Star der Ausgezeichnete, das Neue Museum ein in der Presse und den Fachzirkeln durchaus heiß und kontrovers diskutierter Kandidat, trat mit dem Kunstmuseum in Ravensburg ein kleiner Außenseiter gegen auch größere Mitbewerber an. Was das Museum für einen Kandidaten in der ­ersten Reihe machte, ist sicherlich sein Label des ersten Passivhausmuseums der Welt, das leider die städtebauliche wie konzeptionelle Qualität des fast schon Kleinods zu verdecken droht. Und damit sollten die Verantwortlichen, die von den Sponsoren grünes Licht für einen Preis 2015 erhalten haben, den kommenden Deutschen Architekturpreis endlich zu dem machen, was er eigentlich ja auch sein soll: zum Deutschen Staatspreis für Architektur. Dann wäre er losgelöst von den Horizontvorgaben eines in die energetische Ertüchtigung des deutschen Baubestandes schier unentflechtbar verwobenen Ministeriums, das rechenschaftschuldig auf Qualitäten fokussiert, die, wie der Minister sagt, „auch die Frage der Baukultur […] sehr gut gelöst“ hat; „auch“. Dann hätten wir, 44 Jahre nach der ersten Preisausschreibung 1971, die der heute längst nur noch Insidern bekannte Architekt und Stuttgarter Wolf Irion (1908-1981) mit einer brutalistischen Wohnbebauung in Stuttgart-Vaihingen für sich entscheiden konnte, endlich einen Preis, der über rein ästhetische oder architekturtheoretische Erwägungen hinaus und jenseits aller politischer Correctness schlicht gute Architektur made in Germany ins Rampenlicht holt. Die darf dann von Ministerien, Verbänden oder Lobbyisten für ihre Zwecke gebraucht werden. Und die werden sein immer nur die besten! Be. K.

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