Dechantstall, Brixen im Thale

Erhalt einer denkmalwürdigen Hofstelle  

Wie alt der einstige Wohnsitz des Dekans der Erzdiözese Salzburg wirklich ist, weiß man nicht so genau. Aber wohl mehrere hundert Jahre. Zunächst hatte man darüber diskutiert, das sehr baufällige Gebäude abzureißen. Das Dach war undicht, Pflanzen breiteten sich im Innern aus, die Tenne war marode. Da jedes alte Gebäude aber auch Kulturgut ist, entschied man sich nach eingehender Untersuchung durch Fachleute der Universität Insbruck für den Erhalt der Hofstelle in Brixen im Thale.
 
„Am Anfang hieß es: ‚die haben einen Vogel, die alte Bude herzurichten.‘ Nun freue ich mich umso mehr, was daraus geworden ist und über die tollen Rückmeldungen“ so Ernst Huber, Bürgermeister von Brixen im Thale.
 
Zum edlen Ensemble mit der Pfarrkirche von Brixen im Thale und dem mächtigen Vidum aus dem 14. Jahrhundert passt nun auch der frisch sanierte Dechantstall wieder dazu.
 
Wo die Musi‘ spielt
Die Revitalisierung des Dechantstalls von Brixen im Thale sorgt für eine Aufwertung des gesamten Dorfzentrums. Außen bleibt der Gesamtcharakter als schlichtes Stallgebäude bestehen. Im Inneren sind  Probe- und Unterrichtsräume für die Musikkapelle beziehungsweise Musikschule sowie Räumlichkeiten für die Kinderkrippe untergebracht.
 
Äußeres Erscheinungsbild
Der gesamte ehemalige Stallbereich wurde mit einer überwiegend geschlossenen Fassade in Holzbauweise ausgeführt. Der vordere, bewohnbare Bauteil mit Sockelmassivgeschoss und obergeschossigem Massivbau blieb in seiner Gesamtstruktur und Materialität innen wie außen erhalten. Auch der hintere Gebäudeteil wurde nur geringfügig verändert. Die Erschließung der bestehenden Wohnung erfolgt über die vorhandenen Zugänge, die Kinderkrippe ist, ebenso wie die Musikkapelle und die Musikschule, über einen jeweils eigenen östlichen Zugang erschlossen. Die vorhandenen Parkflächen vor dem Dechantstall und neben der Kirche wurden nach Norden hin erweitert, es entstand ein Carport mit vier Autostellplätzen sowie ein abgeschlossener Raum für Fahrräder und Müll.
 
Raumkonzept
Im vorderen erdgeschossigen Bereich sind die Räumlichkeiten für die Kinderbetreuung untergebracht, dahinter liegen die Räume der Musikschule und -kapelle. Nordseitig wurde das bestehende Gebäude um einen unterirdischen Anbau in Stahlbetonbauweise zur Unterbringung von Technik- und Sanitärräumen erweitert.

Im ehemaligen Stall ist der Aufenthaltsraum sowie der große Probe- und Aufführungsraum der Musikkapelle situiert. Über dem Aufenthaltsraum befindet sich eine offene Galerie mit Notenarchiv und dem Büro des Kapellmeisters. Nur wer genau schaut erkennt, dass einzelne Holzteile ausgetauscht wurden.
Die Belichtung und Belüftung erfolgt über Einzelfenster, die teilweise mit Holzlamellen verblendet wurden. Die gebäudetypische Fachwerkstruktur im Veranstaltungsraum blieb weitgehend erhalten.

Projektdaten

Planungsbeginn: 2012
Baubeginn: 2015
Baufertigstellung: 2016
Nutzfläche: 685 m²
Bruttogeschoßfläche: 982 m²
Rauminhalt: 4.325 m³
Konstruktion: Mischbau

Fachplaner

Architekt: DIN A4 Architektur; www.din-a4.at
Bauherrin: Gemeinde Brixen im Thale
Tragwerksplaner: Tragwerkspartner ZT GmbH, Stuttgart; www.tragwerkspartner.com
Haustechnik Elektro: A3 jp-haustechnik GesmbH & Co.KG, Insbruck; www.a3et.com
Haustechnik HSL: Bopp Ingenieure GmbH, Wörgl; www.bopp-ingenieure.at