Das erste Passivhaus Premium: hochgradig effizient

Mit dem „House of Energy“ steht im bayeri-schen Kaufbeuren seit kurzem eines der energieeffizientesten Gebäude Deutschlands, das weltweit als erstes die Kriterien für das internationale Zertifikat „Passivhaus Premium“ erfüllt. Mit einem Heizwärmebedarf von nur 4,9 kWh/(m²a) weist es dabei eine einzigartige Energieeffizienz auf. Die integrale Planung des House of Energy erfolgte durch ein Team aus Passivhausspezialisten mit einfacher, aber hocheffizienter Technik. Die Fachplaner dafür wurden sehr früh ins Projekt eingebunden. Das House of Energy unterschreitet den international als anspruchsvoll geltenden Passivhausstandard nochmal um fast 70 %. Bei einer Energiebezugsfläche von 909 m² kann das House of Energy für ca. 1 000 € pro Jahr durch eine Sole-Wasser-Wärmepumpe mit drei Tiefensonden beheizt bzw. passiv gekühlt werden. In jeder Nutzungseinheit des Gebäudes sorgt eine hocheffiziente Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung für optimale Raumluftqualität. Die Gebäudeklasse „Passivhaus Premium“ wurde 2015 gemeinsam mit „Passivhaus Plus“ und einer neuen Version des Planungs­tools PHPP eingeführt. Erzeugung und Bedarf von Energie werden getrennt bilanziert – eine direkte Anrechnung von im Sommer erzeugtem Photovoltaikstrom auf die im Winter benötigte Heizenergie geht laut Prof. Feist an der Realität vorbei, weil eine jahreszeitliche Speicherung immer mit Verlusten verbunden ist. Grundlage der Berechnung ist daher das PER-Konzept: Für die einzelnen Energieanwendungen sind PER-Faktoren festgelegt (PER = Primary Energy Renewable), die angeben, wie viele kWh erneuerbare Primärenergie für 1 kWh benötigte Energie erzeugt werden müssen. Bei einem Passivhaus Plus liegt die Obergrenze für den Ge­samtbedarf an erneuerbarer Primärenergie bei 45 kWh/m²EBFa). Zugleich müssen, bezogen auf die überbaute Fläche, mindestens 60 kWh/(m² überbauta) erneuerbare Energie erzeugt werden. Beim „Passivhaus Premium“ ist der Energiebedarf auf 30 kWh/(m²EBFa) begrenzt.

Das Projekt in Kaufbeuren erfüllt diesen Wert mit 21 kWh/(m²a) – und gleicht damit eine leichte Unterschreitung der in dieser Klasse auf 120 kWh/(m²überbauta) angesetzten Anforderung für die Erzeugung aus.

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