Außer der Ordnung

Dass Marcel Meili und Markus Peter, Inhaber eines der führenden Architekturbüros der Schweiz, zu einem Verlag gegangen sind, der eher der Kunst und Fotografie und eben auch der Architektur zuneigt, ist verständlich. Ihre Arbeit, die substanzielle Auseinandersetzung mit Theorie und Praxis, ist nicht leicht zwischen Buchdeckel zu fassen und bedarf eines feinsinnigen und eben in allen Künsten gebildeten Auges.

Unzählige Bilder, Fotos, Zeichnungen, Texte, Typografie, Farbabstimmung, Layout, Falzungen: ein Genuss. Selten so viele Modelle so sauber fotografiert gesehen, selten die textliche Kurzdarstellung der sechsundzwanzig Projekte seit 1987 so präzise, so unprätentiös. Die von Kollegen, Hermann Czech, Josep Lluís Mateo, Jürg Conzett sowie dem Architekturfotografen Heinrich Helfenstein, beigesteuerten Essays offenbaren Zusammenhänge, lassen viele Details schärfer hervortreten. Insbesondere aber auch das eingangs abgedruckte, längere Gespräch der beiden mit Adolf Krischanitz sowie die nachfolgende Eigensicht auf die Jahre vor 1987 (dem Jahr der Partnerschaftsgründung) vermitteln die Aspekte, die für die Lesbarkeit des Werks hilfreich sind und verstehen lassen, was denn das ist, „die Schweiz in uns“.

Neben den schon viel publizierten Projekten (Perrondächer am Zürcher Hauptbahnhof, dem Mursteg, dem Riffraff-Kino oder dem Zentrum für den Globalen Dialog der Swiss RE), die hier aber nicht bloß wieder aufgebacken. sondern in neuen Details noch einmal wie neu vor Augen gestellt werden, gibt es eine Menge größerer und größter Projekte zu entdecken, zunehmend auch nicht mehr nur in der Schweiz realisiert. Ein Werkverzeichnis rundet die Publikation ab, die zu den besten Werkmonografien der letzten Jahre zu rechnen ist.

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