Architektenhaus im
Plusenergie-Standard
Wohn- und Bürohaus in Münnerstadt

Eines der ersten fertig gestellten Projekte im Förderprogramm Effizienzhaus Plus steht in Münnerstadt in Unterfranken. Hier errichtete das Architekten-Ehepaar Andreas und Jeannette Miller 2011 ein Effizienzhaus Plus, das sie als Wohnhaus und Architekturbüro selbst nutzen. Das 3-geschossige Gebäude mit 327 m2 beheizter Nettogrundfläche ist mit großzügigen Fensterflächen nach Süden orientiert. Die hellen Räume wurden als offener Grundriss mit durchgehendem Treppenhaus vom Unter- bis ins Obergeschoss verwirklicht. Das Gebäude ist in Holzrahmenbauweise als Passivhaus realisiert. Die 3-Scheiben-Wärmeschutz-Verglasung der Holzfenster hat einen Ug-Wert von 0,6 W/m²K. Die Wärmedämmung ist unter dem Pultdach 40 cm dick, an den Außenwänden 30 bis 40 cm sowie 25 bis 30 cm im Kellergeschoss.

Durch die wärmebrückenfreie Konstruktion und die Gebäudehülle mit hoher Dichtigkeit wird mit Einsatz von Flächenheizungen eine angenehme Jahrestemperatur von 20 °C erreicht. Eine Lüftungsanlage mit 93 % Wärmerückgewinnung sorgt für angenehmes Raumklima. Automatisch nach Witterung gesteuer-

te Außenjalousien zur Südseite schützen vor sommerlicher Überhitzung. Für die Erzeugung von Raumwärme und Trinkwarmwasser sorgt eine Erdreich-Wärmepumpe (Leistung 0,75 kW) mit Pufferspeicher. Über die klein

dimensionierte Fußbodenheizung werden Wohnräume und Bad beheizt. Bedarfsspitzen können mit elektrisch beheizten Steinplatten abgedeckt werden.

Die Photovoltaikanlage (23,74 kWp) auf dem Pultdach wurde ergänzt mit einer Hausbatterie (11,52 kWh), um eine möglichst hohe Eigenstromnutzung zu ermöglichen. Zusätzlich nutzt die Familie seit Juni 2013 ein Elektroauto. Sind sowohl Batterie und Auto voll aufgeladen, wird der Solarstrom für die Beheizung des Pufferspeichers mittels Wärmepumpe eingesetzt. Der verbleibende Überschuss wird ins öffentliche Stromnetz ein-

gespeist.

Über das Jahr 2013 gelang es, bei der

Endenergie ein deutliches Plus zu erwirtschaften: Stolze 11 710 kWh konnten über

das Jahr ins Netz eingespeist werden.

Was man zunächst nicht erwarten würde: Die Mehrkosten zur Erreichung des Effizienzhaus Plus-Standards sind in Münnerstadt überschaubar. Bei Baukosten von 351 700 € (KG 300 + KG 400) sieht Architekt Andreas Miller nur geringe Mehrkosten gegenüber einem konventionellen Gebäude: „Man spart bspw. dadurch, dass man auf einige konventionelle Komponenten, wie z. B. eine teure Heizungsanlage oder einen Kamin verzichten kann“. Den Schlüssel zu dem erfolgreichen Projekt sieht Andreas Miller in sorgfältiger Planung: „Es beginnt bereits mit den ersten Skizzen in der Entwurfsplanung, da hiermit die Grundlagen für eine reduzierte Anlagentechnik gelegt werden. Je weniger Technik der Nutzer bekommt und eigenständig bedienen muss, desto weniger Fehlerquellen sowie Kosten entstehen hierdurch.“

Baudaten
Bauherr:
Andreas und Jeanette Miller
Architektur/TGA:
Ingenieurbüro Miller, Andreas Miller & Daniel Miller GbR,
97702 Münnerstadt, www.miller-ingenieurbuero.de
Monitoring:
Hochschule Augsburg, www.hs-augsburg.de
Energiekonzept
Konstruktion: Passivhaus in hochgedämmter Holztafelbauweise
Dach: GK 12,5 mm, Lattung 24 mm, OSB-Platte luftdicht verklebt 15 mm, Dämmung WLG 040 zwischen den Deckenbalken 40 cm, Rauspundschalung 16 mm, diffusionsoffene Unterspannbahn, Dachdeckung
Außenwand: GK 12,5 mm, Holzwerkstoffplatte 8,5 mm, Wärmedämmung WLG 040, zwischen Holzkonstruktion 30 cm, Holzfaserplatte WLG 045 6 cm, Putz 12 mm
Bodenplatte: Beschichtung, WU-Beton 25 cm, Wärmedämmung 30 cm, Sauberkeitsschicht Sand/Kies 5 cm, kapillarbrechende Schicht 20 cm
Fenster: Holzfenster mit 3-fach-Verglasung
U-Werte der Bauteile
Außenwand: 0,10 W/m2K
Fenster: 0,70 W/m2K
Dach: 0,10 W/m2K
Bodenkonstruktion: 0,12 W/m2K
Haustechnik
Photovoltaikanlage 23,74 kWp, Stromspeicher 11,52 kWh, Erdreich-Wärmepumpe, Heizleistung 0,75 kW, Fußbodenheizungen im Bad OG und Wohnen, kontrollierte Be- und Entlüftung mit 93 % Wärmerückgewinnung, Ladestation für Elektroauto
x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 10/2010

Wetterleuchten Oskar von Miller-Turm. Meteomast, Campus Garching

Dem Oskar von Miller (1855-1934) hat nicht nur, aber ganz besonders, die Stadt München einiges zu verdanken; so beispielsweise das Deutsche Museum, in welchem Lebenswerk Nr. 1 Miller 1934 einem...

mehr
Ausgabe 04/2023

Mehrwert aus Meeresplastik

Herman Miller weitet den Einsatz von Ocean Bound Plastic (OBP) in seinen Kollektionen aus. Bei dem aktuell überarbeiteten Bürostuhl Sayl des Schweizer Designers Yves Béhar werden pro Stuhl bis zu...

mehr
Ausgabe 09/2016

Optimiertes Holzfenster

Das Holzfenster-System OPTIWIN Purista zeigt von außen eine Ganzglasoptik, innen sorgt das Material Holz für natürliche Behaglichkeit. Die gläserne Oberfläche besticht nicht nur durch ihr...

mehr
Ausgabe 10/2024

Aus einem Guss

Der von Stefan Diez entworfene Fuld Nesting Chair von Herman Miller ist ein Klappstuhl, der aufgrund seiner minimalistischen Formgebung besondere visuelle Akzente im Innenraum setzt. Ausgangspunkt...

mehr
Ausgabe 03/2015

Türsystem mit Passivhaus-Zertifikat

Das Türsystem Schüco ADS?112 IC (Aluminium Door System, 112?mm Bautiefe, Insulation Cover) entspricht den Zertifizierungskriterien des Passivhaus Instituts in Darmstadt. Das Aluminium-Türsystem...

mehr