„Alexander Tower“ mit geplanter Höhe genehmigt

Vielleicht, weil der Krieg 1939 – 45 am Potsdamer Platz am Ende derart gewütet hatte, dass man hier nach Kriegsende eine Tabula rasa vorfand, vielleicht aus diesem Grund wurde der Platz nach der Wiedervereinigung des getrennten Berlins zu einem Nukleus der hohen Häuser in Deutschlands einziger Metropole. Die sich ansonsten ja eher weit in die Fläche ausdehnt.

Vielleicht, weil am Tabula rasa Platz rund um den Alex dann doch Bauten entstehen konnten, die heute als denkmalwürdig angesehen werden wie das Haus des Lehrers von Hermann Henselmann beispielsweise oder das Haus des Reisens von Roland Korn, Johannes Briske und Roland Steiger. Hier wollte bereits in den 1990er-Jahren Hans Kollhoff – der am Potsdamer Platz ein Hochhaus bauen konnte – im Rahmen eines von ihm entwickelten Masterplans zehn hohe Häuser realisieren, die die neue Stadtkrone für die City-Ost gebildet hätten. Aus den Kollhoff-Vorschlägen wurde bis heute nichts, trotz aller Versuche bis heute, sie doch noch irgendwie ins Gebaute umzuwandeln.

Nun scheint sich der Widerstand von Senat und Bezirk erweicht zu haben, Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke), möchte allerdings die Hochhäuser am Alex auf 130 m Höhe beschränkt wissen. Zuvor war im 2015 überarbeiteten Kollhoff-Plan ein Hochhaus hin­ausgenommen worden und die schon angesprochenen Bauten aus DDR-Zeiten nun nicht mehr als zum Abriss freigegeben definiert. 2015 präsentierten dann auch Ortner & Ortner ihren Entwurf für den „Alexander Tower“, der damals mit 150 m Höhe geplant war.

Im März 2018 schickten die Architekten die frohe Botschaft, dass O&O Baukunst die Baugenehmigung für das höchste Wohngebäude der Stadt erhalten habe: „Die seit 1993 vorgeschlagene vertikale Nachverdichtung am östlichen Zentrum Berlins findet nun ihren Anfang. Der 150 m hohe Wohnturm schafft neuen Raum für insgesamt 377 Wohnungen sowie großzügige Gewerbeflächen im Sockelbereich.“ Also doch 150 m Höhe? Ein Anruf bei O&O Baukunst Berlin bestätigte die Höhe: Markus Penell, geschäftsführender Gesellschafter, bestätigte die Baugenehmigung. Man gehe davon aus, dass die geplante Höhe auch realisiert werde.

Ihren Hochhausentwurf planen die Berliner für den russischen Bauunternehmer MonArch, der aus ihrer Sicht „Pionier mit Leuchtturmcharakter“ soll 2021 fertiggestellt werden. In dem Turm mit 35 Geschossen sollen 377 Wohnungen entstehen – mit einer Fläche zwischen 30 und 250 m². Auf drei Geschossen sind Gewerbeflächen vorgesehen, hinzu könnten kommen eine Club-Lounge, ein Kino, ein „Pool mit Gym-Bereich“, ein Wellness-Spa sowie Konferenzräume und ein Restaurant.

Mit dieser Baugenehmigung könnte ein Knoten geplatzt sein, weitere Hochhäuser stehen schon länger auf Hold. So möchte der Eigentümer des Park Inn, die Froncière des Régions, zwei Türme, der Kaufhof will einen und das US-Unternehmen Hines ging schon vor Monaten mit einem Wohnturm von Frank O. Gehry an die Öffentlichkeit (Gehry gewann unter anderem gegen Hans Kollhoff). Geht es jetzt los? Der Tower von O&O könnte der Präzedenzfall werden. Be. K.

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