Akademie für den DFB. Siegerentwurf von kadawittfeldarchitektur

Fußball steht vordergründig für Emotionen. Und dahinter steht ein Milliardengeschäft. Fußball in Deutschland ist gut organisiert, der DFB ist mit knapp sieben Millionen Mitgliedern der größte Sportverband. Wer an seiner Spitze steht, ist so etwas wie ein kleiner König, der ausnahmsweise mehr ist als der Kaiser. Der kleine König und seine Entourage bekommen jetzt ein Schloss.

Natürlich kein Schloss, es ist bloß eine Akademie. Trotzdem überrascht es nicht, wenn der DFB über seine Presseabteilung salbungsvoll verlautbaren lässt, dass „es ein Kaiser war, der die Idee [für eine Fußballakademie] erstmals formulierte. Nach seinem Amtsantritt als Teamchef der deutschen Nationalmannschaft hinterlegte Franz Beckenbauer den Gedanken, alle sportlichen Spitzenkräfte des Verbandes in einem Zentrum zusammenzuziehen.“ Der Verweis auf den „Kaiser“, der hier vermächtnismäßig etwas hinterlassen hat, musste an dieser Stelle der Presseerklärung getan werden, schließlich erfolgte die Unterschrift auf dem Vertrag zwischen der Stadt Frankfurt und dem DFB im Porträtkreis aller (wirklichen) Kaiser und Könige des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation: im Kaisersaal des Römers.

Unterschrieben wurde am 21. März 2014 um exakt 13:27 Uhr ein Papier, das die Stadtoberen schon lange vorbereitet und nun endlich gegenzeichnen lassen konnten: Es ging um die Überlassung eines rund 20 Hektar großen Geländes in Frankfurt Sachsenhausen-Süd, auf welchem seit 1864/65 und bis Ende 2015 noch die Frankfurter Galopprennbahn in immer seltener stattfindenden Rennen ein kuscheliges Nischendasein fristete. Die Rennbahn und der Golfclub (9-Loch-Anlage) sollen nun verschwinden, die Stadt sieht hier für sich schon länger kein Potential mehr. Für die Überlassung des Areals auf Erbpachtbasis für 99 Jahre zahlt der DFB der Stadt einmalig 6,8 Mio. €, 90 % unter Wert und damit so günstig, dass der DFB seine zwischenzeitlich gemachte Drohung, Frankfurt zu verlassen, nicht mehr wahr machen muss.

Im November 2014 wurde ein nichtoffener, zweiphasiger Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren ausgelobt, zu welchem 213 internationale Büros einreichten. Die wurden in der ersten Wettbewerbsrunde auf 30 reduziert, darunter auch Vorschläge von Zaha Hadid und CoopHimmelb(l)au. In der zweiten Phase wurde auf zehn reduziert. Anfang Juni wurde mit kadawittfeldarchitektur, Aachen, der Wettbewerbsgewinner bekannt gegeben.

Daraufhin gab es den ersten Bürgerentscheid in der Bankenstadt, am 21. Juni stimmten 60000 für den Erhalt, 40000 für die Akademie. Insgesamt lag allerdings die Wahlbeteiligung unter der erforderlichen Mindestzahl, der Bürgerentscheid war damit unwirksam.

Der Gewinnerentwurf, den die Aachener stimmig zum DFB-Pathos als „Flügel über der Lichtung“ beschreiben, ist ein dreigeschossiger, im Wesentlichen in Nord-Süd-Richtung gestreckter Baukörper, der Akademie, einen Sportboulevard, Verwaltung, Trainingsräume, Logis-tik und die DFB-Zentrale sowie eine große Sporthalle unter ein Dach fasst. Dessen vielfach geknickte Fläche soll das Beschützende der Anlage unterstreichen. In diese am Boulevard gereihten Elemente schieben sich die Außenanlagen, die Sport- und Parkplätze.

2016 soll das Areal übergeben werden, dann sollen die Abbrucharbeiten beginnen. Die Akademie soll Ende 2018 stehen, kosten wird sie uns Fans knapp 90 Mio. €. FIFA und UEFA geben noch 7,6 Mio. € dazu. Ob sich die Stadt mit dem Entgegenkommen dem DFB gegenüber einen Gefallen getan hat? Wahrscheinlich möchte die Stadt Frankfurt mit ihrem Supersonderangebot die Verbandszentrale stärker an sich binden. Ob das aber der Eintracht dient? Be. K.

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