1 715 Einreichungen: Dennoch ist Guggenheim in Helsinki gescheitert www.moreaukusunoki.com, www.guggenheim.org

Das hatte die Architektenwelt bisher noch nicht gesehen: 1 715 Einreichungen zu einem Architekturwettbewerb! Für eine neue Guggenheim-Dependence in Helsinki! Aus 77 Ländern wurden Entwürfe eingereicht und am 23. Juni 2015 wurde entschieden: Die überwiegend von finnischen Juroren besetzte Jury sprach sich für den Entwurf „Art in the City“ der französisch-japanischen Architekten
Moreau Kusunoki aus. Die sitzen in Paris und wurden im Wettbewerb unter anderem von der Arup Deutschland GmbH, Berlin, unterstützt.

Das ist nun 1,5 Jahre her, seitdem hörte man über den Wettbewerb wenig. Überrascht hatte damals, dass die Guggenheim-Stiftung mit Sitz in New York zum ersten Mal seit ihrer Gründung überhaupt einen Wettbewerb für eines ihrer Museen ausgelobt hatte. In der weit zurückreichenden Geschichte des Kunstkonzerns waren Direktbeauftragungen die Regel: an Frank Lloyd Wright, an Frank Gehry, Arata Isozaki, Rem Koolhaas, Richard Gluckman, Jean Nouvel, Norman Foster oder  Zaha Hadid. Und weil es den Wettbewerb gab – dessen Durchführung und Honorierung über Sponsoren gesichert war – hatte mancher das Gefühl, es könne etwas werden mit dem Neubau direkt an den Südhafen, am Eteläsatama, der Altstadt vis-à-vis. 1A+ Lage an der Wasserfront, was schon vor der Auslobung manchen Helsinkier gewaltig störte. Auch, dass man möglicherweise einem internationalen Kunstkonzern Steuergelder schenken wollte stieß nicht wenige in der Finnischen Hauptstadt ab.

Die Befürworter in der Stadt und natürlich auch die Guggenheimstiftung selbst argumentierten mit der Notwendigkeit von Inves-titionen in die Zukunft der Stadt im Ranking der Weltstädte insgesamt: Ein Guggenheimmuseum ziehe eben Touristen an und in Folge Unternehmen, Investoren und neue, also gerne junge, gut gebildetet Stadtbevölkerung, die gerne in einer Hauptstadt leben, die internationale Kunst beherbergt.

Doch das alles nutzte am Ende nichts, auch nicht, dass sich Guggenheim mit Hilfe privater Gelder an den geschätzten Baukos-ten von rund 100 Mio. € (nur der Bau) mit einem Drittel beteiligen wollte. Anfang Dezember letzten Jahres entschied der Stadtrat mit 53 Nein- gegen 32 Ja-Stimmen gegen den Neubau. Damit ist der zweite Anlauf nach 2011 gescheitert. Guggenheimdirektor Richard Armstrong ließ melden, er bedauere die Entscheidung und deutete an, dass sich die Stiftung nicht noch einmal in Helsinki bewerben werde.

Ob Guggenheim irgendwann einmal in Abu Dhabi neben der in diesem Jahr eröffnenden Louvre-Dependence (Jean Nouvel) fertig baut, steht auch noch in den Sternen. Ihr Architekt, Frank Gehry, wäre dann nach seinem Entwurf für ein Guggenheim in New York im Jahr 2002 in der Wüste zum zweiten Mal gescheitert. Aber: Der Kalifornier hat mit seinem Museum in Bilbao den sagenhaften „Bilbao-Effekt“ in die Welt gesetzt. Den sollte der Neubau in Helsinki ebenfalls leisten. Zu teuer? Ach was! Be. K.

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