Berufspraxis auf die harte Tour

Viele Architektur-Studierende sind nach ihrem Studium nicht in Architekturbüros tätig – woran liegt das? Was muss sich ändern in der Ausbildung? Und wie gelingt der Einstieg in den Beruf? Über Mut, ein gewisse Portion Naivität und vieles mehr haben wir mit Fabian P. Dahinten, Vorstandsmitglied bei nexture+ und Mitglied der Geschäftsführung bei Lengfeld & Wilisch Architekten BDA, gesprochen.

Fabian P. Dahinten hat 2020 einen Master of Engineering an der Hochschule Darmstadt abgeschlossen. Seitdem hat er dort im Fachbereich Architektur einen Lehrauftrag für Entwerfen. Gleichzeitig begann seine Mitarbeit bei Lengfeld & ­Wilisch Architekten BDA, wo er seit 2024 Partner ist. Von 2020-2024 war Dahinten außerdem Präsident von nexture+, dem Nachwuchsnetzwerk für die Planungsdisziplinen. Inzwischen ist er dort im Vorstand Ansprechpartner für die Berufspraxis. Letztere soll heute im Kontext „Zukunft der Hochschule“­ unser Thema sein.

Fabian P. Dahinten, M.Eng. ist Partner bei Lengfeld & Wilisch Architekten BDA und hat einen Lehrauftrag für Entwerfen am Fachbereich Architektur der Hochschule Darmstadt. Beim Nachwuchsnetzwerk nexture+ ist er im Vorstand zuständig für das Thema Berufspraxis
Foto: Michael Hudler Photography, Darmstadt

Fabian P. Dahinten, M.Eng. ist Partner bei Lengfeld & Wilisch Architekten BDA und hat einen Lehrauftrag für Entwerfen am Fachbereich Architektur der Hochschule Darmstadt. Beim Nachwuchsnetzwerk nexture+ ist er im Vorstand zuständig für das Thema Berufspraxis
Foto: Michael Hudler Photography, Darmstadt

Lieber Fabian, als du wieder in den Vorstand von nexture+ gewählt wurdest, hast du in einem LinkedIn-Post geschrieben, dass du in den letzten Monaten auf die harte Tour gelernt hast, was Berufspraxis wirklich heißt. Was meintest du damit?

Fabian P. Dahinten (FD): Bereits während meines Studienlebens war ich Mitbegründer von nexture+. Im Studium wächst oft eine Vorstellung vom Berufsleben heran, doch nach dem Abschluss verlief der Einstieg deutlich anders. Relativ zügig nach dem Berufseinstieg übernahm ich bei Lengfeld & Wilisch Architekten BDA eine Position in der Geschäftsführung und trat damit eine verantwortungsvolle Führungsrolle an. Früher ärgerte man sich im Planungsprozess gelegentlich über einzelne Details, doch dann traten ganz andere Themen in den Vordergrund: Arbeitsverträge, Steuern, Projektverträge und vieles mehr. Damals bekam ich einen Rundumblick hinter die Fassade – ich sah, was eine Selbstständigkeit beziehungsweise Partnerschaft alles umfasst. Das war lehrreich, aber auch herausfordernd.

Laut der Nachwuchsumfrage vom Netzwerk nexture+ würden nur 58 Prozent der befragten Studierenden und Berufseinsteiger noch einmal Architektur studieren
Foto: Lengfeld & Wilisch Architekten
Laut der Nachwuchsumfrage vom Netzwerk nexture+ würden nur 58 Prozent der befragten Studierenden und Berufseinsteiger noch einmal Architektur studieren
Foto: Lengfeld & Wilisch Architekten

Wäre es dir leichter gefallen, wenn du diesen Rundumblick schon während des Studiums erhalten hättest?

FD: Die Frage habe ich mir oft gestellt. Während des Studiums gab es Wahlpflichtfächer, beispielsweise zur Schadensanalyse, ich habe damals aber lieber einen Stegreif gemacht. Im Nachhinein ist man klüger. Rückblickend wäre es sicher sinnvoll gewesen, sich auch mit anderen Bereichen auseinanderzusetzen. Vielleicht sollte man in seiner Studienphase darüber reden, wie ein Berufseinstieg oder der Einstieg in die Selbstständigkeit gelingt. Man kann aber auch nicht alles ausschließlich ins Studium legen.

Hättest du dich trotzdem so entschieden, wenn du vorher alles gewusst hättest?

FD: Ich bin froh, dass ich vorher nicht wusste, was genau auf mich zukommt. Bei meiner ersten Bauleitung habe ich das auch so erlebt: Ich durfte das in Zusammenarbeit mit einem tollen Partner machen und im eigenen Fachbereich ein Lernzentrum bauen – zwischen den Vorlesungen auf der Baustelle. Hätte ich vorher gewusst, wie anspruchsvoll das ist, hätte ich mich vermutlich nicht getraut. Durch eine gewisse Naivität und die starke innere Motivation, wirklich ein umfassender Architekt zu werden, habe ich es trotzdem gemacht. Deshalb bin ich heute froh, dass mir vorher nicht alles glasklar war. Ähnlich sehe ich es auch bei der Geschäftsführer-Position: Ich glaube, es ist der richtige Weg für mich, auch wenn ich noch am Anfang meiner Karriere stehe.

Könnte man denjenigen, die sich in einer ähnlichen Phase befinden, als Tipp mit auf den Weg geben, einfach mutig ins kalte Wasser zu springen?

FD: Mut gehört dazu. Man kann nicht alles bis ins Detail durchdenken. Vor dem Firmeneinstieg habe ich mich intensiv mit verschiedenen Themen beschäftigt und abgewogen, ob es die richtige Entscheidung ist. Man braucht das Gefühl, es sich vorstellen zu können, und eine klare Vision – auch wenn sich vieles ändert. Klingt vielleicht hemdsärmelig, aber so habe ich es gemacht. Welche Maßstäbe gibt es, um eine echte Erfolgsgarantie zu erkennen?

Die Vision, die du hattest, würde mich interessieren.

FD: Ich wusste bereits in der Schulzeit, dass ich Architekt werden möchte – und später selbstständig als Architekt arbeiten will. Obwohl mir heute bewusst ist, dass das nicht selbstverständlich ist.

Wäre die Selbstständigkeit allein oder mit zwei Kommilitoninnen für dich eine Option gewesen? Oder war es von Anfang an dein Plan, eine Partnerschaft bei Lengfeld & Wilisch anzustreben?

FD: Für mich war von Anfang an klar, dass ich gründen will. Im Studium hatte ich das Glück, Katharina Körber kennenzulernen. Wir haben ab dem dritten Semester viel gemeinsam gemacht. Ab dem vierten Semester stand der Plan, uns selbstständig zu machen. Ich habe nie an den Weg gedacht, mich irgendwo einzukaufen. Und der Gedankengang ging tatsächlich auch erst dann los, als ich gefragt wurde, ob ich mir das grundsätzlich vorstellen kann, als Partner einzusteigen, sozusagen auf einen Tanker aufzuspringen. Das Angebot habe ich erst mal sacken lassen müssen. Dann aber habe ich gemerkt, dass es auch viele Vorteile hat.

Wieso gibt es aus deiner Sicht für Studienabgängerinnen und -abgänger so wenig Alternativen?

FD: Ich denke, dass liegt daran, dass sich die Wettbewerbsverfahren und die Vergabepraxis grundlegend verändert haben. Als Beispiel führe ich immer den Flughafen Tegel an. Damals haben mit Meinhard von Gerkan und Volkwin Marg zwei junge Architekten einen Wettbewerb gewonnen, die eigentlich vorher noch nie wirklich etwas gebaut hatten. Sie haben es geschafft, ein tolles Gebäude zu entwerfen und auch umzusetzen, was viele Jahre funktioniert hat. Aber das wird heute niemandem mehr zugestanden oder zugetraut. Selbst wir als Büro mit 55 Mitarbeitenden scheitern oft an Vergabehürden, weil man sagt, ihr könnt zwar ein riesiges Bürogebäude bauen, aber eine Schule, das könnt ihr nicht. Wir werden vermutlich nie ein Schwimmbad bauen dürfen, weil wir nicht in den letzten drei Jahren fünf davon realisiert haben. Das wirkt sich auf Bürostrukturen aus: Mit zunehmender Größe, um wirtschaftlich und marktbasiert mitzuhalten, wird es immer schwerer, sich als kleines Büro mit entsprechenden Projekten selbstständig zu machen.

Es ist schade, dass dadurch häufig die Kreativität auf der Strecke bleibt. Auftraggeber greifen zu bewährten Lösungen, statt Neues auszuprobieren. Dadurch entwickeln sich Typologien möglicherweise nicht so weiter, weil man lieber das Vertraute wählt.

FD: Bauherren gehen von einer Sicherheit in Bezug auf Kosten, Termine und Planungssicherheit aus, wenn sie ein großes Architekturbüro beauftragen. Dabei hängt es von vielen Faktoren ab, ob ein Projekt erfolgreich gelingt. Wie funktionieren die Planenden untereinander? Wie sind äußere Faktoren wie Bodengrund, Gutachten usw.? Wichtiger ist eigentlich: Wie kompetent und wie gut sind die Partner, die ich mir suche für mein Projekt und wie kreativ lösen sie Probleme? Natürlich könnten manche Typologien wesentlich kreativer sein, wenn man mal ein bisschen frischen Wind reinlassen würde. Aber das wird durch die ganzen zusätzlichen Vorgaben und Anforderungen immer schwieriger.

Auf der einen Seite gibt es deutlich weniger Wettbewerbe als vor drei bis vier Jahren. Auf der anderen Seite werden die Zugangsmöglichkeiten für junge Büros immer schwieriger. Welche Perspektiven haben junge Büros, um an Aufträge zu gelangen?

FD: Viele sagen, die „Boomer“ gehen irgendwann in Rente. Für alle Jungen, die sich selbstständig machen, beginnen dann goldene Zeiten. Viele Büros werden in nächster Zeit eine Nachfolge suchen.

Bleiben wir bei deinem Modell der Selbstständigkeit bzw. Partnerschaft. Was sind die Vorteile, wenn man die Möglichkeit hat, sich in ein etabliertes Büro einzukaufen?

FD: Man baut auf vorhandenem Wissen auf, gewinnt Einblicke und kennt die Kollegen. Plötzlich kann man auf eine gewisse Art mitentscheiden. ­Dafür braucht man Strukturen, die Veränderungen zulassen. Erfahrene Büros können jung bleiben und junge Büros können erfahren werden – beides klappt gut, aber das Eine ist herausfordernder. Der Weg, sich in einem Büro einzukaufen, ist aus meiner Sicht einfacher und besser. Künftig könnte es insgesamt weniger Architekturbüros geben; die Wirtschaftslage ist angespannt, der Markt wird schrumpfen. Viele Projekte werden von Totalübernehmern realisiert und viele warten auf den sogenannten „Bau-Turbo“.

Wie haben sich die Kolleginnen und Kollegen bei Lengfeld & Wilisch verhalten, als du eine andere Position übernommen habe? War die Umstellung spürbar?

FD: Für mich war der Rollenwechsel nie ein Problem. Ich hatte auch nicht das Gefühl, dass es für die Kolleginnen und Kollegen ein Problem war. Die Herausforderung war vielmehr, dass ich 2020 während der Corona-Zeit als Projektleiter bei Lengfeld & Wilisch angefangen habe. Die meiste Zeit saß ich allein im Büro, weil alle im Homeoffice waren. Das war nicht die beste Einstiegszeit, ich kannte kaum jemand persönlich. Insbesondere das Zwischenmenschliche entwickelte sich im Laufe der Zeit.

Was war rückblickend für dich die größte Überraschung?

FD: Am meisten hat mich überrascht, wie knallhart die Welt da draußen ist. Ich bin mit vielen Idealen aus der Hochschule gekommen und möchte eigentlich immer noch die Welt verbessern. Aber ich bin wesentlich rea­listischer geworden. Überraschend ist, wie viele Bauvorhaben heute noch „ganz normal“ gebaut werden. Die Masse der Projekte wird noch traditionell gebaut, ohne Austausch von 3D-Modellen und BIM-Ausschreibung. Im Studium geht man vom Musterbeispiel aus, die Realität ist deutlich komplexer, um ein Projekt kosten- und termintreu umzusetzen. Man möchte beispielsweise ein Produkt einsetzen, das ökologischer ist, aber die Auftraggeberschaft möchte das nicht bezahlen. Da es nicht mein Geld ist, kann ich eine Entscheidung aber nicht erzwingen.

Was ist nexture+? Wie begann alles und welche Ziele habt ihr?

FD: Für mich ist nexture+ ein Herzensprojekt. Damals kamen Fachschaften in Regensburg und Münster auf die Idee, andere Fachschaften einzuladen. 2022 ist in Darmstadt dann die Idee entstanden, sich in einer Art Bundesfachschaft zu vereinen. Wir wollten von Beginn an ein Nachwuchsnetzwerk gründen, um Studierende und Berufseinsteiger zusammenzubringen. Inzwischen gestalten wir mit der Bundesarchitektenkammer und den Länderkammern den 3. Nachwuchsarchitekten:innentag. Wir haben eine ­Nachwuchsumfrage gemacht, die erste ihrer Art. Wir haben jetzt einen Handlungskatalog für die nachhaltige Lehre. Das heißt, wir sprechen mit Lehrenden, wie wir uns vorstellen, dass die Lehre nachhaltiger wird. Und das Spannende dabei ist: Es geht nicht nur um Studierende, sondern auch um die Berufseinsteiger. Nach dem Studium verliert man einen Großteil seines bisherigen Umfelds. Man trifft sich nicht mehr bei Vorträgen oder Veranstaltungen, die man vorher gemeinsam besucht hat. Mit dem Einstieg ins Berufsleben endet das alles. Zweimal im Jahr haben wir bei nexture+ unsere Vernetzungstreffen. Bei diesen Treffen tauscht man sich über wichtige Themen aus. Wie hat der Büroeinstieg funktioniert? Wie hast du dein Gehalt verhandelt? Diese Brücke zwischen Studium oder Studierenden und dem Berufseinstieg findet auf einer anderen Ebene statt, da wir nicht alle im gleichen Büro sind, aber vor den gleichen Herausforderungen stehen.

Du hast ein paar deiner idealistischen Ziele bereits angesprochen. Wie realistisch sind diese in der Umsetzung? Versuchst du, dich noch an deinen Ansichten als Student zu orientieren oder hat sich in der Wirklichkeit doch einiges geändert?

FD: Es hat sich einiges geändert und ich denke, dass die intrinsische Motivation, etwas anders oder besser machen zu wollen, auf jeder Ebene wichtig ist; sei es bei kleinen Entscheidungen, wie die Sockelleiste befestigt wird, dass ich die nicht klebe, sondern anschraube, bis hin zu einer Entscheidung, ob überhaupt ein Gebäude gebaut wird. Da sind alle Ebenen relevant. Vielleicht sollte man den Studierenden mehr zeigen, dass sie auf einer sehr niedrigen Ebene anfangen. Aber vielleicht ist das auch falsch, weil man dann nicht den Mut hat, Dinge vollkommen anders zu denken.

Ich würde gerne auf einen Aspekt der Nachwuchsumfrage eingehen. Ihr habt Architektinnen und Architekten sowie Personen aus weiteren Fachgebieten wie Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung befragt. Die Frage war, wie viele heute noch mal ihr Fach studieren würden. Bei den anderen Disziplinen lag der Wert über 70 Prozent und im Bereich Architektur nur bei 58 Prozent. Was glaubst du, sind die Gründe?

FD: Für mich war schon sehr früh klar, was ich später machen werde. Aber vielen meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen ist erst während des Studiums bewusst geworden, was es bedeutet, Architektur zu studieren. Bei mir im Fachgebiet hat nur etwa ein Drittel das Studium beendet. Viele haben sich nach ihrem Abschluss entschieden, einen anderen Weg einzuschlagen. Ein Kommilitone ist jetzt bei der Bundespolizei, eine andere Kommilitonin programmiert Computerspiele. Einige sind nicht mehr mit dem eigentlichen Entwurf betraut, haben aber immer noch mit dem Bauen zu tun. Ich finde das gar nicht so schlecht, denn alle haben eine gewisse Grundfähigkeit erlernt, ein Grundverständnis von Architekturqualität.

Es kann in Gesprächen mit Bauherren, Projektentwicklern oder der öffentlichen Hand hilfreich sein, wenn man feststellt, dass die Person gegenüber ein Verständnis für Qualitäten und Baukultur hat.

FD: Wir haben tatsächlich Bauherren, die auch Architektinnen und Architekten sind, die wissen, wie Räume wirken. Aktuell haben wir einen TGA-Planer, der sehr viel von Architektur versteht, da macht die Zusammenarbeit Spaß. Auch bei Behörden ist es nicht zu unterschätzen, Fachleuten aus Architektur, Landschaftsarchitektur oder Stadtplanung gegenüberzusitzen, die Entscheidungen treffen.

Lass uns noch mal zum Thema Berufseinstieg kommen. Vor Jahren hatte ich mich mit einem Partner eines namhaften deutschen Architekturbüros ausgetauscht, der meinte, dass er eine Veränderung bei Berufseinsteigern wahrgenommen habe: Früher wollten demnach ­Bewerber den Büronamen in ihrer Vita haben, bevor sie nach wenigen Jahren eine andere Herausforderung suchten. Heutzutage würden ­Bewerber wissen wollen, welche Sozialleistungen geboten werden und wie es mit der Work-Life-Balance aussieht. 

FD: Rückblickend habe ich während meines Studiums nicht an meine Work-Life-Balance gedacht, jetzt bin ich aber schlauer. Ich finde es gut, dass das Thema immer präsenter wird. Man muss das differenzierter betrachten. Es gibt einen Unterschied zwischen „Ich achte auf mich“ und „Ich brenne für etwas“. Ich darf nicht für etwas brennen und daran ausbrennen, das passiert leider häufig.

Irgendwann werden die älteren Partner bei Lengfeld & Wilisch nicht mehr da sein. Wie lässt sich so ein Transformationsprozess in einem Architekturbüro realisieren?

FD: Ein Transformationsprozess lässt sich mit viel Geduld und vielen Menschen, die das mittragen, umsetzen. Ein Büro ist ein Ökosystem. Bei Änderungen muss man die Leute mitnehmen. Man muss auf der einen Seite die Jungen mit vielen neuen Ideen mitnehmen, aber man darf auch nicht die Kolleginnen und Kollegen mit viel Erfahrung dabei vergessen. Man muss eine Brücke schlagen, das ist nicht immer einfach und funktioniert auch nicht von heute auf morgen. Als Büroführung haben wir die Aufgabe, die Rahmenbedingungen zu verbessern, damit alle einen guten Job machen können.

Ähnliche Erfahrungen habe ich in meiner Vergangenheit auch schon gemacht. Man muss immer schauen, wer hat welche Rolle. Meiner Meinung nach können nicht alle alle Rollen haben, das funktioniert nicht. Jeder sollte eine definierte Funktion haben, in der sich die Person wohlfühlt, dann kommst du auch zu guten Ergebnissen.

FD: Ja, und dabei ist es egal, wie alt die Person ist. Es ist wichtig, dass man Strukturen schafft, die es zulassen, dass Innovationen auch nach oben durchkommen. Das versuche ich. Ob es mir gelingt, weiß ich noch nicht.

Ein aktuelles Thema in Architekturbüros ist der Umgang mit KI. Wie siehst du das Thema, beziehungsweise ihr als Büro?

FD: Ich finde KI spannend, obwohl ich auch Respekt im Umgang mit ihr habe. Ich bin in meinem Instagram-Feed in eine Roboter-KI-Bubble geraten, wo ich immer mal wieder ein bisschen Angst bekomme, wenn ich sehe, was man alles machen kann. Erst einmal sehe ich KI aber als Arbeits­erleichterung. Die Frage ist, wie wir damit umgehen. Im Büro haben wir ­einen KI-Rechner, wo wir unsere eigene KI auf unsere Daten zugreifen lassen. Wir möchten Prozesse vereinfachen, da der wirtschaftliche Druck immens ist.

Gibt es zum Abschluss noch etwas zum Thema Berufseinstieg, das dir am Herzen liegt?

FD: Ich möchte viele motivieren, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Ich freue mich auf Veränderungen, die gerade in meiner Generation anstehen und darauf, dass mehr Jüngere in Führungspositionen kommen, vielleicht auch neu gründen. Der größte Tipp ist, keine Angst vor Verantwortung zu haben. Denn mit Verantwortung kann man gestalten und als Architekt will ich gestalten.

DBZ-Chefredakteur Michael Schuster sprach mit Fabian P. Dahinten am 12.12.2025 in Darmstadt.

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