Bendlerblock mit Neubauten von sauerbruch hutton

Wir dachten schon mal, wir bräuchten unser ­Militär, also die Bundeswehr, gar nicht mehr. ­Europa jedenfalls war wie in einem Dornröschenschlaf im Dauerfrieden. Die immer noch Freiwilligenarmee trägt das Erbe von Reichswehr und Wehrmacht, Misstrauen gegenüber der Institution und grundsätzliche Kritik an ihr waren ausgeprägter als anderswo. Es hat der „Truppe“ gutgetan, dass sie auch und bis heute in der ehemaligen deutschen Haupt- und Provinzstadt Bonn ansässig ist (seit 1993 auch in Berlin), im Süden der Rhein-Stadt auf der Hardthöhe (erste Bauten dort von der Planungsgruppe Groth Lehmann Walter). In Berlin, am Bendlerblock, besitzt die Bundeswehr einen Gedenkort, der an den sogenannten „deutschen Widerstand“ erinnert; er ist in einem der beiden südlichen Innenhöfe der ehemaligen Marineverwaltung untergebracht. Im Westen des Geländes fasst die luftig offene und zugleich sehr dichte Gedenkstätte für gefallene Soldaten (Meck Architekten) mit den Bestandshauptgebäuden den Paradeplatz, eine 3 500 m² große Betonfläche. Hier werden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens geehrt, Gelöbnisse und Eide auf Freiheit und Tapferkeit abgelegt. Mancher Zapfenstreich hatte hier eine Pfeifkonzertkulisse, manche Ehrung war fragwürdig (Afghanistan Einsatz).

Ein zentraler, bundesrepublikanischer, ideologisch aufgeladener Ort mit typischen Willhelm-Kreis-Architekturen. Der Bund, der in den Ministerien Platzmangel hat, lobte vor zwei Jahren ein „Verhandlungsverfahren zur Weiterentwicklung des Berliner Dienstsitzes des Bundesministeriums der Verteidigung“ aus, an dessen Ende sich im August 2026 sauerbruch hutton zusammen mit ST raum a. Landschaftsarchitekten durchsetzten und den Zuschlag erhielten. In der Pressemitteilung fokussiert das Büro auf einen „Ort von hoher historischer Bedeutung, an dem eine Gedenkstätte an die Widerstandsgruppe um Claus Graf von Stauffenberg erinnert.“ Zwei große Neubauvolumen schließen die historischen Raumkanten, „Mittelpunkt ist ein neu gestalteter Paradeplatz“ (sauerbruch hutton). Man wolle die „historische Kontinuität des Ortes“ wahren und vielleicht ist es das, was das Preisgericht als „mutig“ charakterisierte. Doch wie? Eher schwebt ein „sachlich im Charakter, mit einer zurückhaltend festlichen Note“ über allem, schon farblich sind die Neubauten mehr graue Ausgehuniform in konservativem Zuschnitt.

Die Kosten, die bei gut 400 Mio. € liegen sollen sind ein Klacks, schaut man auf den Wehretat im Bundeshaushalt 2027 mit gut 100 Mrd. €. Be. K.

www.bmvg.de, www.sauerbruchhutton.de

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