„Zukunft Bauen. Wie wollen wir wohnen und leben?“
Ausstellung im MIK Museum Industriekultur Osnabrück 27.04.2026Die Sonderausstellung „Zukunft Bauen“ im Museum Industriekultur Osnabrück (MIK) widmet sich noch bis zum 01. November 2026 der Frage, wie wir künftig wohnen und leben wollen.
Wohnen ist ein Grundbedürfnis. Gleichzeitig wird Wohnraum immer knapper und für viele Menschen zunehmend unbezahlbar. Hinzu kommen ökologische Herausforderungen wie ein hoher Rohstoffverbrauch, große Abfallmengen und erhebliche Emissionen beim Bauen. Wie können unter diesen Voraussetzungen zukunftsfähige Lebensräume entstehen? Wie kann klimaverträgliches Bauen gelingen, das zugleich sozial, ökonomisch und zukunftsorientiert ist? Die Ausstellung „Zukunft Bauen“ möchte Entwicklungen der Baugeschichte in Beziehung zu aktuellen Praktiken setzen, teil das Museum mit. Sie beleuchte zentrale Probleme und zeige zugleich neue Ansätze und Konzepte für das Bauen und Zusammenleben von morgen. Im Fokus stehen Modelle wie Urban Mining, zirkuläres Bauen, Bauen im Bestand und neue Wohnformen, die ökologische und soziale Aspekte vereinen. Für junge Besucherinnen und Besucher bietet die Ausstellung eine Mitmachbaustelle und interaktive Aktivstationen in einer Kinderspur.
Blick in die Sonderausstellung „Zukunft Bauen. Wie wollen wir wohnen und leben?“.
Foto: MIK
Inhaltlich gliedert sich die Ausstellung in drei Themenkomplexe. Das Kapitel „Wie bauen?“ präsentiert zukunftsfähige Ansätze für nachhaltiges und ressourcenschonendes Bauen. In der Ausstellungseinheit „Womit bauen?“ werden sowohl traditionelle als auch vielversprechende, innovative Baustoffe vorgestellt. Das Kapitel „Wo und für wen bauen?“ möchte die sozialen, geografischen und kulturellen Aspekte des Bauens ins Zentrum rücken.
Wie bauen?
In Deutschland ist Wohnraum knapp. Besonders in Ballungsräumen übersteigt die Nachfrage das Angebot. Die zentrale Frage laute daher nicht, ob gebaut werden soll, sondern wie. Angesichts wachsender ökologischer Belastungen müsse das Bauen nachhaltiger, ressourcenschonender und leistungsfähiger gestaltet werden. Eine zentrale Herausforderung bestehe darin, genügend Wohnraum zu schaffen, ohne dabei neue Flächen zu versiegeln. Das Kapitel „Wie bauen?” stellt laut MIK-Mitteilung zukunftsfähige Methoden vor. Energieeffiziente Konzepte wie Passivhäuser oder Solar- und Grünfassaden können die Betriebskosten senken und die CO₂-Emissionen reduzieren. Nachhaltige Strategien wie digitale Planungsprozesse, modulares und sortenreines Bauen, Nachverdichtung, Aufstockung bestehender Gebäude oder die Umnutzung von Bestandsgebäuden tragen dazu bei, neue Wohnungen zu schaffen und die Umweltbelastung zu reduzieren. Dies gelte insbesondere, wenn stadtplanerische Aspekte wie Infrastruktur und Grünflächen von Anfang an berücksichtigt werden.
Womit bauen?
In diesem Kapitel stehen Baustoffe im Mittelpunkt. Die Besucherinnen und Besucher erfahren, womit früher, heute und morgen gebaut wurde bzw. werden kann. Vor der Industrialisierung prägten lokal gewonnene, robuste und klimaregulierende Materialien wie Holz, Lehm, Stroh und Naturstein das Bauen. Dabei kamen jahrhundertealte Techniken zum Einsatz. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts setzten sich Ziegel, Stahl und vor allem Beton durch, da sie größere, offene Räume ermöglichten, schlankere Konstruktionen zuließen und schnelle sowie standardisierte Bauweisen erlaubten. Beton wurde im 20. und 21. Jahrhundert zum prägenden Baustoff. Inzwischen gilt er jedoch wegen der CO₂-intensiven Zementherstellung als klimaschädlich. Die Forschung setzt deshalb auf Recyclingbeton, innovative Bindemittel und CO₂-speichernde Zuschläge, um Bauvorhaben umweltfreundlicher zu gestalten. Gleichzeitig erlebt das Bauen mit traditionellen Materialien wie Holz, Lehm und Hanf eine Renaissance. Recycelter Beton wird zunehmend genutzt, während neue Baustoffe aus Papier oder Pilzmyzel noch erprobt werden.
Für wen und wo bauen?
Die Geschichte des Bauens ist eng mit der Bewältigung gesellschaftlicher Probleme verknüpft. Im Kapitel „Für wen und wo bauen“ rücken die sozialen, geografischen und kulturellen Aspekte des Bauens ins Zentrum. Bereits im Spätmittelalter wurde in den Städten geplant gebaut – vor allem für Arme und Kranke. Reiche Bürger, kirchliche Stiftungen und die jeweilige Obrigkeit errichteten Hospitäler und Armenhäuser. Mit der Entstehung der Industriegesellschaft Mitte des 19. Jahrhunderts strömten Arbeitskräfte in die Städte – und benötigten Wohnungen. Der Wohnraummangel machte das „Bauen nach Plan“ zur öffentlichen Aufgabe. In den vergangenen 150 Jahren sind unterschiedliche Konzepte für bezahlbares und lebenswertes Wohnen entstanden. Zentral dabei ist der Umgang mit dem Raum: Verdichtetes Wohnen in der Stadt bietet Vorteile wie eine umfangreiche Infrastruktur und die Nähe zu Arbeitsplätzen. Eine lockere Bebauung ermöglicht hingegen Ruhe und Naturnähe, stillt das Bedürfnis nach immer mehr Wohnfläche, erzeugt aber auch mehr Verkehr und erfordert erhöhte Mobilität. Video-Interviews mit Menschen in unterschiedlichen Wohnsituationen – vom selbstgebauten Bauwagen über das Einfamilienhaus bis zur Mietwohnung im Hochhaus – zeigen die Vielfalt heutiger Wohnformen.
Weitere Informationen
MIK - Museum Industriekultur Osnabrück
Fürstenauer Weg 171
49090 Osnabrück
