Stadt feiert Vorzeigeprojekt

Haus der Statistik in Berlin Mitte in Teilen bereits geöffnet

Die Pressemitteilung Berlins landeseigener Immobiliendienstleisterin BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH Ende 2025 liest sich wie die Meldung eines Erfolgs. Und zwar eines, den sich die BIM zuschreibt. Die Baumaßnahmen im ehemaligen „Haus der Statistik“, einem rund 50000m² Nutzfläche großen Verwaltungsbau aus DDR-Zeiten seien abgeschlossen, das Haus einzugsbereit.

Dabei war es auch die BIM, die Spekulationen über einen Abriss des jahrelang leerstehenden Gebäudekomplexes mitten in Berlin zumindest nicht aktiv entgegengetreten war. Doch die „Initiative Haus der Statistik“, eine Gruppe aus Künstlern, Architektinnen, Politikern und Kulturschaffenden, machte sich ab 2015 aus durchaus verschiedenen Gründen und mit unterschiedlichen Aktionen gemeinsam für den Erhalt der bereits in den Zustand „Bauruine“ übergehenden L-förmigen Bau an der Otto-Braun-Straße Ecke Karl-Marx-Allee stark.

4600 neue Fenster und 1500 neue Fassadenelemente: Fassadenansicht Otto-Braun-Straße, Eingang Finanzamt und BIM
Foto: Benedikt Kraft

4600 neue Fenster und 1500 neue Fassadenelemente: Fassadenansicht Otto-Braun-Straße, Eingang Finanzamt und BIM
Foto: Benedikt Kraft

Die zahlreichen Inititativen, die teils Hausbesetzung teils geduldete Zwischennutzung waren, zeigten Wirkung. So wurde der Anti-Abriss-Impuls durch die Bezirks­verordneten­versam­mlung Berlin-Mitte und später im Koalitions­vertrag der rot-rot-grünen Regierung Berlins in erste Überlegungen für eine Weiternutzung aufge­griffen und die Stadt kaufte die mächtige wie nur für Gourmets als attraktiv erkennbare Immobilie für gut 50 Mio. € vom Bund. Der Opposition war da aber immer noch der Abriss des Komplexes ein „städtebaulicher Qualitätssprung für den Alexanderplatz und seine Umgebung“, so 2017 Stefan Evers, damals noch stellvertretender Fraktionsvorsitzender CDU.

Blick südlich am Haus der Statistik entlang zum Haus des Lehrers (rechts, nicht mehr auf dem Bild, der Alexanderplatz)
Foto: Benedikt Kraft

Blick südlich am Haus der Statistik entlang zum Haus des Lehrers (rechts, nicht mehr auf dem Bild, der Alexanderplatz)
Foto: Benedikt Kraft

Es blieb beim Erhalt mit Umbau, der zudem längerfristig genutzt wird, das komplette Gelände zwischen Otto-Braun-Straße und Berolinastraße neu zu beplanen. Zur Schaffung des für diese Neubauten benötigten Planungsrechts lief bis Februar 2019 ein etwa halbjährliches städtebauliches Werkstatt­verfahren. Mit dem Ergebnis, dass das Haus der Statistik – nun im Eigentum der Stadt – städtischer Verwaltung Räume bietet (BIM und Finanzamt Mitte) sowie im Kopfbau A sogenannte „programmierte Flächen“ für Kunst, Kultur und Stadtgesellschaft. Am oberen Ende der Otto-Braun-Straße wird das „Rathaus der Zukunft“ für den Bezirk Mitte geplant sowie für eine vorhandene Pavillonstruktur „Pioniernutzungen“, eine „Gesellschaftsküche“ und anderes. Im rückwärtigen Baufeld werden drei Gebäuderiegel Kommunalen Wohnungsbau aufnehmen sowie anliegend drei „Experimentierhäuser“ für anderes Wohnen und allgemeine Begegnung. Dazu werden kleinere Abrisse fällig.

Was hier sehr improvisiert erscheint (Holzbretterpavillon für die "Werkstatt") enthält vielleicht den wesentlichen Kern des ganzen Projekts. Diese "Hütte" hat Denkmalschutz-Anspruch!
Foto: Benedikt Kraft

Was hier sehr improvisiert erscheint (Holzbretterpavillon für die "Werkstatt") enthält vielleicht den wesentlichen Kern des ganzen Projekts. Diese "Hütte" hat Denkmalschutz-Anspruch!
Foto: Benedikt Kraft

Die sukzessive Bebauung des als gemeinwohlorientiert markierten Projekts wird wohl erst Anfang der 2030er-Jahre abgeschlossen sein. Mit dem Bezug des Haus der Statistik und des auch öffentlich nutzbaren Kopfbaus zur Karl-Marx-Allee hat das Leben in das längst schon als verplant, verkauft, vermarktet erinnerte Gelände einen ersten Atemzug gemacht, dem Schritt für Schritt weitere folgen werden. Ein spannendes Projekt im Herzen einer Stadt, die sich nicht weit entfernt davon (Alexanderplatz) gerade marktüblich umkrempelt. C im Haus der Statistik als erster Nutzer nach der Sanierung eingezogen.

Ansicht Otto-Braun-Straße: entkernt (Juli 2021)
Foto: Benedikt Kraft

Ansicht Otto-Braun-Straße: entkernt (Juli 2021)
Foto: Benedikt Kraft

Nachhaltigkeit im Fokus

Laut BIM wurden durch gezielte Bestandssanierungen und intelligente Modernisierungsmaßnahmen moderne Nutzungsmöglichkeiten realisiert und zugleich eine klimafreundliche Energieversorgung geschaffen. Die energieeffiziente Wärme- und Kälteversorgung, so die BIM weiter, basiert auf der Nutzung der Wärme aus dem Abwasser und spart allein für das Bestandsgebäude rund 446 t CO2/Jahr ein. Die klimafreundliche Energieversorgung und das innovative Regenwassermanagement sorgen dafür, dass das Gebäude eine nachhaltige Immobilie im Berliner Stadtbild ist und das Landeskonzept Schwammstadt unterstützt wird. Die Dachflächen wurden als Gründach mit PV-Anlagen hergestellt. Neben den Technikflächen auf den Dächern entstehen auch Dachterrassen zur Nutzung.

„Die bauliche Modernisierung des Hauses der Statistik ist für das Land Berlin ein Leuchtturmprojekt der Nachhaltigkeit. Wir haben aus einem historischen Gebäude der Nachkriegsmoderne des DDR-Städtebaus einen Zukunftsort geschaffen, der dank seiner vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten auch nachkommenden Generationen ermöglicht, Geschichte zu schreiben“, erklärt BIM-Geschäftsführer Dr. Matthias Hardinghaus.

Im Haus der Statistik ist das Gebäudeteil D für die BIM eingeplant. Bei einer Desk-Sharing-Quote von 1,5 Prozent stehen den Mitarbeitenden insgesamt 644 Arbeitsplätze zur Verfügung. Davon entfallen 400 Plätze (62 %) auf offene 8er-Büros, 96 Plätze (15 %) auf 12er-Büros und 123 Plätze auf Einzel- bzw. Zwei-Personen-Büros. Zudem ziehen 2.267 Möbelstücke gemeinsam mit den BIM-Mitarbeitenden ins Haus der Statistik, darunter auch Lieblinge wie eine alte Holzbank aus einem Gerichtsgebäude. Über 1.720 Möbelstücke werden weitergegeben und teilweise gespendet.

Dass die BIM mit keinem Wort auf den Wert des Erhalts eines durchaus umstrittenen Ost-Baus ansich eingeht, sondern die Nachhaltigkeit über Standardwerte und Standard-Eingriffe feiert, möchte zumindest an der Qualität der PR zweifeln lassen!