NEXT Expertenforum

Mitdenkende Fassaden

NEXT Expertenforum by Wicona + Partners beleuchtet die Potentiale adaptiver Gebäudehüllen

Welche Möglichkeiten bieten adaptive Fassaden bei der Planung von zukunftsgerechten, nachhaltigen, komfortablen und ästhetisch anspruchsvollen Gebäuden? Um diese zentrale Frage drehte sich das erste virtuelle NEXT Expertenforum am 22. September 2020. Zu Gast im NEXT Studio by Wicona + Partners in Frankfurt waren renommierte Referenten aus Architektur, Fassadenplanung und Forschung.

Zum Start des von Prof. Dr.-Ing. Ulrich Knaack (TU Darmstadt/TU Delft)  moderierten Livestreams referierte Dipl.-Ing. Lars Anders (Geschäftsführer Priedemann Fassadenberatung) in seiner Keynote zum Thema „Competitive Agility: Wie sichern wir unseren Erfolg?“ Dabei schilderte der Fassadenexperte zunächst die grundsätzlichen Anforderungen an adaptive Fassaden – nämlich die Anpassung des Verhaltens an Umgebungsveränderungen wie Temperatur oder auch Sonneneinstrahlung.

Zudem gehe es darum, Energiekosten zu senken und den Nutzerkomfort zum Beispiel in puncto Raumklima und Akustik zu erhöhen. Dazu stellte Lars Anders spannende Projekte vor – beispielsweise den beweglichen Sonnenschutz am ThyssenKrupp Headquarter in Duisburg. Wichtig sei es darüber hinaus aber auch, Adaptivität nicht nur auf die Fassade selbst zu beziehen, sondern diese auch mit „beweglichen“ und zukunftsfähigen Geschäftsmodellen mit echten Mehrwerten für den Kunden zu verbinden. Dazu stellte der Experte aktuelle und in Zusammenarbeit mit Industriepartnern entwickelte adaptive Konzepte vor – zum Beispiel Gewebe, die ihre Form wandeln und ihre Dichte anpassen, um den G-Wert zu verändern und somit die Hitzeeinwirkung zu steuern. Auch das von Wicona verfolgte Geschäftsmodell im Hinblick auf die Closed Cavity Fassade WICTEC Modul Air gehe genau in die richtige Richtung, so Lars Anders. „Hier geht der System-geber bei Haftung und Service weit über das bekannte Maß hinaus und bleibt so ein kontinuierlicher Begleiter des Bauvorhabens. Das ist smart.“

Fließende Glasfassaden

Prof. Dr.-Ing. Daniel Pfanner (Partner/Geschäftsleitung Bollinger+Grohmann) stellte in seinem Vortrag die Möglichkeiten des „Fluid Flow Glazings“ vor. Die innovative Glasfassade wird seit einiger Zeit im Rahmen des internationalen Forschungsprojekts InDeWag mit mehreren Partnern entwickelt und umfassend getestet. Die Idee dahinter: Der Scheibenzwischenraum einer Isolierverglasung wird quasi unsichtbar von Wasser durchströmt. Daniel Pfanner: „Wir wollen mit dem Konzept einen maximalen Tageslichteintrag ins Gebäude und eine optimale Durchsicht erreichen, denn es ist kein konventioneller Sonnenschutz erforderlich. Darüber hinaus vermindern wir die Heiz- und Kühllasten im Gebäudeinneren so, dass wir nahezu ein Nullenergiehaus-Niveau erreichen.“

Bei einem spanischen Partner der Kooperation ist bereits  seit vielen Jahren ein Prototyp im Einsatz und das System wurde seitdem immer weiter optimiert. Vor einiger Zeit wurde zudem ein Pavillon mit einer „Fluid Flow Glazing“-Fassade an der Universität Sofia errichtet. Hier finden intensive Monitorings und Simulationen statt – mit dem Ziel, das intelligente adaptive System zur Marktreife zu bringen. 

Adaptiert und gelernt aus der Natur

Im anschließenden Vortrag „Beyond Smart By Nature“ beleuchtete Rudi Scheuermann (Director und Global Leader Building Envelope Design Arup) anhand spannender Bauvorhaben, wie die Natur als wertvolle Inspirationsquelle für die Gestaltung und den Bau von adaptiven Gebäudehüllen dienen kann. Beim für die Olympischen Spiele in Beijing erbauten Aquatic Centre zum Beispiel diente Schaum als Vorlage für die tragenden Bestandteile der Gebäudehülle. Dieser wurde nachgebildet und mit Luftkissen bekleidet – eine einzigartige Optik.

Beim Futurium in Berlin wiederum kam die Inspiration über das Bild der Wolken am Himmel. Diesem folgend, wurde die Fassade mit vielen unterschiedlichen Durchsichten und Verschattungsgraden geplant. Zudem warb Rudi Scheuermann für den sinnvollen Einsatz der natürlichen Lüftung in Fassadenkonzepten. „Die freie Kühlung ist das Beste, was wir in unseren Breiten nutzen können.“ Nicht zuletzt unterstrich der international erfahrene Fassadenexperte die Wichtigkeit der begrünten Gebäudehülle. Diese habe einen enormen Einfluss auf das Mikroklima in Städten und könne Lärm reduzieren, Temperaturen senken und Luftverschmutzung vermindern. Gleichzeitig sinke auch der Energieverbrauch der Gebäude selbst, denn je kühler die Luft im Außenbereich, desto weniger Klimatisierung ist notwendig.

So lautete das Fazit von Rudi Scheuermann: „Die Natur ist unser bester Ratgeber, und von ihr lernen wir gern.“

Schaltbare Verglasungen

Zum Abschluss sprach Martin Zitto (Senior Business Development Manager Merck) über „Dynamisches Glas als Kern der adaptiven Fassade“. Dabei stellte er das Prinzip der Flüssigkristall-Technologie vor. Das dynamische Glas biete viel Gestaltungsfreiheit, ermögliche einen effektiven Sonnen- und Blendschutz mit sekundenschnellen Schalt-zeiten und sorge für ein jederzeit auf die Umgebungsbedingungen abgestimmtes  angenehmes Raumklima. Wie sich dies konkret in der Praxis zeigt, wurde anhand aktueller Referenzobjekte wie dem FC Campus (Karlsruhe) erläutert. Besonderheit hier: Die Fassadengläser verfügen nicht nur über verschiedene komplexe Formen, sondern wurden auch farblich individuell konfiguriert.

Komplettes NEXT Expertenforum auf YouTube

Den Abschluss des Livestreams bildete eine Diskussionsrunde mit den Referenten und Moderator Prof. Dr.-Ing. Ulrich Knaack. Eine Aufzeichnung des kompletten Events ist unter dem Link https://www.youtube.com/watch?v=ColnUZgzXVY&feature=youtu.be bzw. über den Kanal des NEXT Studio by WICONA & Partners auf YouTube abrufbar.

Im 2. Halbjahr 2020 sind im NEXT Studio spannende Fachveranstaltungen geplant. Aktuelle Informationen dazu gibt es regelmäßig auf www.next-studio.de

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