Kärcher-Areal, Winnenden

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Reichel Schlaier Architekten erweitern Kärcher-Areal in der Nähe Stuttgarts

Typologie sichtbar machen: Das war der Anspruch der Architekten Reichel und Schlaier als sie die Neubauten für die Erweiterung des Unternehmens Kärcher entwarfen. Das mittelständische Unternehmen in Familienbesitz wächst stetig, weshalb eine Expansion unausweichlich wurde. Ein ehemaliges Areal einer Ziegelei, unweit des jetzigen Firmenstandorts, bot mit knapp 130 000 m² die Größe für das umfangreiche Raumprogramm, das auf diesem Gelände geplant war. Es sollten Büros, ein Auditorium und ein Besucher- und Kundenzentrum entstehen.

Den internationalen Wettbewerb entschieden Reichel Schlaier Architekten aus Stuttgart für sich, indem sie die geforderten Nutzungen auf drei solitäre Gebäude aufteilten und um einen Platz gruppierten. Den Gedanken eines „Forums“ leiteten sie aus der homogenen Umgebung ab, in der das ehemalige Ziegelei-Areal liegt. Dort sind keine Bauten höher als zwei, maximal drei Geschosse. Bahngleise zerschneiden das neue und alte Areal des Unternehmens. Eine Fußgängerbrücke verbindet beide nun miteinander. Drei Neubauten haben die Architekten geplant, dem Leitbild folgend, die Typologie des Gebäudes soll außen sichtbar werden. Oder anders formuliert „form follows content“.

Für das Bürogebäude sehen die Architekten demnach ein transparentes Gebäude vor. Ein Innenhof sorgt für ausreichend natürliches Licht in den Büroräumen. Auf vier Etagen bringen die Architekten durch die gleichwertigen Flächen zur äußeren Fassade und zum Innenhof 700 Arbeitsplätze unter. Dabei sollen die Abteilungen flexibel wachsen und schrumpfen können. Um auf zukünftige Änderungen reagieren zu können, gibt es auf jeder Etage Einzel-, Großraumbüros und Bürolandschaften, die konzentrierte Arbeit und kommunikativen Austausch fördern. Die Firmenfarbe Gelb ist wichtiger Bestandteil des Innenraumkonzepts. Die Treppenläufe, Wände und Deckensegel setzen Farbakzente. Im zweiten Obergeschoss befindet sich die Verbindung zum „alten“ Areal, die Fußgängerbrücke. Als Fachwerkträger ausgebildet, überspannt sie diagonal den Innenhof des Bürogebäudes.

Dieselbe Transparenz hat das Auditorium, das sich gegenüber dem Bürogebäude befindet. Mit einem geschwungenen, weit auskragenden Dach orientiert sich der Eingang zum Platz hin. Das Auditorium bietet Platz für 800 Personen und ist mit dem Besucher- und Kundenzentrum verbunden.

Die 800 m² große und 8 m hohe Ausstellungshalle ist das Herzstück des Besucher- und Kundenzentrums. Zudem fasst der Neubau Seminarräume, einen Shop und ein Café. Das introvertierte Gebäude kommt mit wenigen Öffnungen an der Nordostseite aus. Ein Oberlicht in der Ausstellungshalle sorgt für genügend Licht und wenig Ablenkung. Das Gebäude hebt sich von den anderen Neubauten ab durch die Wahl des Fassadenmaterials. Als Reminiszenz an die ehemalige Ziegelei, ist die reliefartige Hülle aus Sichtmauerwerk. Das Material korrespondiert mit dem aus dem Jahr 1897 stammenden Hochkamin. Dieser ist erhalten worden, eingebettet in das Ensemble. Es ist vielleicht der Versuch einer Versöhnung mit der Stadt Winnenden. Immerhin war die Ziegelei gemeinsam mit den Hochkaminen Jahrzehnte ein gewohnter Anblick und die Vergangenheit des Areals nicht verschweigen. Form follows content auch im Umgang mit der Vergangenheit. S.C.

Weiter Informationen: Reichel Schlaier Architekten

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