Vertikale Stadt

MVRDV, Rotterdam, bauen in Indien eine ganze Stadt in die Höhe

Die vertikale Stadt, ein Thema ohne Ende. Und womöglich eines ohne exakt auszumachendem Anfang. Aktuell wird eine solche Stadt in Indien gebaut, jedenfalls melden City Corporation Ltd, eine im Subkontinent führende Entwicklungsgesellschaft, und das niederländische Architekturbüro MVRDV, Rotterdam, den Startschuss zu einem solchen Projekt in Pune, Indien. Pune liegt ca. 120 km Luftline südöstlich von Mumbai.

Insgesamt werden hier 400000 m² Wohnfläche mit 3500 Wohnungen realisiert, begonnen wird mit knapp einem Drittel, also dem ersten Bauabschnitt. Das Projekt mit dem schönen Namen „Amanora Apartment City - Future Towers“ wird in diesem ersten Schritt 1068 Wohnungen fertig stellen, im Sommer 2014 soll es übergeben werden. Und wie bei MVRDV vielfach geübt, wird auch in diesem Mega-Wohnkomplex die Verflechtung – räumlich, organisatorisch – von Wohneinheiten und Erschließung das zentrale Thema sein.

Mit diesem Projekt reagieren Investor und Architekten auf die chronische Wohnungsnot in Indien. MVRDV möchte hier die Qualität zurückbringen, die dem Massenwohnungsbau nicht nur in Indien verloren gegangen ist: höchst mögliche Dichte bei großem Komfort, öffentliche Einrichtungen wie Parks sowie eine gute Durchmischung sozialer Schichten. Um lezteres zu erreichen  variieren die Größen der Appartements im 1. BA zwischen 42 m² bis zu 530 m². Die Wahl der Wohnungsgröße von der eines Studios bis hin zur Villenkategorie leiten MVRDVaus Untersuchungen ab, die auf diesem Gebiet in Indien für zeitgenössisches Wohnen gemacht wurden. Die meisten Wohnungen sind mit Balkonen ausgestattet, natürlich belüftet und jedes Schlafzimmerhat ein eigenes Bad. Die Hügelsilhouette mit ihren Gipfeln, Tälern, Buchten, Grotten und Höhlen bietet den Nutzern Orientierungspunkte in ihrer Wohngegend und dem meisten grandiose Ausblicke. Die öffentlichen Flächen bieten genügend Raum für Begegnungen und öffentliche Veranstaltungen.

Das etwa 1,6 km² große Gelände liegt 10 Kilometer östlich von Pune in dem Entwicklungsgebiet „Amanora Park Town“ wird mit hoher Dichte überbaut, immerhin sollen noch ein paar große Parkflächen hinzukommen. Der Komplex der ersten Phase steht auf einem Sockel, der Garage und verschiedene öffentliche Einrichtungen aufnimmt: eine Schule, ein Schwimmbad, Shopping, Bars, Cafés und ein – in Indien unerlässlich – Kino. Am höchsten Punkt wird eine Sky-Lounge eingerichtet. Die Grundrissfigur des Gebäudes folgt einem Hexagon, das ermöglicht weite Blicke ins Umland und eine größere Tageslichtausbeute. Zudem ermöglicht diese Grundrissfigur, dass die neun Flügel mit innenliegenden Fluren optimal von nur vier Zugängen erschlossen werden können. Die untereinander verbundenen Höfe bieten den Bewohnern Entspannung und die Möglichkeit der Begegnung. Es wird einen Kräutergarten geben, eine „Event plaza“, einen Blumengarten, einen Spielplatz und einen Skulpturengarten. Zwischen den drei Bauabschnitten sind ebenfalls Gärten geplant.

Die Fassade der Bauten ist eine aus Beton, die großen Fensterflächen werden mit ornamentisierten Metallgittern verschattet, was dazu dient, die natürliche Klimatisierung des großen Volumens zu unterstützen. Alle öffentlichen Verkehrsräume werden mit Naturstein belegt, die Balkone sind mit Holz verkleidet.

„Future Towers“ wurde von MVRDV im November 2009 über einen Wettbewerb gewonnen und war das erste Projekt der Rotterdamer in Indien. Zur Zeit arbeiten die Niederländer an weiteren Projekten in Mumbai und Bangalore.

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