Platz der Alten Synagoge in Freiburg

Platz der Alten Synagoge in Freiburg i. Br. ist fertig

Faktorgruen und Volker Rosenstiel übergeben einen Platz, der möglicherweise etwas groß geraten ist

Manche sagen, es hätte alles mit dem Abriss der alten Universitätsbibliothek begonnen. Und natürlich mit dem folgenden Neubau nach einem Entwurf von DEGELO ARCHITEKTEN mit Itten+Brechbühl, dem „Diamanten“, dem „Ufo“ und welche Namen noch der Neubau aushalten muss bis heute. Die Glasskulptur, die mit ihrer neuen Haut das Skelett des Vorgängerbaus straff überzieht, stand für manchen für diesen Drang zum Alles-muss-schöner- (und teurer) werden. Weshalb dann auch die Planungen zum Umbau des Platzes der Alten Synagoge mit Zurückhaltung und teils auch mit Protest beobachtet, begleitet wurden.

Dabei stammt die Idee, den fast 4000 m² großen Platz zu einem Ort zu machen, nicht erst aus der Zeit des Wettbewerbs für den Bibliotheksbau 2006, sie reicht bis in die 1980er-Jahre zurück. Da gab es bereits erste Überlegungen einer autofreien Umgestaltung des Rings. 1996 gab es dann einen ersten Schritt in diese Richtung, der Verkehr wurde auf zwei Spuren verringert, ein paar Jahre später kommt eine Busspur hinzu. Die Umgestaltung des den Platz erschließenden Rotteckrings mit einer Stadtbahn war dann der Schritt zur Sperrung des Rotteckring für den Autoverkehr. 2012, parallel zum Bau der Unibibliothek wurden erste Erdarbeiten vorgenommen, Anfang August, nach etwa 16 Monaten Bauzeit, ist der Platz der Alten Synagoge eröffnet worden. Kosten bis heute: 9,3 Mio. €.

Er sei „die neue urbane Mitte Freiburgs“, so OB Dieter Salomon (Grüne), manche sehen das anders und hätte lieber wieder die Wiese anstelle des „großstädtisch Urbanen“, das nach einem Entwurf des Denzlinger Architekturbüros Faktorgruen und des Architekten Volker Rosenstiel realisiert wurde. Deren erster Entwurf aus dem Jahr 2006 war allerdings wesentlich radikaler, man möchte schreiben, aufgeräumter. Und tatsächlich umfassender. Doch schon zwei Jahre nach dem Wettbewerb fordert der Freiburger Gemeinderat, dem das alles zu kahl, zu kalt war, mehr Rasen, mehr Bäume, mehr Sitzgelegenheiten. Nachdem der Gemeinderat weitere Änderungen gefordert hat, meldete sich im Jahre 2014 die Architektenkammer zu Wort: Der Entwurf habe nun mit dem Original kaum noch etwas gemein.

Kurz vor Fertigstellung der Arbeiten dann noch einmal zwei Aufreger: So bewerte sich der Industrieverband Steine und Erden in Baden-Württemberg (ISTE), dass die Stadt Basalt-Steine aus dem fernen Vietnam eingekauft habe verstoße nicht nur gegen grüne Grundsätze, nämlich regionale Produkte bevorzugt zu verwenden. Der Steineinkauf benachteilige auch die regionale Wirtschaft, die hier durchaus bereitgestanden habe. Aus dem Rathaus gab es die lapidare Rückmeldung, die regionalen Steine hätten den Anforderungen nicht entsprochen. Welche Anforderungen das gewesen sind, wurde nicht kommuniziert.

Und dann der Alptraum jeder Tiefbauarbeit: Bagger stoßen auf Fundamentreste der dem Platz den Namen gebenden, von den Nazis zerstörten Synagoge. Der Forderung der israelitischen Gemeinde, die Bodenfunde in den neuen Platz zu integrieren, lehnte die Freiburger Stadtverwaltung rundheraus ab.

Die kommenden Sommertage, vielleicht auch erst das kommende Jahr wird zeigen, ob nicht tatsächlich das Großstädtische für das eher kleine Freiburg zu groß geraten ist. Die StudentInnen der am Platz anliegenden universitären Bauten jedenfalls genießen die Ruhe vor dem Autoverkehr und ganz sicher die jetzt übers ganze Jahr hin glatte Oberfläche. Radelnd, versteht sich! Be. K.


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