DBZ unterzeichnet Bauhaus-Manifest 2026
21.08.2026 |Gut zwei Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt haben Vertreterinnen und Vertreter aus Kultur, Design, Handwerk, Architektur sowie der Kirchen als Erstunterzeichner mit dem "Bauhaus Manifest 2026" ein Zeichen für Freiheit, Offenheit und Kreativität gesetzt. Die Initiative dazu ging von Staatsminister Weimer aus. Auch die Redaktion der DBZ hat unterzeichnet.
In dem von der DBZ-Redaktion unterstützten "Bauhaus Manifest 2026" heißt es u.a.: „Heute (…) wollen wir das Bauhaus gegen populistische Angriffe verteidigen. Den gesellschaftspolitischen Impetus der Bauhaus-Vordenkerinnen und Vordenker brauchen wir gerade in Zeiten, in denen die politischen Ränder erstarken und Rückschritt statt Fortschritt propagieren. Wir brauchen sie auch angesichts der großen Reformen, die notwendig sind, um unser Land zum Positiven zu verändern. Hier steht das Bauhaus exemplarisch für das Vertrauen in die gesellschaftliche Strahlkraft kultureller Innovationen: als Paradigma eines demokratisch grundierten, humanistisch orientierten Gestaltungskonzepts.“
Das Bauhaus bewegt ... auch heute noch. Wenn das kein Qualitätsmerkmal ist!
Foto: Benedikt Kraft/DBZ
Das Manifest nennt keine Partei beim Namen, wer jedoch das Feuilleton der vergangenen Wochen verfolgt hat, dem dürfte nicht entgangen sein, worauf sich diese Worte beziehen. So heißt es im Regierungsprogramm der AfD Sachsen-Anhalt zur Landtagswahl 2026 unter dem Kapitel „Kultur und Integration“:
„1. Deutsch denken! Die Landesregierung betreibt unter dem Titel „moderndenken“ eine Imagekampagne, die versucht, aus dem Bauhaus die Identität des Landes Sachsen-Anhalt abzuleiten. Dabei war gerade die Bauhaus-Architekturschule immer bestrebt, jedes Anzeichen von nationaler Verwurzelung zu vermeiden. Die moderndenken-Kampagne treibt so die Politik der Identitätslosigkeit auf die Spitze. Die AfD Sachsen-Anhalt setzt dem eine deutschdenken-Kampagne entgegen, die darauf hinweist, dass Sachsen-Anhalt Wesentliches zur Entwicklung der deutschen Nation beigetragen hat. Von Heinrich I. und Otto I. über Luther bis hin zu Bismarck und Nietzsche: Aus Sachsen-Anhalt kommen Figuren, die Deutschland entscheidend geprägt haben. (…) Dass eine Landesregierung angesichts dieser Überfülle an großer deutscher Geschichte zu keinem anderen Stoff als einer umstrittenen Architekturschule greift, ist selbst schon ein deutliches Zeichen der Identitätsstörung, die wir kritisieren und die wir heilen werden. (…).“
Im Übrigen sind das nicht die einzigen Gedanken der AfD zum Thema Architektur und Bauen im Regierungsprogramm für Sachsen-Anhalt. Unter dem Punkt „6. Schöner bauen!“ heißt es weiter:
„Öffentliche Gebäude, die nach 1990 in Sachsen-Anhalt errichtet wurden, sind oft von einer außerordentlichen Hässlichkeit. Für sehr viel Geld werden nichtssagende Klötze oder andere kalt wirkende, traditionslose geometrische Formen in die Welt gesetzt. Zu nennen wäre etwa die sogenannte „Sinuskurve“ in Magdeburg, August-Bebel-Damm, oder das Gebäude der Nord-LB in Magdeburg am Domplatz. Wir werden dem ein Ende bereiten, indem wir der Bauordnung des Landes Sachsen-Anhalt (BauO LSA) eine Richtlinie einfügen, die vorschreibt, dass jedes Bauobjekt, bei dem das Land oder eine Kommune Träger ist und das einem öffentlichen Zweck dient, eine anerkannte Bautradition aufzugreifen hat. Traditionslose Konstruktionen sind zu vermeiden, regionale Materialien von hoher Langlebigkeit zu bevorzugen. Wir orientieren uns damit an einer von Donald Trump während seiner ersten Amtszeit erlassenen Exekutivorder. Öffentliche Gebäude müssen von der Mehrheit der Bevölkerung als schön empfunden werden und müssen historische Identität widerspiegeln.“
Ob sich je eine Mehrheit der Bevölkerung darauf einigen können wird, was sie als „schön“ empfindet, ist mehr als fraglich. Aber das nur am Rande.
Bereits im März 2025 heißt es in einem DBZ-Artikel zur Kritik der AfD am Bauhaus: "Haltung, Freundlichkeit, Weltoffenheit, Zukunftszugewandtsein, offener Diskurs … Wehren wir den Anfängen, feiern wir das Bauhaus!" Dem ist auch 2026 nichts hinzufügen.
Sie möchten unterzeichnen? Das Bauhaus-Manifest 2026 finden Sie auf der Website der Akademie der Künste.
