Die 23 besten Bauten in/aus Deutschland

DAM-Preis 2026 geht an Peter Grundmann Architekten

ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik in Berlin ausgezeichnet

Jetzt steht fest: Der DAM-PREIS 2026 geht an Peter Grundmann Architekten für das ZK/ U Zentrum für Kunst und Urbanistik in Berlin. Im Rahmen der Preisverleihung am 30. Januar 2026 im Deutschen Architekturmuseum (DAM) nahmen Architekt Peter Grundmann und sein Team sowie Matthias Einhoff und Philip Horst als Bauherrenvertreter den Preis entgegen, teilt das DAM mit.

Die Jury habe sich besonders beeindruckt gezeigt von der Herangehensweise, die ehemalige Lagerhalle eines Güterbahnhofs in einen einladenden Treffpunkt zu verwandeln: Das Team von Peter Grundmann Architekten habe hier in enger Kooperation mit dem gemeinnützigen Verein KUNSTrePUBLIK e. V. in viel eigener Handarbeit sowie bescheidenem (und eingehaltenem!) Budget die vormals eingeschossige Halle mit einer leichten Stahl-Glas-Konstruktion umhüllt und um ein Geschoss erweitert. Die Räume auf allen Ebenen einschließlich Gewölbekeller und Dachterrasse seien nun flexibel nutzbar. Architektonische Standards würden hier neu definiert oder gleich über Bord geworfen, heißt es in der Beurteilung der Jury. „Auf den ersten Blick wirkt es so, als wäre hier jenseits aller Regeln gebaut worden. Doch sobald man die Räume durchläuft, merkt man: Alles folgt einem klaren Plan, und genau das überzeugt“, meint Jurymitglied Sven Fröhlich.

Peter Grundmann Architekten wurden jetzt für ihr Projekt ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik in Berlin ausgezeichnet.
Foto: Yizhi Wang

Peter Grundmann Architekten wurden jetzt für ihr Projekt ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik in Berlin ausgezeichnet.
Foto: Yizhi Wang

Das ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik sei ein ungewöhnlicher Bau, der Gestaltungswillen und Können, Haltung und Gestaltung vereine, so Peter Cachola Schmal, Direktor des DAM und ebenfalls Preisrichter. Vorausgegangen war 2012 die Gründung des Vereins KUNSTrePUBLIK, der in einem leerstehenden Güterbahnhof in Berlin-Moabit ein breites Programm von Public Viewing über Reparaturworkshops und Nachbarschaftsmärkte bis zu Ausstellungen, Performances und Künstler-Residences etabliert habe. Eine Erweiterung musste her. Nach der Bewilligung von sechs Millionen Euro Fördermitteln ging aus einem europaweiten Vergabeverfahren das Berliner Büro Peter Grundmann Architekten 2019 erfolgreich hervor.

Der Bau sei sorgsam gefügt. Lasten werden sichtbar und ablesbar auf neuen Stützen abgetragen, erläutert Cachola Schmal. Alte Wände, die nicht mehr belastet werden, durften stehenbleiben. Der Bestand insgesamt blieb unverändert. Die komplexesten Anschlüsse der Fassaden habe Peter Grundmann selbst gebaut. Auch um Kosten zu sparen – die lediglich bei gut 2.000 Euro pro m2 lägen.

Mutig, wie hier Standards locker über Bord geworfen werden,...
Foto: Yizhi Wang

Mutig, wie hier Standards locker über Bord geworfen werden,...
Foto: Yizhi Wang

Die alte Lagerhalle im Erdgeschoss wurde als Hülle stehen gelassen und definiert den Veranstaltungsraum. Darunter befindet sich ein atmosphärischer Gewölbekeller mit Ausstellungsfläche und Bar. Der Bestand wird von einer ephemeren zweiten Raumschicht aus Glas und sehr wenig Stahl umfasst, so Peter Cachola Schmal. Diese Hülle diene als Wärmeschutz und erreiche die energetischen Vorgaben auch ohne Dämmung. Auf der Eingangsseite bildet sie Foyer und Windfang. Auf der Gartenseite ist sie 6 m tief und nimmt einen Raum mit Bar auf. Das neue zweite Geschoss liegt auf einer vorgespannten Decke. Durch die zurückgesetzten Fassaden wird der Sonnenschutz hergestellt. Es entstand zudem ein breiter Laubengang, der alle Räume erschließt und dadurch eine große Nutzungsflexibilität auch im Inneren ermöglicht. Umlaufende Stahltreppen führen nach oben und verbinden beide Ebenen mit der großen Dachterrasse. Eingebettet ist das ZK/ U in einen öffentlichen Park.

... zwischen Umnutzung, Weiterbauen und Kritik am Status Quo der deutschen Bauverordnungen sei das jetzt ausgezeichnete Zentrum für Kunst und Urbanistik das Ergebnis eines trotz allem angenehm subtilen performativen Ungehorsams, heißt es in der Jury zum diesjährigen Preisträger.
Foto: Yizhi Wang

... zwischen Umnutzung, Weiterbauen und Kritik am Status Quo der deutschen Bauverordnungen sei das jetzt ausgezeichnete Zentrum für Kunst und Urbanistik das Ergebnis eines trotz allem angenehm subtilen performativen Ungehorsams, heißt es in der Jury zum diesjährigen Preisträger.
Foto: Yizhi Wang

Das Gebäude überzeuge architektonisch-räumlich ebenso wie konstruktiv-ästhetisch. Es demonstriere, dass ehrliche, haptische Konstruktion und ökonomische Planung nicht im Widerspruch zueinander stehen können – sondern sich vielmehr ergänzen, um großartige Architektur neu zu definieren.

Der filigrane und selbstbewusste Einsatz von Stahl und Glas und die entstehenden Räume nehmen den Bestand ernst, respektieren und vervollständigen ihn, so die Jury.
Foto: Yizhi Wang

Der filigrane und selbstbewusste Einsatz von Stahl und Glas und die entstehenden Räume nehmen den Bestand ernst, respektieren und vervollständigen ihn, so die Jury.
Foto: Yizhi Wang

Longlist

Für die Longlist des DAM-Preis nominiert wurden rund 100 Bauwerke aus Deutschland und – auf einer separaten Liste – acht Projekte deutscher Architekten in anderen Ländern. Die Auswahl ist das Ergebnis einer umfangreichen Recherche, an der ein Beirat aus Experten beteiligt war. Außerdem wurden Projekte von den Architektenkammern der Länder Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Thüringen vorgeschlagen.

Grundsätzlich bestand für die Nominierung der Bauten keine Einschränkung auf eine bestimmte Bautypologie, Mindestgröße oder Bausumme. Die nominierten Bauwerke für den DAM-Preis 2026 sollten zwischen Ende 2023 und Frühjahr 2025 fertiggestellt worden sein.

Neu seit 2017 ist, dass alle Bauten dieser Nominierungsliste, geographisch sortiert, jährlich im Architekturführer Deutschland vorgestellt werden. Die Ausgabe 2026, von DOM publishers verlegt, ist bereits im Handel. Gleichzeitig ist die Longlist auch im Internet unter dam-preis.de einsehbar. Über die Jahre entsteht so zusätzlich ein digitales Archiv bemerkenswerter Gebäude in Deutschland.

Shortlist

Eine Expertenjury unter dem Vorsitz der Leipziger Architektin Aline Hielscher bestimmte aus dem Feld der Longlist 21 Projekte für die engere Wahl der Shortlist zum DAM-Preis 2026. Eine Auswahl von zwei Bauten deutscher Architekten im Ausland und die Sanierung und Erweiterung der Gründervilla JUNG kommen außer Konkurrenz hinzu.

Eine Konstante auch im Jahrgang 2026 bildet der hohe Anteil an Wohnungsbauten, häufig mit der Weiterentwicklung konventioneller Grundrisse für sich ändernde Lebensentwürfe. Bei den Kulturbauten setzt sich ein Trend fort: Es geht nicht mehr vorrangig darum, spektakuläre Solitäre in den (Stadt-) Raum zu stellen, sondern „Dritte Orte“ mit einem erweiterten Angebot zu schaffen. Außerdem bestätigt sich der Stellenwert zweier wichtiger Themen: Die Anzahl der Holz- und Holzhybridbauten nimmt ebenso zu wie die Bedeutung des Weiterbauens in Kombination mit Sanierungen und Umbauten.

Seit 2007 werden mit dem DAM-Preis jährlich herausragende Bauten in Deutschland ausgezeichnet. 2026 wird der Preis vom Deutschen Architekturmuseum (DAM) bereits zum zehnten Mal in enger Zusammenarbeit mit dem Unternehmen JUNG als Kooperationspartner vergeben.

Finalisten

  • Aretz Dürr Architektur – Wohnen F // 9, Modulare Nachverdichtung, Köln
  • ETAL. – Das robuste Haus – Mehrgenerationenhaus Görzer128, München
  • Hild Und K Architekten – Übernachtungsschutz mit medizinischer Einrichtung, München
  • Peter Grundmann Architekten – ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin
  • PPAG Architects – Doppelschule Allee der Kosmonauten, Berlin

Bauten im Ausland

Nicht in der Auswahl für den DAM-Preis, aber seit vielen Jahren ein fester Bestandteil dieser Übersicht zur deutschen Gegenwartsarchitektur, sind die Bauten von Architekturbüros aus Deutschland in anderen Ländern: Sie befinden sich dieses Mal in Österreich und Südkorea. Peter Haimerl . Architektur und Studio Clemens Bauder haben an den Linzer Mariendom einen luftigen Pavilion mit baldachinartigem Dach gesetzt, der als Café und barrierefreie Willkommensgeste fungiert. In einem aufstrebenden Stadtteil Seouls haben behet bondzio lin architekten mit W-Mission Headquarters einen prägnanten Ort für ein Textilunternehmen in Kombination mit Cafés, Pop-up stores, Büros, Gemeindesaal und Wohnen geschaffen.

Weiter Informationen: www.dam-preis.de

Jury

Dr. Uwe Bresan (Architektur Media Management International JUNG, Preisrichter – gem. mit Dijane Slavic)

Oliver Elser (Kurator DAM, Preisrichter)

Teresa Fankhänel (Kuratorin, Publizistin / Vertretungsprof. KIT-Fakultät für Architektur Karlsruhe, Preisrichterin)

Sven Fröhlich (Partner AFF Architekten, Preisträger 2025, Preisrichter)

Aline Hielscher (Aline Hielscher Architektur, Shortlist 2025, Juryvorsitz)

Anna Moldenhauer (Chefredakteurin Stylepark Magazin für Architektur und Design, Preisrichterin)

Martin Rein-Cano (Partner TOPOTEK 1 Landschaftsarchitekten, Preisrichter)

Peter Cachola Schmal (Direktor DAM, Preisrichter)

Dijane Slavic (Architektur Media Management International JUNG, Preisrichterin – gem. mit Dr. Uwe Bresan)

Yorck Förster (Freier Kurator DAM, Vorjury / Stellvertreter)

Christina Gräwe (Freie Kuratorin DAM, Vorjury / Stellvertreterin)

Ausstellung

31. Januar – 10. Mai 2026, Deutsches Architekturmuseum, Schaumainkai 43, 60596 Frankfurt/M.

Führungen: immer samstags und sonntags, 16 Uhr

Öffnungszeiten: Di, Do – So 11 – 18 Uhr / Mi 11 – 20 Uhr / Mo geschlossen

Publikation

Deutsches Architektur Jahrbuch 2026, Yorck Förster, Christina Gräwe, Peter Cachola Schmal (Hg.), DOM publishers, 2026, 240 Seiten, ca. 400 Abb., Deutsch/Englisch, 38,- EUR, ISBN: 978-3-86922-955-3