Zukunftsort Dransdorfer Berg

Wenn von Zukunft, gar einem „Zukunftsort“ die Rede ist, dann ist das wie ein Versprechen auf etwas, das vorbildlich sein könnte für andere Orte. Und weil wir alle gerade im Zugzwang sind, der nicht immer Zeit lässt für zukunftsfähiges Handeln, sollten wir auf Zukunftsorte schauen, die auf Fragen antworten, die uns unter Druck setzen.

Am 24. Juni hatte eine Jury entschieden, wie die Grundlage für die zukünftige Bebauung des Dransdorfer Bergs aussehen könnte, ein ehemaliges Areal der Alten Stadtgärtnerei im Bonner Norden. Gewinner des Wettbewerbs sind das Architekturbüro Cityförster und Treibhaus Landschaftsarchitektur, die mit ihrer dörflichen Struktur überzeugen konnten, welche sich nicht selbstverständlich aus dem Bestehenden ableitet. Durch das Aufspannen des öffen­tlichen Raums in Nord-Süd-Richtung werden ­Möglichkeitsräume für vielfältige Aneignungen geschaffen. Der Abschluss des mehrmonatigen Wettbewerbsverfahrens, das unter intensiver Beteiligung zahlreicher Akteurinnen vor Ort durchgeführt wurde, bildet die Grundlage für die konkrete Weiterplanung eines sozial-ökologischen Stadtteilprojekts.

Seit Dezember 2024 haben die Stadt Bonn, die Initiative Neue Stadtgärtnerei und die Montag Stiftung Urbane Räume in enger Zusammenarbeit ein mehrstufiges Planungsverfahren durchgeführt. Zunächst entwickelten interdisziplinäre Planungsteams zukunftsfähige Konzepte für das seit 2004 brachliegende Areal, dann erarbeiteten drei Teams ihre ausgewählten Entwürfe im Werkstattverfahren weiter – stets im Austausch mit Verwaltung, Fachöffentlichkeit und engagierten, für das Verfahren ausgelosten Stadtteilpatinnen.

In der zweiten Jahreshälfte 2025 wird aus dem Gewinnerentwurf ein konkreter städtebaulicher Rahmenplan entwickelt – gemeinsam mit einem Konzept für Grünflächen und Freiräume. Auf dieser Basis erstellt die Stadt dann im Austausch mit den Bürgerinnen einen Bebauungsplan.

Das Projekt „Zukunftsort Dransdorfer Berg“ besteht aus zwei wirtschaftlich eigenständigen, aber konzeptionell zusammengehörenden Quartiersbausteinen. Auf den Flächen, die von der Montag Stiftung Urbane Räume entwickelt werden – die Stiftung hat das Gelände in Erbpacht überlassen bekommen – soll ein Projekt nach dem Initialkapital-Prinzip der Stiftung mit ca. 3 000–4 000 m² BGF entstehen. Die Idee des Prinzips ist, durch Investition in eine Immobilie dauerhaft eine Gemeinwohlrendite zu erzielen, die für gemeinnützige Vorhaben im Viertel verwendet wird. Die Überschüsse, die durch Bewirtschaftung der Immobilie entstehen, kommen lokalen Akteurinnen zugute, die sich für das Gemeinwohl engagieren.

Die Initiative Neue Stadtgärtnerei plant ein Wohn- und Gemeinschaftswohnprojekt inklusive sozialem Wohnungsbau für rund 100 Menschen. Durch den Einsatz nachwachsender Rohstoffe und innovativer Verfahren soll eine kreislauffähige und klimapositive Bebauung mit Modellcharakter realisiert werden. Darüber hinaus wird das Wohnprojekt nicht in privatem, sondern entsprechend des Mietshäusersyndikatsmodells in gemeinschaftlichem Eigentum entwickelt. Mit Blick auf das zukünftige Leben in urbanen Ballungsräumen soll aufgezeigt werden, wie die lokale Versorgung mit Nahrungsmitteln regenerativ durch die Landwirtschaft gesichert werden kann.

Ist das die Zukunft? Eine Zukunft ganz sicher, die anderen können sich hier bedienen. Detaillierte Informationen zum Projekt im Netz. Be. K.

www.montag-stiftungen.de,www.neue-stadtgaertnerei.org

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