Zahn der Zeit vs. Pflegeaufwand

Die Geschichte des Bauschadens – der Bauschäden? – am Düsseldorfer Medienhafen zeigt zweierlei: Es ist nicht immer Gold, was glänzt, und wer sich nicht kümmert, kümmert sich am Ende um Sanierung, Verkauf, Abriss mit Neubau etc. Mancher Bestand konnte dank kluger Rechnung und solider Grundsubstanz gerettet werden, viele aber verschwanden, begleitet von Beiträgen in den Lokalzeitungen mit Jubel und Abrissparty. Ersatzneubauten – die weniger kosten sollen als eine Sanierung, so die meisten Gutachten – überglänzen das Versagen, bis es auch bei diesem Ersatz Ersatz geben soll.

Mangelnde Pflege, aber auch riskante Bauweisen führen nicht selten zu Schäden, deren Beseitigung häufig als zu teuer angesehen wird. Insbesondere dann, wenn Denkmalschutz die Ausführungsqualität nach weit oben festschreibt. Hans Scharouns Schul- wie Wohnbauten werden für ihre räumliche Qualtiät mit Recht gefeiert, ihre Detaillierung muss man heute als riskant, vielleicht gar als fahrlässig bezeichnen. Scharouns Bauten werden saniert, Frank Gehrys auch?

Gerade wird dieser Architekt, der im vergangenen Jahr erst verstarb, mit einer großartigen Ausstellung im Herforder Marta gefeiert (DBZ 7-8 | 2026). Hier allerdings liegt der Schwerpunkt tatsächlich auf dem Frühwerk, das sich dadurch auszeichnet, dass es für Bauherren geplant wurde, die die Architektur verstanden haben mit alle ihren Mängeln. Bei Mietprojekten ist das anders. Die drei, von unterschiedlichen Eigentümergruppen gehaltenen Bürotürme A, B und C (A = Klinkerfasssade, B = Edelstahlfassade, C = Putzfassade) des sogenannten Neuen Zollhofs werden genutzt als das, was sie sind: als Büroflächen.

Seit einigen Jahren schon ließ sich bei Bauteil C der Fassadenschaden erkennen, der nun zu größeren Abplatzungen von Putz geführt hat. Jetzt bilden Edelstahlseile ein Netz, das zurzeit mit einem Tuch bespannt wird. Bausicherung.

Dass Starkwind der Verursacher von herunterfliegenden Putzplacken sein kann, ist nicht unwahrscheinlich; der Schaden allerdings geht wohl auf Spannungsrisse im WDVS zurück, die sichtbar sind, aber nicht rechtzeitig behandelt wurden.

Wie es mit der Fassade weitergeht, ist noch offen. Eigentümer, Stadt und Denkmalbehörde sind im Gespräch. Die Notwendigkeit der aufwendigen Fassadensicherung zeigt immerhin, dass eine Reparatur am Ende immer mehr kostet als eine kontinuierlich Pflege. Und die ist bei Bauten dieser Klasse von vornherein einzupreisen.⇥Be. K.

www.foga.com

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