The Dean, Berlin
In Charlottenburg hat ein neues Hotel eröffnet. Doch als Hotel soll es – zumindest auf den ersten Blick – nicht wirken. The Dean, Berlin folgt einem Designkonzept, das die typische Hotelsprache vermeidet und sich stattdessen den Besuchern langsam offenbart. Die Innenausstattung, entworfen von der Londoner Designerin Rachael Gowdridge, greift die vielschichtige Geschichte des Gebäudes auf, indem originale Oberflächen freigelegt und erhalten bleiben. Möbel und Beleuchtung, maßgeschneiderte moderne Stücke, ausdrucksstarke Silhouetten oder Vintage-Fundstücke, zitieren mal mehr, mal weniger ironisch das kreative Erbe der Stadt.
Das Herzstück des Hotels bildet die Lobby. Vom Eingang aus entfaltet sich eine vielschichtige Abfolge von Räumen, darunter eine Bäckerei, ein Restaurant und eine Lounge; sie alle führen zu einer gemütlich eingerichteten Bibliotheksecke. Diese ist so gestaltet, dass sie wie ein privates Wohnzimmer oder ein Künstleratelier wirkt.
Das Experimentieren mit Materialien zieht sich durch das gesamte Projekt. Standard-Sperrholzelemente werden durch eine Beize auf Linolie-Basis aufgewertet, wodurch die Grenzen bekannter Materialien erweitert werden. Viele gestalterische Entscheidungen wurden direkt vor Ort und „mit dem Hammer in der Hand“, so Gowdridge, getroffen. Das ermöglichte, dass die Architektur selbst die endgültige Formensprache bestimmte.
Satte Farbtöne werden durch sanftere, neutrale Töne gemildert, um raffinierte Kontraste und Tiefe zu schaffen. Dieser Ansatz zieht sich durch alle öffentlichen und privaten Bereiche, um ein Gefühl von Kontinuität im gesamten Hotel zu erzeugen. Bei der Ankunft führt eine in tiefes Rot getauchte Lobby die Farbpalette ein, die sich in den Vorräumen der Gästezimmer wiederfindet und so einen behaglichen, intimen Übergang vom Öffentlichen zum Privaten schafft. Die Farbe Rot begrüßt Gäste auch in den Schlafzimmern. Der Vorraum mit Holzfußboden führt in die weichere, mit Teppich ausgelegten Bereiche mit getäfelten Wänden und mehrschichtigen Textilien. Unkonventionell sind auch die Deckenleuchten: Auf den ersten Blick scheinen sie aus zartem Porzellan gefertigt zu sein; erst bei näherer Betrachtung offenbart sich ihr wahres Material. Das Latex ist eine augenzwinkernde Anspielung auf die Berliner Nachtkultur. „In diesem Hotel geht es nicht um eine einzige Aussage“, sagt Gowdridge. „Es geht um Kontrast, Zurückhaltung und Momente, die zum Innehalten anregen.“ Im Gestaltungsprozess hätte sie viel Freiheit zu experimentieren gehabt, um intuitiv auf die architektonische Substanz zu reagieren. So wurde ein typisches Berliner Gebäude des späten 19. Jahrhunderts zu einer geschmackvollen Oase ganz in der Nähe des hektischen Kudamms. AGh
