Nicht mehr zu retten: Sammlung Goetz, München
Das Haus für die Sammlung Goetz in München gehört zu den frühen Arbeiten von Herzog & de Meuron, trotz relativ hoher Projektnummer 56. Das Museum für eine private Sammlung zeitgenössischer Kunst (HdM) wurde 1992 in München-Unterföhring fertiggestellt und diente seitdem Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, der Forschung, aber auch dem Kunsthandel in eigener Goetz-Sammlungssache.
Das elegante Volumen gehört zu den Bauten der ersten Phase im Schaffen von HdM; hier wurde noch exzessiv mit Material (wie Sperrholz als Fassade) und mit Formen, Oberflächenbehandlung (Betonätzungen) oder anderen subtilen Bestands-
interventionen gearbeitet. Die bekanntesten Bauten stehen auf „Auf dem Wolf“ (Stellwerke Basler Gleisfeld), in Pfaffenholz (Sportzentrum) oder in Mülhausen mit Arbeiten für Ricola (bis heute).
Das freie Arbeiten, das immer auch gegen die Norm reibt, hat offenbar auch seinen Preis. Nach Jahren des oberflächigen und auch mal gründlichen Instandsetzens, der Schließung ab 2023 nun die Meldung: Das Haus an der Oberföhringer Straße, zwischen Montessori-Kindergarten und Bürgerpark, wird dauerhaft seine Türen geschlossen halten. Eine Sanierung des offenbar in seiner Substanz (Holzkonstruktion) getroffenen Baus sei wirtschaftlich nicht zu leisten, so die Eigentümer.
Damit stellt sich natürlich die Frage, ob bei kenntnisreicher Pflege Bautotalschäden zu vermeiden gewesen wären oder ob das Haus dem unbedingten Wollen seiner noch jungen Architekten, die wenige Jahre später mit der Tate Modern in London den internationalen Durchbruch schafften, zum Opfer gefallen ist? Es einfach einmal anders machen, wie bereits Hans Scharoun das bei vielen seiner wunderbaren Bauten tat, ist am Ende ein Risiko, für das man zahlen muss. Entweder in der Erstellungsphase, in der Nutzungsphase oder eben bei Totalverlust, wenn in den beiden genannten Zeitabschnitten zuvor zu wenig oder gar nichts gemacht wurde.
Die Sammlung sucht nun nach einem neuen Ort; wie der aussehen soll und wo, ist noch unklar. Im Augenblick ist die Galerie in einem Verkaufsraum mit Schaufenster in der Pacellistraße im Herzen von München untergebracht, „zwischennutzend“. Der Architekt des Hauses in der Neuen Maxburg ist Sep Ruf, den kleinen Laden hatte zuvor noch die „Teppichkunst“ besetzt, immerhin. Ob die Sammlerin Ingvild Goetz noch einmal mit HdM bauen würde? Dann hoffentlich in einem Fünfziger-Jahre Bestand … Sep Ruf mit HdM! ⇥Be. K.
www.sammlung-goetz.de
