„Kinderoase“ von Kéré in München
„Erstes dauerhaftes Gebäude von Star-Architekt und TUM-Professor Francis Kéré in Europa“, so der Titel der Pressemeldung zum Neubau der Kinderoase an der TUM, der jetzt übergeben wurde. Dass die TUM dieses Gebäude – errichtet auf einer Kriegsbrache im Gebäudezug entlang der Gabelsberger Straße – einem ihrer Professoren direkt vergeben konnte, ist nur scheinbar der Fall. Denn tatsächlich hatte die Bauherrin, Ehrensenatorin Ingeborg Pohl, in eigener Regie Francis Kéré mit dem Entwurf und der Realisierung der Kita beauftragt. Das von ihr finanzierte Gebäude hat sie jetzt der TUM übereignet.
Das Gebäude – in der Nähe der TUM-Mensa platziert – ist ein Holzbau mit Lamellenfassade. Das Haus bietet Platz für 60 Kinder von TUM-Beschäftigten. Ingeborg Pohl sieht mit der Kinder-oase ihren Wunsch erfüllt, „leistungsstarke Frauen in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu unterstützen.“ Unterstützung fand der Architekt in der TUM-Mannschaft. So wurden die Themen Tragwerk und Energieeffizienz von Fachbereichen vor Ort gemanagt.
700 m² stehen den Kindern und ihren Erziehern zur Verfügung. Nach Altersgruppen organisiert, nutzt jede Gruppe ein eigenes Geschoss. In den mittleren und oberen Ebenen befinden sich gemeinschaftliche Bereiche zum Spielen, für Sport und Mahlzeiten. Ganz oben gibt es die teilweise überdachte Dachterrasse mit dem Namen „Himmelswiese“. Hier können die Kinder im dicht bebauten städtischen Umfeld geschützt laufen oder im vertikalen Spielplatz an der Nordfassade des Gebäudes über Rutschen die Ebenen wechseln. Der Spielbereich dient daneben und sehr dezent als akustischer Puffer zur stark frequentierten Gabelsbergerstraße.
Dass der hier „Star-Architekt“ Genannte sein erstes dauerhaftes Gebäude in Europa realisierte, überrascht vielleicht. Der 2022 mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnete Architekt, Professor an der TUM für Architectural Design and Participation, baut noch mehr in seiner Heimat. Ob sich das nun ändert? In seiner Heimat wäre die Lamellen-Fassade möglicherweise das geworden, wonach sie aussieht: eine Holzlamellen-Konstruktion. In München ist es Cortenstahl, 100 t schwer, wie die TUM stolz anmerkt.
Noch steht der Bau etwas unverbunden in seiner Nachbarschaft. Ob sich das über die Jahre verändert? Be. K.
