KI in der Architekturkommunikation

Michael Schuster: Im 15. KI-Dialog der DBZ geht es anlässlich des 19. AMM-Symposiums an der Hochschule Bochum um KI in der Architekturkommunikation. Zur Vorbereitung habe ich ChatGPT gefragt: „Was versteht man unter Architekturkommunikation?“ Bevor ich die Antwort vorstelle, interessiert mich jedoch die Sicht unserer Experten: Was verstehen Sie darunter – und welche Kompetenzen braucht es?

Alexandra Busch: Seit fast 20 Jahren schreibe und spreche ich über Architektur. Mir ist wichtig, Architektur ganzheitlich darzustellen: Gebäude, Raumgefühl, Licht, Konzepte, Materialien und auch die Perspektive der Immobilienwirtschaft, die in Architekturzeitschriften häufig zu kurz kommt.

Mein Anliegen ist es, die verschiedenen Bereiche des Bauens zusammenzuführen – in Texten, Podcasts, Vorträgen und Diskussionen.

Hanns-Jochen Weyland: Der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick hat formuliert: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Architekten kommunizieren über ihre Gebäude, die in der Öffentlichkeit sichtbar und wirksam werden. Die eigentliche Kommunikationsarbeit findet jedoch im Planungs- und Entwurfsprozess statt. Das ist ein zentraler Aspekt in ­unserem Büro. Wenn ein Team eine funktionierende Kommunikationsebene hat, entstehen produktive, fantasievolle und überzeugende Ergebnisse. Ist die Kommunikation hingegen gestört, kann kein guter Entwurf entstehen.

Michael Schuster: Jetzt bin ich gespannt, was der Psychologe und Neurowissenschaftler dazu sagt.

Patrick Friedrich: Ich bin ein großer Freund von Kommunika­tion. Mir stellt sich die Frage, ob und inwiefern sich Architekturkommunikation von den grundlegenden Prinzipien der Kommunikation unterscheidet. Kommunikation schafft Transparenz – eine der zentralen Voraussetzungen für den Erfolg des Menschen als dominante Spezies auf diesem Planeten. In der Architektur ist Kommunikation aufgrund der Komplexität von besonderer Bedeutung.

Michael Schuster: Eine Frage an den Fachmann für Architekturkommunikation: Wie gelingt Architekturvermittlung in der Lehre?

Jan R. Krause: Wir verlernen im Architekturstudium oft, mit Menschen in ihrer Sprache zu sprechen. Als Architekten sprechen wir von „Vertikalerschließung“, wo andere „Treppe“ sagen, von „Öffnungen“, wo es um Fenster geht, oder vom „Außenraum“, den andere als Garten bezeichnen. Mit diesem „Architektensprech“ lassen sich keine Qualitäten vermitteln – und keine Brücken zu den Menschen bauen, für die wir Architektur entwerfen. Noch prägender als diese sprachliche Dis­tanz jedoch ist das konzeptionelle Denken. Architekten denken in Konzepten, viele Menschen in Maßnahmen. Wer in Maßnahmen denkt, wünscht sich vielleicht ein Haus mit Sylter Haustür und Schwarzwaldbalkon. Unsere Aufgabe ist es dann zu erklären, dass daraus kein schlüssiges Konzept entsteht – es sei denn, das Konzept lautet „Karikatur eines Hauses“. Wir brauchen ein starkes Konzept, eine übergeordnete Idee, die leitmotivisch den gesamten Planungs- und Realisierungsprozess trägt und Orientierung gibt für Entscheidungen zu Details, Materialien, Budget und Nachhaltigkeit. Dieses „architektonische Denken“ ist nur Wenigen vertraut. Da haben wir in der Architekturkommunikation eine große Herausforderung und zugleich eine sehr schöne Aufgabe.

Michael Schuster: ChatGPT definiert Architekturkommunikation als „Vermittlung von Architektur an verschiedene Zielgruppen. Dazu gehört, wie über Gebäude, Stadträume und Planungsprozesse gesprochen, geschrieben und diskutiert wird.“ Bleibt diese Kommunikation zu oft in der eigenen Blase?

Hanns-Jochen Weyland: Innerhalb unserer Blase haben wir eine Form der Kommunikation entwickelt, die nach außen kaum noch wirkt. Ich würde mir wünschen, dass wir wieder lernen, poetischer über Architektur zu sprechen, um ihre Qualitäten für andere erfahrbar zu machen.

Alexandra Busch: Dann empfehle ich meinen Podcast „Architektourist“. Um die Begeisterung für Architektur möglichst vielen Menschen näherzubringen, habe ich auch poetische Folgen entwickelt. Darin beschreibe ich Atmosphären und Gefühle. Mit reiner Fachkommunikation ist es tatsächlich schwierig, Menschen außerhalb der Architektenschaft zu erreichen und ihnen zu vermitteln, wie schön und wertvoll unsere gebaute Umwelt sein kann. Ich schreibe aber auch für die Deutsche Energie-Agentur – dort müssen die Texte entsprechend sachlich und fachlich präzise formuliert sein.

Michael Schuster: Wie gelingt die Vermittlung zwischen Fachwelt und Öffentlichkeit?

Patrick Friedrich: Beim Thema Fachtermini und zielgruppenspezifische Sprache bewegen wir uns auf einem gemeinsamen Nenner, der branchenübergreifend gilt. Ich komme ursprünglich aus der Neurowissenschaft, habe also in der Hirnforschung gearbeitet, und bin heute als Transfermanager bei KI.NRW tätig, der Landeskompetenzplattform für Künstliche Intelligenz. Gerade in der Kommunikation bietet KI ein großes Potenzial. Sie kann als Werkzeug genutzt werden, um komplexe Fachtermini in verständliche, alltagssprachliche Formulierungen zu übersetzen und so unterschiedliche Zielgruppen besser zu erreichen.

Michael Schuster: Kleiner Exkurs zum Thema KI: Netflix benötigte ab 1999 rund dreieinhalb Jahre, um 1 Mio. Nutzer zu erreichen. Facebook schaffte dies 2004 in nur zehn Monaten. ChatGPT brauchte 2022 gerade einmal fünf Tage, um diese Marke zu knacken. Wie wird sich diese Dynamik künftig weiterentwickeln?

Patrick Friedrich: Der Nutzen von Künstlicher Intelligenz steht außer Frage. KI ist gekommen, um zu bleiben. Sie ist eine Querschnittstechnologie, die branchenübergreifend für Beschleunigung und Transformation sorgen kann. Das zeigt sich auch in der täglichen Arbeit im Transfermanagement: Zahlreiche Unternehmen interessieren sich dafür, KI einzusetzen, um ihre Prozesse effizienter zu gestalten oder ihre Wettbewerbsfähigkeit in einem Umfeld disruptiver Innovationen zu sichern.

Hanns-Jochen Weyland: Was ist mit disruptiver Innovation gemeint?

Patrick Friedrich: Mit disruptiver Innovation sind Prozesse gemeint, die bestehende Paradigmen von Branchen grundlegend aufbrechen. Sie greifen so tief in etablierte Strukturen ein, dass sich vieles in kurzer Zeit spürbar verändert. Das klingt dramatisch, ist aber bereits Realität. Man muss sich nur vor Augen führen, dass es heute für Solopreneure, also Einzelunternehmer, durchaus möglich ist, neue „Unicorns“ aufzubauen – potenzielle industrielle Giganten der Zukunft, insbesondere im Softwarebereich. Auch in der Architektur ist das Potenzial erheblich.

Hanns-Jochen Weyland: Dass unsere Profession vor tiefgreifenden Veränderungen steht, halte ich für unstrittig. Die spannende Frage ist: Wie gehen wir damit um? Und wo entstehen künftig neue Aufgabenfelder? Unsere Arbeitswelt hat sich bereits in den vergangenen Jahrzehnten digitaler Transformation stark gewandelt. Wir haben noch von Hand gezeichnet, dann kam CAD – zunächst begleitet von großen Vorbehalten und der Sorge, dass damit „keine echte Architektur“ mehr entstehe. Am Ende hat sich die Technologie durchgesetzt, allerdings über einen langen Zeitraum hinweg. Heute erleben wir eine andere Dynamik: Wir sprechen nicht mehr über Jahrzehnte, sondern über wenige Jahre. Genau darin liegt die eigentliche Herausforderung. Es wird entscheidend sein, flexibel zu bleiben und sich deutlich schneller auf neue Bedingungen einzustellen.

Michael Schuster: Welche konkreten Auswirkungen hat KI denn heute schon auf die Profession der Architektinnen und Architekten? 

Hanns-Jochen Weyland: Im Ansatz hat sich bereits durchgesetzt, dass wir sehr früh im Prozess Bilder erzeugen können. Mit Tools wie Nano Banana kann jeder mit minimalen Mitteln Bilder erzeugen, die zumindest so aussehen, als wären sie Architektur. Meiner Ansicht nach führt der Einsatz von KI im Entwurfsprozess zu einem Paradigmenwechsel. Das, was wir ­gelernt haben – vom Groben ins Feine zu arbeiten, vom Städte­bau bis ins Detail zu denken – wird in dieser Reihenfolge infrage gestellt. Innerhalb weniger Minuten lassen sich scheinbar fertige Architekturgebilde generieren. Unsere Aufgabe wird es künftig sein, diese Ergebnisse aufzugreifen und weiterzuentwickeln – gewissermaßen zu „re-engineeren“. Wir werden die Haftung übernehmen müssen. Wir werden die Häuser planen und realisieren. Bislang war das Bild der Endpunkt eines vorgelagerten Prozesses. Davon müssen wir uns vermutlich verabschieden. Allerdings macht der Entwurf zwar einen wesentlichen, aber vergleichsweise kleinen Teil der Arbeit im Architekturbüro aus – vielleicht 20 Prozent. Der überwiegende Anteil liegt in der Planung. Und hier wird sich weniger radikal verändern als oft angenommen: Planung bedeutet, Regeln anzuwenden, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Das kann KI nicht vollständig leisten.

Patrick Friedrich: Es wird Aufgaben geben, die KI nicht übernehmen kann – zumindest vorerst nicht und vermutlich auch nicht eigenständig. Es geht nicht nur darum, dass KI bestimmte Prozesse beschleunigt oder automatisiert. Ebenso wichtig ist die Frage, wie wir sie nutzen, ohne selbst aus dem Lernen auszusteigen oder kognitiv nachzulassen. KI sollte nicht dazu dienen, Arbeitsprozesse komplett auszulagern, sondern sie effizienter zu gestalten. Richtig eingesetzt kann KI zu einem produktiven Sparringspartner werden und helfen, neue Ideen zu entwickeln, auf die man allein möglicherweise nicht gekommen wäre.

Michael Schuster: Gilt das auch für Architekturkommunikation?

Alexandra Busch: Ich bin selbstständig und arbeite ohne Team. Gemeinsam mit KI – als Sparringspartnerin, nicht als Ersatz – überlege ich, welche Angebote ich über das reine Texten hinaus weiterentwickeln kann. Mein Podcast ist dafür ein gutes Beispiel, wie ich Architektur auch jenseits klassischer Fachtexte vermittle. Heute nutze ich KI wie eine Art imaginäre Kollegin: für Ideen, Konzepte und Kommunikationsstrategien. Entscheidend ist jedoch, sie als Werkzeug zu begreifen und die eigene Handschrift zu bewahren. Denn KI kann viel liefern – aber Auswahl, Qualität und inhaltliche Stringenz müssen wir selbst verantworten.

Michael Schuster: Wie gelingt es, mit KI authentisch zu bleiben?

Alexandra Busch: Ich habe festgestellt, dass KI-generierte Texte schnell glatt wirken, aber ohne präzise Steuerung oft keinen klaren Aufbau und keinen wirklichen roten Faden haben. Deshalb nutze ich KI bewusst als Werkzeug und Assistentin. Ich hinterfrage kontinuierlich, ob das Ergebnis sinnvoll ist und tatsächlich das ausdrückt, was ich sagen möchte. Gerade im Journalismus gilt: Jeder hat eine eigene Handschrift. Diese geht verloren, wenn man KI unreflektiert einsetzt.

Michael Schuster: Laut einer Studie von Goldman Sachs könnten durch KI rund 46 Prozent typischer Bürotätigkeiten automatisiert werden. Bei Juristen liegt der Anteil bei etwa 44 Prozent, im Bereich Architektur und Ingenieurwesen bei rund 37 Prozent. Was bedeutet das für den Berufsstand? Bestätigt sich die Hoffnung, dass KI vor allem Routinetätigkeiten übernimmt und Architekten dadurch mehr Raum für Gestaltung gewinnen?

Hanns-Jochen Weyland: Das war ja schon das Versprechen von CAD und BIM. In der Praxis hat sich das so nicht bewahrheitet. Zwar sind bestimmte Aufgaben verschwunden, gleichzeitig aber auch ganze Berufsbilder. Heute sieht der Büroalltag oft anders aus als das Idealbild aus dem Studium: Viele Architekten verbringen den Großteil ihrer Zeit mit der digitalen Ausarbeitung von Details, Tätigkeiten, die früher Bauzeichner übernommen haben. Dennoch sehe ich darin auch eine Chance: Wenn KI künftig stärker Routineaufgaben übernimmt, etwa Mengen-ermittlungen oder Leistungsverzeichnisse, könnten wir tatsächlich wieder mehr Raum für die wesentlichen Fragen der Architektur gewinnen: für Atmosphäre, räumliche Qualität und die Gestaltung unserer Städte.

Michael Schuster: Werden wir durch die Generierung von Bildern mit KI mehr Mittelmaß produzieren – und uns auch schneller damit zufriedengeben? Das ist eine Tendenz, die ich im Textbereich beobachte.

Hanns-Jochen Weyland: Es gibt viel Beliebigkeit und auch eine Flut an mittelmäßigen Bildern. Gleichzeitig entwickeln sich die Systeme rasant weiter. Entscheidend ist, dass jemand den Prozess steuert und die Ergebnisse kuratiert. Die KI erzeugt schnell große Mengen ähnlicher Bilder, ohne ein eigentliches Problem zu lösen. Die Arbeit wird dadurch nicht weniger, sie verschiebt sich. Statt selbst zu entwerfen, müssen wir zunehmend auswählen, bewerten und einordnen.

Michael Schuster: Vielleicht liegt die eigentliche Herausforderung im Umgang mit Künstlicher Intelligenz darin, unser eigenes Denken wieder stärker zu aktivieren – also mehr nachzudenken, nicht weniger?

Patrick Friedrich: Wir haben nicht mehr das Problem, etwas zu produzieren. Wir haben das Problem, Qualität zu produzieren. Und wir müssen in der Lage sein, Qualität zu erkennen. Hier ist immer noch „the human in the loop“. Wir können der KI nicht blind vertrauen, sondern müssen ganz explizit auch unsere Fähigkeiten entwickeln, um die KI-generierten Ergebnisse einschätzen und evaluieren zu können.

Michael Schuster: Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung stellte kürzlich die Frage: „Wozu noch selbst denken?“

Jan R. Krause: Gute Frage! Ich denke, wir müssen uns vor Augen führen, was Künstliche Intelligenz nicht kann. Die KI hat keine Ambitionen, keine Ziele, keine Vernunft, kein Bewusstsein und sie übernimmt keine Verantwortung. Genau das sind unsere Aufgaben als Architektinnen und Architekten. Wir sollten KI als „Kollaborative Intelligenz“ verstehen. Wir stehen an einer spannenden Schwelle: Wie verbinden wir das Beste aus beiden Welten? 2022/23 sprachen wir von KI als „Werkzeug“. 2024/25 entdeckten wir KI als „Assistenten“. Jetzt sprechen wir von KI-„Agenten“. KI kann wie ein neuer Mitarbeiter funktionieren. Sie muss ausgewählt, eingearbeitet, trainiert werden. Und wir müssen regelmäßig prüfen, ob diese KI zur eigenen Arbeitsweise und Unternehmenskultur passt. Gelingt das, kann eine produktive Zusammenarbeit von Mensch und Maschine entstehen, in der die Stärken der KI mit unserem zielgerichteten Denken und verantwortungsbewusstem Handeln zusammenwirken.

Patrick Friedrich: Ich sehe das ähnlich: KI ist ein neues Werkzeug, das Inhalte deutlich effizienter generiert. Die Qualität müssen wir jedoch selbst bewerten. Wer sich dem verschließt, verzichtet auf aktuelle Mittel und läuft Gefahr, den Anschluss zu verlieren – deshalb ist es essenziell, sich aktiv mit KI auseinanderzusetzen. Gleichzeitig liegt darin eine Gefahr: Wenn wir beginnen, blind zu generieren, schieben wir die KI als Mittler zwischen unser Denken und das Ergebnis. Das Risiko ist, dass wir zu Verwaltern unseres eigenen Denkens werden. Die Wunderpille KI kann ganz schnell auch zu einem Gegenmittel gegen unser Denken werden, wenn wir es dazu kommen lassen.

Michael Schuster: Ist KI ein Allheilmittel?

Hanns-Jochen Weyland: Die eine KI gibt es nicht. Bei Störmer Murphy & Partners unterscheiden wir drei KI Cluster für unterschiedliche Anwendungsfelder: Digital Design Support mit entwurfsunterstützender Bildgenerierung. Digital Optimization für datenbasierte Optimierung, zum Beispiel hinsichtlich der CO₂-Bilanz. Und Digital Information Management. Das ist KI-Unterstützung im Büroalltag, etwa beim Strukturieren von Informationen oder Zusammenfassen von Inhalten. Wenn man die relevanten KI-Anwendungsfelder im Büro definiert hat, lassen sich viele davon technisch gut umsetzen – passende Tools gibt es bereits. In der Praxis scheitert es jedoch oft an fehlenden Workflows. Wichtig ist, vorher klar zu wissen, was man will und welche Prozesse man abbilden möchte. Wer hier unvorbereitet einsteigt, riskiert, viel Zeit, Geld und Ressourcen zu verlieren. Das zeigt sich derzeit in vielen Planungsbüros. Entscheidend aber ist unsere Haltung: Den Entwurfsprozess selbst überlassen wir nicht der KI. Wir beginnen immer mit einer eigenen gestalterischen Absicht – mit einem klaren „Wollen“. Denn ohne diese Haltung produziert die KI zwar Antworten, aber keine Architektur.

Michael Schuster: Ein Blick in eine andere Branche zeigt die enorme Dynamik: Die KI-generierte Band „The Velvet Sun­down“ veröffentlicht in wenigen Monaten mehrere Alben, erreicht über 1 Mio. Streams im Monat – und existiert gar nicht. Musik, Bilder und Texte entstehen vollständig durch KI. Anfang 2025 wurden täglich rund 10 000 KI-generierte Songs produziert, Anfang 2026 bereits etwa 50 000. Das verdeutlicht, in welchem Tempo sich kreative Produktion durch KI verändert. Führt diese enorme Menge nicht zwangsläufig auch zu großer Beliebigkeit und geringer Qualität?

Patrick Friedrich: Das eigentliche Problem ist nicht die Menge, sondern die Qualität. Es stellt sich die Frage: Wer bewertet Qualität? Neue Technologien werden schnell kritisiert, weil sie Dinge in bisher ungekanntem Tempo ermöglichen. Doch niemand ist gezwungen, diese Inhalte zu konsumieren. Wichtiger ist, dass wir wieder über Maßstäbe und Kriterien von Qualität sprechen – das können nur wir leisten.

Alexandra Busch: Aktuell entsteht viel Mittelmaß, oft getrieben von der Begeisterung für neue Tools. Viele Ergebnisse ähneln sich und bleiben oberflächlich. Doch das ist typisch für jede neue Technologie: Erst kommt der Hype, dann die Ernüch­terung – und schließlich ein differenzierter Umgang.

Hanns-Jochen Weyland: Ich bin überzeugt, dass sich Qualität wieder durchsetzt, sobald wir bewusster auswählen, reflektieren und gestalten. Wirklich herausragende Architektur entsteht aus Haltung, Authentizität und Verantwortung – und das gelingt nur mit menschlicher Intelligenz.

Die Idee zum DBZ-KI-Dialog entstand im Sommer 2024, um die rasanten Entwicklungen der Künstlichen Intelligenz kontinuierlich zu begleiten. Aus einem ersten Gespräch zwischen DBZ-Chefredakteur Michael Schuster und Prof. Jan R. Krause in Berlin entwickelte sich ein Format, das sich an den Heftthemen der DBZ orientiert: Wir besuchen Architekturbüros, Ingenieure und weitere Akteure, um uns über ihre praktischen Anwendungen von KI zu informieren und im Dialog zu reflektieren. Stationen waren u. a. Schneider + Schumacher in Frankfurt, caspar in Köln, die Ippolito Fleitz Group in Stuttgart und Alles Wird Gut in München. Den 15. KI-Dialog führten wir in Bochum beim 19. AMM-Symposium zum Thema „KI in der Architekturkommunikation“. Dazu haben wir den Expertenkreis erweitert: mit Alexandra Busch, Podcasterin und Architekturjournalistin, Hanns-Jochen Weyland, Head of Digital Transformation von Störmer Murphy & Partners sowie dem Neurowissenschaftler Dr. Patrick Friedrich, AI Transfermanager am Fraunhofer Institut und bei KI.NRW. Architekturkommunikation mit KI kann man studieren im Masterstudiengang Architektur Media Management unter Leitung von Prof. Jan R. Krause. Bewerbungsschluss zum WS 2026/27 ist der 15. Juli 2026. www.amm-bochum.de
Ausblick
DBZ 06 | 2026: KI-Tools für Transformationsprozesse
Rückblick (Auswahl)
DBZ 04 | 2026: KI-Tools für die Materialwahl
DBZ 12 | 2025: KI-Tools zur Grundrissoptimierung
DBZ 09 | 2025: KI-Tools für die Gebäudehülle
DBZ 06 | 2025: KI-Tools für Nachhaltiges Bauen
DBZ 04 | 2025: KI-Einsatz beim Bauen im Bestand

Sonderteil
DBZ 01-02 | 2025: Der große KI-Überblick mit Glossar
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