KI im Planungsalltag
Michael Schuster: Mit dem DBZ-KI-Dialog zum Thema „KI im Planungsalltag“ sind wir in Lünen zu Gast bei Björn Schreiter. Er hat uns beim KI-Symposium des Masterstudiengangs Architektur Media Management an der Hochschule Bochum angesprochen und angeregt, nicht nur über KI-Projekte bei Zaha Hadid, Henning Larsen oder MVRDV zu sprechen, sondern auch einmal den Planungsalltag eines Architekturbüros in Deutschland zu betrachten. Dieser Einladung sind wir gern gefolgt. Und ich wage zu Beginn unseres Gesprächs zu sagen: Unsere Erwartungen wurden bei Weitem übertroffen. Was bedeutet KI im Planungsalltag bei Björn Schreiter?
Jan R. Krause: Was wir gesehen haben, ist wirklich beeindruckend. KI bedeutet hier zunächst einmal Transparenz und Nachvollziehbarkeit – und zwar für alle. Es gibt nicht eine Vielzahl isolierter Spezial-KIs für einzelne Anwendungen und Arbeitsplätze. Stattdessen haben alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Zugang zu denselben Informationen. Zentrale Schnittstelle ist ein Dashboard, über das sich alle wesentlichen Informationen anschaulich darstellen lassen. Man sitzt an seinem Bildschirm fast wie in einem Cockpit und kann den aktuellen Planungsstand der verschiedenen Bauvorhaben abrufen.
Michael Schuster: Überzeugt hat mich dabei auch der menschliche Aspekt. Jeder kann sich sein Dashboard individuell gestalten. Neben den Daten und Fakten zur Planung lassen sich beispielsweise das Wetter, Fußballergebnisse oder Geburtstage anzeigen, der Spruch des Tages, gute Nachrichten oder auch eine Aufforderung zur Achtsamkeit.
Jan R. Krause: Diese Kombination aus planungsrelevanten Informationen und persönlichen Interessen ermöglicht einen niederschwelligen Zugang zur digitalen Organisation des Büros. Das ist ein wichtiger Baustein der Unternehmenskultur und zugleich methodisch raffiniert: Die Mitarbeitenden werden auf dem Weg zum digital strukturierten Büro und zum KI-gestützten Planungsmanagement mitgenommen.
Michael Schuster: Was steckt konkret hinter der eigens entwickelten KI – über das Dashboard hinaus?
Jan R. Krause: Björn Schreiter hat eine eigene Projektsoftware mit KI gebaut. Sie umfasst Bautagebuch, Protokolle, AVA, Zeitplanung und Stundenerfassung in einer Anwendung, mit KI-Unterstützung selbst programmiert. Alles befindet sich an einem Ort, es entsteht kein mehrfacher Pflegeaufwand.
Michael Schuster: Welche Prozesse unterstützt KI dabei?
Jan R. Krause: KI wird unter anderem eingesetzt für Prüfläufe in AVA und Zeitplanung. Leistungsverzeichnisse und Terminpläne werden maschinell gegengelesen: fehlende Positionen, unplausible Mengen, Widersprüche im Ablauf erkannt. Die Prüfergebnisse werden je Projekt protokolliert und nachvollziehbar abgelegt.
Michael Schuster: Kann KI auch für den Dialog genutzt werden?
Jan R. Krause: Dafür hat Schreiter einen Projekt-Chatbot entwickelt. Über ihn können Fragen an das laufende Projekt gestellt werden: Rohbaukosten, Aktenzeichen der Baugenehmigung, offene Mängel beantwortet ein Assistent direkt aus den Projektdaten – ohne Suchen, ohne Aktenordner.
Michael Schuster: Für Björn Schreiter begann diese Reise in die digitale Welt erstaunlich früh. Mit 15 Jahren zog er bei der Vergabe eines Praktikumsplatzes das kürzere Streichholz und landete statt beim Musikinstrumentenhändler in einem Architekturbüro. Dort hat er aufgrund seines Interesses an Informatik bereits als Schüler digitalen Support geleistet. Später hat er als Architekt die Digitalisierung vorangetrieben, wurde Partner und hat schließlich das Büro übernommen.
Jan R. Krause: Ein entscheidender Meilenstein war 2018 die vollständige Digitalisierung aller Plandokumente und Unterlagen. Seitdem arbeitet das Architekturbüro papierlos. Was viele Büros heute anstreben, war dort bereits vier Jahre vor ChatGPT Realität. Damit war eine sehr gute Grundlage geschaffen, um später mit KI-gestützten Methoden die Workflows weiterzuentwickeln.
Michael Schuster: Welchen Zugang hat der Architekt Björn Schreiter zu KI?
Jan R. Krause: Hintergrund ist seine grundsätzliche Affinität zu digitalen Strukturen, Prozessen und Technologien. Bereits 2018 hat er seinen ersten Vortrag über die Perspektiven von Künstlicher Intelligenz gehalten, einige Jahre später dann über KI für Architekten. Eine wesentliche Voraussetzung für die Anwendung im eigenen Büro war zunächst die Digitalisierung von Plänen und Dokumenten. Hinzu kam die Qualität der Projekt- und Adressdaten. Der konkrete Einstieg in die KI-Anwendung entstand schließlich mit dem Ziel, die vorhandenen Daten und Prozesse webbasiert abzubilden und miteinander zu verknüpfen.
Michael Schuster: Was hat KI konkret an der Arbeitsweise verändert?
Jan R. Krause: Interessanterweise entspricht die Herangehensweise ziemlich genau der Art, wie Architektinnen und Architekten auch an Entwurfsaufgaben herangehen: einerseits konzeptionell und systematisch, andererseits mit einer spielerischen Lust, die Grenzen des Möglichen auszuloten.
Michael Schuster: Schreiter verbindet viele Elemente miteinander und denkt gleichzeitig voraus: Was könnte perspektivisch noch eingebunden werden? Über die Jahre hat er sich ein enormes Wissen aufgebaut – und er teilt dieses Wissen auch gern.
Jan R. Krause: Deshalb beschränkt sich seine Tätigkeit inzwischen nicht mehr auf das eigene Architekturbüro. Er veranstaltet KI-Seminare und Workshops, unter anderem für den BDA, und hat mit „schreiter.ai“ eine Plattform für den Wissensaustausch geschaffen, um Architektinnen und Architekten bei der Implementierung von KI zu beraten und zu begleiten – und zwar aus der Perspektive eines praktizierenden Architekten.
Michael Schuster: Wie sollte ein Architekturbüro mit der Implementierung von KI beginnen?
Jan R. Krause: Björn Schreiter plädiert dafür, zunächst die eigenen Ziele zu definieren. Das klingt selbstverständlich, ist für die Implementierung von KI aber entscheidend. Sein eigenes Ziel ist bemerkenswert klar: Er möchte durch KI nicht die Belegschaft reduzieren, sondern mit demselben Team mehr Projekte bearbeiten. KI ist für ihn deshalb nicht primär Bestandteil einer Rationalisierungsstrategie, sondern einer Wachstumsstrategie – und zugleich einer Qualitätsoffensive. Es geht nicht nur darum, schneller zu werden: Es geht darum, besser zu werden. Dazu gehört beispielsweise, Verträge, Dokumente und Pläne so zu strukturieren, dass Informationen zu Nachträgen, Mängelmanagement oder anderen Projektfragen einheitlich abrufbar und auswertbar sind.
Michael Schuster: Das unterscheidet seinen Ansatz tatsächlich von vielen anderen Diskussionen über KI. Häufig lautet die erste Frage: Wie können wir effizienter werden und Personal sparen? Björn Schreiter dreht das um. Und noch etwas unterscheidet ihn von manch anderem Architekten: Er baut sich sein eigenes AI-Multitool, statt einzelne KI-Tools in einem Werkzeugkasten zusammenzustellen. Brauchen Architekturbüros, wenn sie KI einführen, einen KI-Werkzeugkasten oder ein selbstentwickeltes AI-Multitool?
Jan R. Krause: Ich glaube, dass beide Modelle ihre Berechtigung haben. In vorausgegangenen DBZ-KI-Dialogen haben wir eine Reihe von KI-Tools vorgestellt, aus denen sich ein praxistauglicher Werkzeugkasten zusammenstellen lässt. Für viele Architekturbüros ist der Werkzeugkasten weiterhin das richtige Bild. Wer aber konsequent einen Schritt weitergeht und über die entsprechenden Fähigkeiten verfügt, kann sich sein maßgeschneidertes Multitool bauen, so wie Björn Schreiter es macht. Er entwickelt sein eigenes Multitool – gewissermaßen das ultimative Schweizer Taschenmesser. Wenn eine Lupe fehlt, ergänzt er eine Lupe. Braucht er eine andere Säge, entwickelt er eine passende Säge dazu. Gleichzeitig gibt es hoch spezialisierte Anwendungen, die ein einzelnes Büro kaum selbst entwickeln kann: Spezial-KIs mit umfangreichen eigenen Wissensdatenbanken, wie zum Beispiel die Baurechts-KI, die wir im KI-Dialog in der DBZ 09 | 2026 vorgestellt haben. Wenn es dagegen darum geht, Funktionalitäten auf die eigene Projekt- und Adressdatenbank aufzusetzen, eröffnet die Eigenentwicklung enorme Möglichkeiten.
Michael Schuster: Bei einzelnen KI-Tools entstehen zwangsläufig viele Schnittstellen: unterschiedliche Verträge, Datenschutzanforderungen, Abonnements und Schulungen für die Mitarbeitenden. Die Lösung von Björn Schreiter funktioniert dagegen eher wie ein Maßanzug. Sie ist genau auf die Anforderungen seines Büros zugeschnitten. Was spricht für eine individuell entwickelte KI-Lösung?
Jan R. Krause: Schreiter ist gewissermaßen der Modedesigner – und Claude übernimmt die Rolle des Schneiders. Er definiert, was die Anwendung leisten soll, welche Anforderungen sie erfüllen muss und welche neuen Funktionen benötigt werden. Claude unterstützt ihn dann dabei, diese Ideen technisch umzusetzen. Das zeigt, wie weit wir inzwischen gekommen sind: Man muss nicht mehr jede Zeile Code selbst programmieren können, um eine sehr spezifische digitale Anwendung für das eigene Büro zu entwickeln. Schreiter entwickelt seine eigenen KI-Anwendungen inzwischen mit Fable. Fable ist das mächtigste öffentlich zugängliche Modell von Anthropic für komplexe Wissens- und Programmieraufgaben.
Michael Schuster: Ist die KI eher Werkzeug, Assistent oder Sparringspartner?
Jan R. Krause: Hierzu ist mir eine Aussage von Björn Schreiter besonders im Gedächtnis geblieben: Sein KI-Assistent soll sich melden, wenn er einen Fehler oder eine Auffälligkeit entdeckt. Das verändert die Rolle der KI. Meist stellen wir der KI eine Frage und bekommen eine Antwort. Schreiter geht stärker ins Sparring. Dahinter steckt eine interessante Haltung. Will ich KI lediglich als Erfüllungsgehilfen einsetzen, der mir gewissermaßen eine Schraube eindreht? Oder möchte ich einen echten Partner, der an einer bestimmten Stelle sagt: Hier solltest du vielleicht keine Schraube verwenden, sondern einen Nagel.
Michael Schuster: Lässt sich damit auch erklären, was Björn Schreiter meint, wenn er sagt: Ich möchte KI nicht nur zur Effizienzsteigerung einsetzen, sondern auch zur Qualitätssicherung?
Jan R. Krause: Er spricht in diesem Zusammenhang vom Sechs-Augen-Prinzip. Früher haben zwei Menschen beispielsweise Verträge oder Rechnungen geprüft und sich gegenseitig gefragt: Haben wir etwas übersehen? Heute kommt als drittes Augenpaar die KI hinzu. Im Büro Schreiter hat die KI auch einen Namen. Der KI-Server wurde liebevoll „Renzo“ getauft. Eine KI kann aufgrund ihrer Mustererkennung Auffälligkeiten feststellen, auf die wir möglicherweise gar nicht mehr achten: abweichende Rechnungsnummern, Steuernummern oder Informationen, die in einem Dokument auftauchen, in einem anderen aber fehlen. Entscheiden und überprüfen müssen anschließend weiterhin die Menschen.
Michael Schuster: Welche Rolle spielen dabei die eigenen Bürostandards?
Jan R. Krause: Eine ganz wesentliche! Bevor KI prüfen kann, muss ein Büro definieren, was eigentlich geprüft werden soll. Was sind unsere Standards? Welche Anforderungen stellen wir an unsere Dokumente und Prozesse? Welche Kriterien gelten für unsere Planung? Erst dann kann die KI Dokumente oder Prozesse mit diesen Standards vergleichen und fragen: Entspricht das Ergebnis unseren selbst definierten Anforderungen? Wo gibt es Abweichungen oder Auffälligkeiten? Man muss also zunächst selbst ziemlich genau wissen, was man will. Sonst fehlt der KI schlicht die Bezugsgröße.
Michael Schuster: Mit den bisher besprochenen Anwendungen haben wir vor allem über die späteren Leistungsphasen gesprochen, wie Ausschreibung, Vergabe, Abrechnung, Vertragsmanagement, Baustellenmanagement und Dokumentation – also über Bereiche, in denen der Nutzen digitaler Systeme unmittelbar nachvollziehbar ist. Inwiefern kann KI auch im Entwurfsprozess unterstützen?
Jan R. Krause: Auch hierfür hat Björn Schreiter einen Ansatz entwickelt. Er hat eine typische Wettbewerbsaufgabe eingelesen, einschließlich der Rückfragen aus dem Kolloquium und der entsprechenden Antworten. Damit waren Aufgabe und Rahmenbedingungen definiert. Anschließend begann ein Brainstorming zwischen Mensch und Maschine. Dabei entstanden rund 140 Ideen – teilweise vollständige Ansätze, teilweise einzelne Aspekte aus Disziplinen wie Lichtplanung, Tragwerksplanung oder Raumakustik. Diese Ideen wurden anschließend anhand der Kriterien der Auslobung bewertet. 38 Ansätze kamen in die engere Wahl und wurden zum Teil miteinander kombiniert. Im nächsten Schritt erhielt die KI den Auftrag: Entwickle daraus Konzepte. Das ist bemerkenswert. Denn damit wird eine Aufgabe, die wir bislang als ureigene Kernkompetenz des Architekten betrachten, zumindest testweise an die KI delegiert.
Michael Schuster: Was kam bei diesem Experiment heraus?
Jan R. Krause: Die KI entwickelte vier Konzepte und stellte diese nicht nur textlich dar. Sie erzeugte Grundrisse und Schnitte, beschrieb die Konzepte und bewertete sie anschließend auch untereinander. Das geht erheblich weiter als die Vorstellung, KI generiere lediglich ein paar attraktive Bilder. Es ging nicht um ein Gebäude, das in einer spektakulären Perspektive gut aussieht, bei dem aber niemand weiß, ob die innere Organisation funktioniert. Die Visualisierung steht hier nicht am Anfang, sondern eher am Ende eines viel umfassenderen Prozesses. Hier entstanden Grundriss und Schnitt – also Grundlagen, aus denen Raum, Funktion und räumliche Qualität hervorgehen. Björn Schreiter hat selbst betont, dass die Ergebnisse noch nicht perfekt waren. Aber sie waren bereits so weit entwickelt, dass man sie als ernsthafte Gesprächsgrundlage verwenden und gemeinsam mit dem Team bewerten konnte.
Michael Schuster: Welche Rolle spielt der Mensch in diesem KI-gestützten Entwurfsprozess?
Jan R. Krause: Das Team ist wesentlicher Bestandteil des Prozesses. Die KI liefert Ideen, Konzepte und Bewertungen, aber anschließend schauen die Menschen darauf und fragen: Finden wir uns darin wieder? Ist das ein Ansatz, den wir wirklich weiterverfolgen wollen? Das Team hat die von der KI bereits gerankten Ergebnisse noch einmal selbst bewertet und den Erfüllungsgrad mit den Anforderungen aus der Aufgabe abgeglichen. Zwei Projekte wurden ausgewählt. Eines erfüllte insbesondere die städtebaulichen Anforderungen und die Adressbildung gut, das andere überzeugte stärker bei den innenräumlichen Anforderungen, vor allem bei der Tageslichtqualität. Daraufhin fiel die Entscheidung, im nächsten Schritt aus beiden Ansätzen eine Synthese zu bilden.
Michael Schuster: Welche Bedeutung hat die Unternehmenskultur für die digitale Transformation?
Jan R. Krause: Der Mensch definiert die Ziele, die Qualitätsanforderungen und die Standards. Der Mensch entwickelt die Idee davon, wie eine KI funktionieren und was sie leisten soll. Er befindet sich im Dialog mit der KI, nutzt sie als Sparringspartner und Controller und überprüft und verifiziert ihre Ergebnisse. Aber darüber hinaus braucht die digitale Transformation Akzeptanz im Büro und beim Kunden. Neue Technologien können Mitarbeitende und Auftraggeber auch verunsichern.
Michael Schuster: Wie geht Schreiter mit sensiblen Daten um?
Jan R. Krause: Bevor entsprechende Informationen über Claude verarbeitet werden, werden sie pseudonymisiert. Originalnamen und andere identifizierende Angaben werden entfernt und durch Platzhalter ersetzt. Erst anschließend werden die Ergebnisse wieder den jeweiligen Projekten zugeordnet. Damit wird bewusst eine zusätzliche Sicherheitsschwelle eingebaut. Gerade bei sensiblen Projekt- und Kundendaten ist das ein wichtiger Punkt.
Michael Schuster: Und wie motiviert Schreiter die eigenen Mitarbeiter?
Jan R. Krause: Er beteiligt die Mitarbeitenden an den Entwicklungsprozessen. Und er hat mit dem Dashboard eine Oberfläche geschaffen, die eben nicht wie ein abstraktes KI-Tool wirkt, sondern unterschiedliche Funktionen miteinander verbindet. So wird KI Bestandteil eines digitalen Ökosystems im Büro. Alle haben Zugriff auf dieselben Informationen und können den konkreten Nutzen erleben. Auch bei einer Urlaubsvertretung können Kolleginnen und Kollegen unmittelbar mit den Projektdaten anderer weiterarbeiten. Das System ist grafisch unaufgeregt und funktional niederschwellig. Das erleichtert es, sich darauf einzulassen und selbst an der Weiterentwicklung mitzuwirken.
Michael Schuster: Welche Anforderungen leiten sich daraus für künftige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ab?
Jan R. Krause: Björn Schreiter sieht eine erstaunliche Nähe zwischen Informatik und Architektur: In beiden Bereichen geht es darum, komplexe Aufgaben in kleinere Teilaufgaben zu zerlegen, diese zu lösen und anschließend wieder zu einem funktionierenden Ganzen zusammenzuführen. Genau diese Fähigkeit sollten Absolventinnen und Absolventen mitbringen. Sie müssen komplexe Aufgaben beherrschen und Architektur als Ganzes verstehen können – nicht lediglich einzelne Maßnahmen hintereinanderreihen. Vor allem aber erwartet er Veränderungsbereitschaft. Wer in dieses Büro kommt, sollte nicht davon ausgehen, dass die einmal erlernten Prozesse dauerhaft unverändert bleiben. Gefragt ist die intrinsische Motivation, sich selbst, die eigenen Methoden und die Arbeitsprozesse kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Michael Schuster: Unseren ersten DBZ-KI-Dialog haben wir im Dezember 2024 geführt. Hättest du damals erwartet, dass wir nicht einmal zwei Jahre später mit einem Architekten zusammensitzen, der KI bereits in dieser Konsequenz nutzt?
Jan R. Krause: Ich habe durchaus damit gerechnet, dass sehr schnell weitere Entwicklungen als nur Texte und Bilder möglich werden. Ich dachte allerdings, dass solche Anwendungen zunächst ein Thema für die großen Architekturbüros mit mehr als 100 Mitarbeitenden sein würden – Büros, die eigene Abteilungen für digitale Transformation aufbauen können.
Gerade deshalb finde ich das Beispiel Björn Schreiter so ermutigend. Hier zeigt jemand mit einem Büro von rund 20 Menschen: Wenn ich eine starke Idee habe und bereit bin, mich intensiv damit auseinanderzusetzen, kann ich sehr weit kommen und meine eigene KI auf die spezifischen Anforderungen meines Büros zuschneiden. Das relativiert die Vorstellung, KI-Entwicklung sei ausschließlich eine Frage von Unternehmensgröße und Kapital.
architekten in Lünen. Das Büro plant Wohnungsbau, Schulen, Kindergärten, Bibliotheken und Pflegeeinrichtungen – überwiegend für Kommunen und Wohnungsbauunternehmen. Es arbeitet papierlos und nutzt KI in allen Leistungsphasen. Aus der täglichen Arbeit ist eine eigene, KI-gestützte Projektsoftware entstanden, die das Büro vollständig im Einsatz hat.
