Effizient entspannen: Was Hotels nachhaltiger macht

Ob finnische Sauna, beheizter Außenpool oder Luxus-Spa: Wenn es um Energie- und Wasserverbrauch geht, bewegen sich viele Hotels jenseits ihrer Komfortzone. Ungemütlich wird es auch beim Blick auf die CO2-Bilanz: Rund 5 Mio. Tonnen Treibhausgase pro Jahr verursachen Hotels in Deutschland[1]. Hohe Energiepreise, die zunehmende Regulatorik und steigende Ansprüche der Gäste setzen Hoteleigentümer und -betreiber zusätzlich unter Druck. Eine ressourcenschonende Planung und der energieeffiziente Betrieb werden für die Wettbewerbsfähigkeit von Hotels damit entscheidend.

Mit knapp 500 Mio. Gästeübernachtungen war 2025 für die Tourismusbranche in Deutschland erneut ein Rekordjahr. Trotz dieses Erfolgs zeigen verschiedene Analysen, dass viele Betriebe weiterhin unter erheblichem Kosten- und Strukturdruck stehen[2]. Als ein wesentlicher Grund ­werden dabei die hohen Verbrauchs- und Ener­giekosten genannt, die vor allem energieintensive Betriebe wie Wellness- und auch Konferenzhotels enorm belasten. So verbraucht ein Hotel je nach Größe, Qualität und Umfang der angebotenen Leistungen durchschnittlich bis zu 300 kWh pro m2 und Jahr. Schätzungen des Deutschen Hotellerie- und Gastronomieverbands e. V. (DEHOGA) zufolge machen die Energiekosten inzwischen bis zu 10 Prozent des Jahresumsatzes eines Gastbetriebs aus[3]. Nicht zuletzt verschlechtern der enorme Wasserverbrauch und das hohe Abfallaufkommen die wirtschaftliche und ökologische Bilanz von Hotels.

Auch wenn Nachhaltigkeit für Hotelinvestoren, -eigentümer und -betreiber mittlerweile kein Nischenthema mehr ist, bleibt ihre Interpretation und Umsetzung noch sehr heterogen. Die Bandbreite der Maßnahmen reicht dabei vom Verzicht auf Einwegverpackungen über den Einsatz energieeffizienter Gebäudetechnik bis hin zu komplexen ESG-Strategien. Dabei sollte inzwischen jedem klar sein: Nachhaltigkeit geht weit über die Fragen der Energieeffizienz hinaus und beginnt nicht erst mit dem Betrieb des Hotels. Vielmehr kommt es darauf an, durch vorausschauende und nutzerspezifische Planung, richtige bauliche Konzepte und effizienten Betrieb Ressourcen sinnvoll einzusetzen und die Verbräuche – ob Energie, Wasser oder Baumaterial – soweit es geht zu reduzieren. Am besten gelingt das, indem diese Aspekte bereits in der Planungsphase mitgedacht und mitgeplant werden.

Früh auf Technologie- und Produktwahl achten

So lohnt es sich, angesichts steigender Rohstoffpreise und knapper werdender Ressourcen schon im Designprozess auf die richtige Technologie- und Produktwahl zu achten. Ob Teppiche in Hotelfluren, Möbel und Lampen in den Gästezimmern oder Baustoffe in den Wänden – für viele Materialien gibt es inzwischen klimafreundliche Alternativen. Einen noch größeren Mehrwert bieten kreislauffähige Produkte, die nach Konzepten wie Cradle to Cradle (C2C) geprüft und hergestellt sind. Sie gehen weit über die gesetzlichen Standards hinaus, sind komplett schadstofffrei, gesundheitlich unbedenklich und lassen sich nach ihrer Nutzung vollständig wiederverwerten. Dadurch schonen sie die Umwelt und sorgen nebenbei für ein sicheres und gesundes Raumklima. Besonders für nachhaltigkeitsbewusste Reisende spielen Argumente wie diese oft eine entscheidende Rolle bei der Hotelwahl. Auch für Hotelbetreiber lohnt sich die Investition: Kreislauffähige Produkte bleiben auch dann werthaltig, wenn sie das Ende der Nutzungsdauer erreicht haben. Das in den Baustoffen gebundene Kapital wird ähnlich einer mittel- bis langfristigen Wertanlage bei der Umnutzung oder im Rückbau freigegeben. Wie Cradle-to-Cradle-Designprinzipien in der Hotelpraxis aussehen können, zeigen bspw. Hotels wie das Schwarzwald Panorama oder Premier Inn.

Flächen intelligent planen und nutzen

Weitere Weichenstellungen, die bereits in der Planungsphase unbedingt vorgenommen werden sollten, betreffen die Energie- und Wassernutzung. Da bauliche Nachrüstungen in den meisten Fällen kostenintensiver und aufwändiger sind und zudem den Hotelbetrieb stören, gilt es, die Effizienzmaßnahmen von vornherein mitzudenken. Außenpools verbrauchen beispielsweise besonders viel Energie und das nicht nur in der kalten Jahreszeit. Dazu kommt die Verdunstung, die sich ebenfalls auf den Energieverbrauch auswirkt. Eigentümer und Betreiber sollten daher genau prüfen, ob solche Wellnessangebote für ihre Zielgruppe ein wichtiges Entscheidungskriterium sind.

Eine zentrale Rolle spielt auch die effiziente Nutzung der Flächen. Kompakte Bauformen mit einer möglichst geringen Wasseroberfläche tragen dazu bei, Verdunstung und damit verbundene Wärmeverluste zu reduzieren. Ebenso entscheidend ist die richtige Positionierung der Pools: Windgeschützte und sonnige Standorte fördern die natürliche Erwärmung des Wassers. Ergänzend dazu helfen Poolabdeckungen in den Nachtstunden, wertvolle Energie zu sparen.

Durchschwimmkanäle, die Innen- und Außenpools miteinander verbinden, unterstützen eine kontinuierliche Wasserzirkulation und tragen damit zur Temperaturregulierung bei. Bauliche Elemente wie Lamellen oder Überhänge an den Übergängen helfen zudem, den Ein- und Austritt von warmer und kalter Luft zu steuern. Darüber hinaus lassen sich Wärmeverluste durch kurze Ver- und Entsorgungsleitungen reduzieren, wenn die Anlagen nahe am Hotel positioniert werden.

Sonne bis Abwärme: Potenziale ausschöpfen

Geht es um ressourcenschonende und wirtschaftliche Energieversorgung, so kommt man an ­erneuerbaren Energien wie Solarthermie und ­Photovoltaik nicht vorbei. Insbesondere in Kombination mit anderen nachhaltigen Technologien wie Wärmepumpen bieten sie den Betreibern hohe Einsparpotenziale. Schätzungen zufolge kann eine solarthermische Anlage in richtiger Größe rund 60 Prozent des jährlichen Energiebedarfs für Warmwasser decken und sich in etwa 15 bis 20 Jahren amortisieren.[4] Auch ein regenerativ betriebenes Blockheizkraftwerk kann zu einer positiven Energiebilanz beitragen. Neben dem erzeugten Strom fällt hier Abwärme an, die sich etwa zur Beheizung des Wellnessbereichs, zur Erhitzung des Poolwassers oder zur Einspeisung in die Fußbodenheizung für ein angenehmes Raumklima verwenden lässt.

Abwärmenutzung und Wärmerückgewinnung werden in der Hotellerie bisher jedoch zu wenig berücksichtigt. Dabei sind diese Methoden besonders für Hotels ideal geeignet und bergen ein enor­mes Einsparpotenzial. Die Idee dahinter ist simpel: In Zimmerduschen, beheizten Pools, Wellnessbereichen oder Hotelküchen entsteht jede Menge Abwasser. Die durchschnittlichen Temperaturen bewegen sich hier zwischen 22 und 24 °C. Das ist viel Energie, die unnötig verloren geht und die relativ einfach über einen Wärmetauscher gerettet werden kann. Dieser entzieht dem Abwasser Energie und gibt sie über ein sekundäres Medium an das Warmwassernetz zurück. Die Wärmetauscher sparen auf diese Weise deutlich Energie und Emissionen ein und amortisieren sich mittelfristig. Zudem können sie meistens einfach nachgerüstet werden, ohne den laufenden Betrieb zu beeinträchtigen.

Wenn es um klimafreundliche Energie- und Wärmegewinnung geht, gewinnt auch Geothermie zunehmend an Bedeutung. Studien zufolge könnten tiefe und oberflächennahe geothermische Systeme bis zum Jahr 2045 etwa 40 Prozent des Wärmebedarfs in Deutschland decken[5]. Trotz höherer Erstinvestitionen für Bohrungen haben geothermische Systeme große Vorteile: Sie sind äußerst effizient, da sie die konstante Wärme des Erdreichs nutzen und weniger Energie als herkömmliche Heiz- und Kühlsysteme benötigen. Zudem haben sie niedrige Betriebskosten und rechnen sich schnell.

Digitalisierung als Effizienztreiber

Neben architektonisch-baulichen Aspekten können digitale Tools und Automatisierung die ökologische und ökonomische Effizienz von Hotels erheblich verbessern. Durch den Einsatz von Sensoren und IoT-Technologien kann der Energieverbrauch flexibel an die tatsächliche Nutzung angepasst werden. So ist es etwa möglich, die Klimatisierung von Konferenzräumen ebenso wie die Temperatur in Saunen oder Dampfbädern bei Nichtnutzung automatisch zu senken und damit unnötigen Energieeinsatz zu vermeiden. Auch Beleuchtung und Lüftung lassen sich bedarfsgerecht regulieren, was insbesondere in großen Wellnessbereichen große Einsparpotenziale ­eröffnet. Sind bei geringer Belegung halbe Geschosse leerstehend, könnte eine intelligente Steuerung für die jeweiligen Bereiche automatisch die haustechnischen Anlagen und das Dienstplansystem von Küche, Service und Housekeeping anpassen und den Betrieb optimieren.

Ineffiziente Prozesse lassen sich durch moderne Energiemanagementsysteme inzwischen sehr gut identifizieren und gezielt optimieren. Indem sie Verbrauchsdaten analysieren, Muster erkennen und Prognosen für zukünftige Energiebedarfe erstellen, helfen sie den Hotels beispielsweise, Spitzenlastzeiten besser zu planen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Auch die Integration erneuerbarer Energien wie Solarenergie oder Geothermie wird durch digitale Steuerungssysteme erleichtert und effizient gestaltet.

Nachhaltigkeit messbar machen

Wer nachweisen will, ob sein Hotelgebäude und der Betrieb wirklich „grün“ sind, steht vor der nächsten Herausforderung: Ein wahrer Zertifizierungsdschungel und die sich stetig weiterentwickelnden Regularien machen es schwer, sich zu orientieren. Um eine Grundlage dafür zu schaffen, ist es für Eigentümer und Betreiber wichtig, den baulichen und technischen Status quo der Hotels sowie die betrieblichen Parameter, wie etwa Energieverbräuche, zu kennen und auf den Prüfstand zu stellen. Dabei können sogenannte ESG-Screenings helfen, verschiedene Aspekte der Nachhaltigkeit zu bewerten und Potenziale aufzuzeigen. Denn nicht nur bei privaten Gästen wächst das Nachhaltigkeitsbewusstsein. Auch immer mehr Unternehmen berücksichtigen den CO2-Fußabdruck bei Reiseplanungen. Rahmenverträge werden daher künftig bevorzugt mit den Hotels geschlossen, die einen positiven Impact vorweisen können.

Eine immer größere Rolle spielen vor diesem Hintergrund auch Nachhaltigkeitszertifizierungen für Hotels. Sie können als Leitfäden für die Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen herangezogen werden und den Gastbetrieben helfen, ihre Versorgung und Verbräuche klimafreundlicher zu gestalten. Inzwischen gibt es in Europa mehr als 50 verschiedene Umweltzertifikate und Umweltsiegel für fast alle Arten touristischer Angebote[6], darunter von DEHOGA, Biosphere Responsible Tourism, EU Ecolabel oder GreenSign Hotel. Auch die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB e. V.) bietet ein eigenes Nutzungsprofil für Hotels und nach­haltige Hotelinnenräume an. Beim Letzte­ren stehen die Verwendung schadstofffreier Materialien und die Gewährleistung einer hohen Innenraumluftqualität besonders im Fokus.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mit klugen Konzepten und richtigen Umsetzungsstrategien viele Hotels heute schon Nachhaltigkeit und Umweltschutz im wirtschaftlichen Rahmen verwirklichen können. Die dafür nötigen Technologien und Ansätze stehen bereits zur Verfügung. Insbesondere in Anbetracht des volatilen Energiemarkts und zunehmender geopolitischer Spannungen bietet vor allem die Nutzung erneuerbarer Energie- und Wärmequellen nicht nur Kosteneinsparungen, sondern reduziert auch die Abhängigkeit von externen Energieversorgern. Auf lange Sicht stärken Hotelbetreiber und ­Eigentümer damit ihre Wettbewerbs- und Zukunfts­fähigkeit. Hinzu kommt: Der regulato­­­ri­sche Druck – ob durch ESG-Anforderungen, die EU-Energieeffizienzrichtlinie oder das neue Gebäudemodernisierungsgesetz – wächst stetig weiter. Hotels nachhaltig und emissionsarm aufzustellen, hat damit längst auch strategische Priorität.

[1] https://www.engie-deutschland.de/de/magazin/nachhaltigkeit-der-hotellerie-fuer-mehr-energieeffizienz-wirtschaftlichkeit-und

[2] https://www.dihk.de/de/newsroom/deutsche-tourismusbranche-im-aufwind-aber-wirtschaftlich-weiterhin-fragil-157666

[3] https://www.dehoga.de/themen/energie-klimapolitik/dehoga-energiekampagne

[4] https://www.photovoltaik.info/photovoltaik-solarthermie-amortisation

[5] https://www.geotis.de/homepage/sitecontent/info/publication_data/public_relations/public_relations_data/Metastudie_Geothermie.pdf

[6] https://www.dehoga-sachsen.de/fileadmin/user_upload/dehoga/Informationen/Energiekampagne/2022-07_Wichtige_Nachhaltigkeitszertifizierungen_im_Gastgewerbe_Stand_Juli_2022.pdf

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