cma cyrus moser Architekten mit Hochhausquartier in Frankfurt a. M. www.cma-arch.de

Mitte März wurde das Ergebnis eines Architekturwettbewerbs bekannt gegeben, der für die Stadt Frankfurt a. M. eine über das Projekt hinausgehende Bedeutung hat. Auf dem Gelände des 2014 gesprengten Universitätshochhauses, des 1972 fertiggestellten AfE-Turms, wird wohl schon in diesem Jahr mit den Arbeiten für einen neuen Turm begonnen. Den von der ABG, der Commerz Real sowie Groß & Partner ausgelobten Wettbewerb gewannen die Frankfurter cma cyrus moser Architekten mit einem so genannten Hybrid-Hochhaus. Der 140 m hohe Turm, der den nördlichen Abschluss des Hochhausclus-ters des Messegeländes bilden soll, ist nicht von seiner Konstruktion her hybrid, er ist es bezogen auf die Nutzung. Die unteren 16 Etagen, die bereits langfristig an die spanische Meliá-Gruppe vermietet sein sollen, die dort ein Hotel der Kategorie „4 Sterne plus“ betreiben wird, tragen bis zu 300 hochwertige Apartments in den Etagen 17 bis 40. Und eine Kita. Geteilt ist der Turm auch optisch: Über dem in Frankfurt fleißig geübtem Podiumsbau steht die Hoteleinheit hinter der horizontal gegliederten Glasfassade. Die Apartment-Einheit folgt dem Trend, Wohneinheiten wie in einem mehr oder weniger wilden Verbund als gestapelt erscheinen zu lassen.

Neben dem Realisierungsteil des Wettbewerbs gab es noch einen Ideenteil für einen rund 100 m hohen weiteren Turm im Westen, für den es noch keinen Investor gibt.

Interessant ist, dass auf dem Lageplan die nördlich dem Baufeld anliegende Robert-Mayer-Straße westlich des zurzeit sanierten Physikalischen Vereins geöffnet wurde. Hier soll einmal die „Nord-Süd-Grünanlage“ des Kulturcampus‘ ihren Anfang nehmen. Dem steht aktuell noch ein Kramer-Bau im Weg, der in der Lageplandarstellung schlicht abgeschnitten wurde. Der Rest, eigentlich nur noch das Treppenhaus mit den anliegenden Räumen, steht in Zukunft wohl nur noch auf geduldigem Papier.

Mit der Entscheidung des Wettbewerbs ist die Planung des Kulturcampus‘ – die immer noch nicht als Ganze vorliegt und also sukzessive der Realität des Marktes angepasst wird – in ein erstes wesentliches Stadium gelangt. Man kann davon ausgehen, dass mit den Bauarbeiten am Hotel und den Apartments auch das nördlich anliegende Gelände des Campus Bockenheim eine grundlegende Veränderung erfahren wird. Möglicherweise wird es sogar demnächst Zeit, Ecke Jügelstraße/Mertonstraße wieder einmal ein Doppeldenkmal aufzurichten: Es sollte zeigen Max Horkheimer und Ferdinand Kramer. Bevor sie ganz verschwinden. Dem Horkheimer wurde mit Adorno zusammen immerhin schon eine ganze Straße, ein ganzer Platz geschenkt. Allerdings am neuen Uni Campus, ausgerechnet vis-a-vis der ehemaligen IG-Farben-Konzernzentrale!

cma waren zusammen mit Ole Scheeren, Peking/Berlin, und Christoph Langhof, Berlin, im finalen Verhandlungsverfahren. Im Wettbewerb der ersten Phase waren noch gesetzt: AS & P, Coop Himmelb(l)au, Henning Larsen Architekten, KSP Jürgen Engel Architekten, Meixner Schlüter Wendt, Architekten, schneider+schumacher und Hadi Teherani. Der Bau des Hybrid-Turms soll 2019 abgeschlossen sein. Be. K.

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