Zum Tod von Carl Steckeweh. Ein Nachruf

Wer kannte ihn nicht, Carl Steckeweh, den Mann, der in der Branche jeden kannte. Jeden heißt, alle, die sich in der Architektur und Wohnungswirtschaft, in Verbänden und an den Hochschulen mit dem Thema Bau, Architektur und Baukultur nicht nur beschäf­tigen, sondern wie er ein enthusiastisches Verlangen hatten, nicht nur zu reden, sondern vor allem zu handeln. Er war der rastlose Visionär, der „Netzwerker“ schlechthin, der mit seinem „Beziehungsgeflecht“ Menschen für eine gemeinsame Aufgabe zusammenführte. Und mit diesen lange, auch nächtelange Gespräche führte und immer solange, bis man zu dem kam, was man als ein erfolgreiches Miteinander im Dialog bezeichnet.

Man muss es große Leidenschaft nen­nen, wenn man wie er Architektur und Baukultur begleitete. Dass er dabei oft auch den Weg zum Ziel bestimmte, schafft viele Freunde und manche Gegner, und doch hat er mit Überzeugungs­kraft, mit hohem Sachverstand und großem Engagement in Konflikten immer Verständnis bei allen Beteiligten gesucht und gefunden.

Immer hart an der Sache hatte Carl Stecke­weh in seinen Funktionen als Geschäftsführer des bdla, später des BDA und bis zuletzt mit eigener Agentur die Verantwortung um das baukulturelle Ganze im Blick. Die Ergebnisse seiner Schaffenskraft können sich sehen lassen. Mit seiner Geschäftsführung beim BDA ist das Entstehen des DAZ Deutsches Architektur Zentrum in Berlin nach der Wende verbunden ebenso wie der UIA-Kongress 2002 in Berlin. Beispielhaft hat er sich immer für den Berufsstand der Architekten und für qualitätsvolle Architektur, für etablierte Architekten ebenso wie für junge Architekten eingesetzt und war nicht zuletzt ein ständiger Kämpfer für das Wettbewerbs­wesen.

Carl Steckeweh verstarb am 22. Februar in Berlin im Alter von 64 Jahren. Er starb, wie könnte es anders sein, mitten bei dem, was er am liebsten tat, nämlich bis zur Aufopferung das Beste zu wollen und umzu­setzen, erst dann zufrieden zu sein, wenn er ein gutes Gefühl hatte.

Carl Steckeweh starb direkt nach der Ver-leihung des von ihm seit Jahren verantworteten Deutschen Bauherrenpreises, der alle zwei Jahre vom Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, dem Bund Deutscher Architekten und dem Deutschen Städtetag ausgelobt wird. Diese Verleihung war sein letzter Akt bei der Aufgabe, beispielhafte Architekturqualität mit Leben zu füllen. Was Carl Steckeweh gefallen würde wäre, dass wir die Aufgaben in seinem Sinn mit hoher Leidenschaft weiter führen und Veränderungen auf breiter Ebene auch im Sinne integraler Prozesse vorantreiben. Schwer genug, aber versuchen werden wir es.

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