Wie sein? Drei Büromonografien

Wenn sich ein Architekt, eine Architektin überlegt, ein Buch machen zu wollen, dann fängt meist eine Geschichte an, die länger dauert als ein Jahr. Oder drei. Das kann ganz pragmatische Gründe haben, ein häufiger ist der, dass nicht wenige Autoren/Her-ausgeber überrascht sind, wie teuer das werden kann. Fünfstelliger Bereich und eher mit einer Fünf als einer Zwei am Anfang. Denn natürlich sollen viele Fotos gedruckt werden, die Auflage sollte nichts Bibliophiles evozieren, Bindung und Druck- sowie Papierqualität dann allerdings doch. Und wenn dann der ganze Traum als eine Vorstellung zusammengefasst ist, will der Traumverlag vielleicht gar nicht. Weil Büro und Arbeiten nicht ins Portfolio passen. Weil der Architekt als schwierig in der Zusammenarbeit gilt. Oder weil gerade zu viele ähnlich gelagerte Anfragen vorliegen. Kann sein.

Halten Bücher länger als Bauten?

Und wenn dann ein Verleger, eine Verlegerin nachfragt, gleich im ersten Gespräch, warum um Himmels Willen man denn überhaupt ein Buch machen wolle, dann sind die Auftraggeber nicht selten sprachlos. Weil das alle (bekannten) Büros machen?! Weil das gut für den Namen und damit fürs Geschäft ist?! Weil es Spaß machen könnte und zufällig genügend Geld vorhanden ist (Sponsor)? Mancher hat auch schon von „Hinterlassenschaft“ gemurmelt und weil man ja etwas zu sagen habe, das nicht verloren gehen darf. Wer schreibt, bleibt!? Aber halten Bücher denn länger als Bauten?

Nun schwankt so mancher Verlag, blickt man auf die Produktion der hier an- und gleich besprochenen (drei) Büromonografien, zwischen „passend zum Portfolio“, „Neuentdeckung und Verkaufsschlager“ bis hin zu „Broterwerbsstücken“ (die drei finden sich alle in allen Kategorien wieder). Kategorisch sind hier meist die ganz kleinen Verlage, die spezialisiert ausgerichtet sind und sich nichts anderes leisten können, als regelmäßig hervorragende Mono-grafien zu publizieren (z. B. Quart Verlag).

Die hier besprochenen Büroarbeiten spiegeln ein wenig die Breite des mittleren Spektrums von Möglichkeiten. So wählten wulf architekten (wa) ein schönes Querformat, Barkow Leibinger (BL) das Gleiche in hoch und Cukrowicz Nachbaur (CN) die Hälfte von BL, dafür aber doppelt so dick. BL und aw erreichen durch unterschiedliche Papiere unterschiedlichen Seitenumfang bei gleicher Buchdicke, CN wählten ein ähnliches Papier wie aw, allerdings mit geringerem Glattstrich. BL und wa setzen auf serifenlose Schrift (HaasUnica bei BL, Theinhartd Medium/Light bei aw), CN auf die Garamond (?), einer Typenfamilien, die auch online en vogue ist (war?). CN spielen zudem mit unterschiedlichen Schriftschnitten und scheuen auch nicht davor zurück, Fließtext in 16 oder 18 Punkt zu setzen. Auch der Druck der Fotos bei CN folgt der Ambition, ein sehr persönliches Statement zu liefern: Das offenporige Papier leistet mit satten Farbauftrag eine höhere Plastizität und gibt Landschaft wie Ansichten durch minimale Unschärfe noch einmal das subjektiv Direkte, was die Objektgeschichten und Interviews ebenfalls widerspiegeln.

Kritische Stimmen? Dafür wurde nicht gezahlt

Während wa also sowohl in der Gestaltung, aber auch in der Präsentation der Arbeiten durch klassische Architekturfotografie und die omnipräsenten Statements der drei Büropartner auf hochwertige Selbstdarstellung setzen, die kaum Raum für Reflexe zulässt, sind CN und vor allem BL offenbar an Fremdsichten auf Aspekte ihrer Arbeiten interessiert. Was nicht heisst, dass hier kritisch fragende Stimmen zu Wort kämen, für die wurde auch nicht gezahlt. BL versuchen diese Fremdsicht beispielsweise mit einem Fotoessay über eines ihrer zentralen Projekte – den sie leider nicht einem klassischen Fotoreporter oder Fotokünstler anvertraut haben (für schneider + schuhmacher tat das einmal Kirsten Bucher).

Da die Monografien von aw und CN die ersten sind, die sie bisher gemacht haben, gibt es je ein Werkverzeichnis; was mit Blick auf die noch ausstehenden Jahre der hier allesamt jungen Büros nur ein Zwischenstand sein kann. BL sehen offenbar schon die Möglichkeit, einzelne Projekte herauszugreifen, sie unter das große Thema „Spielräume“ zu versammeln und in ihrem Kontext die Experimente (Spielräume?!) abzubilden, die zu Form oder Material oder allem geführt haben.

Insgesamt betrachtet ergibt sich der Eindruck, dass alle drei durch ihre Verlage gut beraten waren. Äußere Erscheinung, Grafik und Herstellung des Objektes Buch treffen jeweils ziemlich gut den Kern der Bürophilosophien. BL machen das sehr souverän (Ausnahme der Bildessay von Iwan Baan) und CN sind hier sympathisch spielerisch. Vielleicht hatten wa zuviel Lampenfieber vor dem ersten Auftritt, ihre sehr wie aus einem Guss wirkende Präsentation kommt – vielleicht auch gerade im Vergleich mit den beiden anderen – ein wenig zu glatt herüber; an der Architektur von wa liegt das nicht, offenbar an der Sorge, etwas nicht richtig zu machen.

Was alle drei eint, ist ihr Preis (58 €). Ob das der irgendwie vergleichbaren Masse zu verdanken ist oder schlicht der Erkenntnis, dass mehr nicht geht und weniger auch nicht, kann hier nicht gesagt werden. Finanziert wurden wa und CN über Firmen-Sponsoren und teils öffentliche Gelder (CN). Allen dreien kann man jetzt nur wünschen, dass ihnen das Büchermachen etwas gegeben hat; Selbsterkenntnis vielleicht, Spaß zumindest. Be. K.

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