Vom wirklichen Zuhause?

Es gibt sie immer wieder: Bücher über das einfache Bauen. Meist werden hier kostengünstige Varianten des Fertigbaus versammelt oder, am anderen Ende einer denkbaren Skala, Budenbauten von Kindern, geradegestellt vom Besserwisserischen erwachsen gewordener Phantasien. Nun liegt mit „Hütten“ eine Sammlung einfacher Bauten vor, die die Kinderphantasien in die Erwachsenenwelt fortschreiben. Aus mehr als 12 000 dokumentierten Hütten weltweit werden einige zig in sogenannten „Archiven“ auf je einer Druckseite vorgestellt. Dazwischen finden sich zehn Texte über – allerdings nur nordamerikanische – Hüttengeschichten im Wald, in einer Höhle, hoch über dem Erdboden oder in der Wüste, dort, wo Frank Lloyd Wright seine Studenten einmal Probearbeiten bauen lies.

Scheinbar stehen alle irgendwo am Ende der Welt, nur sehr schwer erreichbar. Sie sind Gegenorte zivilisatorischer Sicherheiten, was auszuhalten – Stille, Einsamkeit, Unbequemlichkeit, Ausgesetztsein etc. – heute nicht mehr jedem gelingen mag. Aber davon zu träumen, wie es wäre, selbst die Bäume zu fällen, die Bretter zu sägen, die Stege und Badezuber zu bauen, ist eine Art Reflex auf unsere instinktive Sehnsucht nach Ursprünglichkeit, die sich auch in dem Konsens darüber äußerst, dass es wohl eine Art allgemeingültiger Vorstellung vom (wirklichen) Zuhause gibt und wie es herzustellen sei (frei nach Christopher Alexander, der im Buch zitiert wird). Be. K.

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